1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Herscheid

Vor der nächsten Überflutung: Dem Wasser mehr Platz schaffen

Erstellt:

Von: Dirk Grein, Georg Dickopf

Kommentare

Im Bereich Vogelsang trat die Schwarze Ahe massiv über die Ufer und überflutete unter anderem diese Brücke. In vielen Teilen der Gemeinde sind Schäden verursacht worden, die nun behoben werden sollen.
Im Bereich Vogelsang trat die Schwarze Ahe massiv über die Ufer und überflutete unter anderem diese Brücke. In vielen Teilen der Gemeinde sind Schäden verursacht worden, die nun behoben werden sollen. © Archivfoto: Birke, Maximilian

Das Juli-Hochwasser hat auch in der Gemeinde Herscheid erhebliche Schäden angerichtet. Diese zu beheben wird teuer und zeitintensiv. Ein Wiederaufbauplan fasst nicht nur die notwendigen Maßnahmen zusammen, sondern sichert auch die Finanzierung der Arbeiten durch Fördermittel.

Herscheid - Unterhöhlte Fahrbahnen, beschädigtes Brückenbauwerk, Absackungen: Die Wassermassen haben in etlichen Ortsteilen Spuren hinterlassen. Einige sind offen sichtbar, andere hingegen eher versteckt. Die dringendsten Schäden wurden mit Sofortmaßnahmen behoben, doch viele Reparaturen stehen noch aus.

Aufgrund der Vielzahl der Beschädigungen, um die es sich zu kümmern gilt, hat die Gemeinde Herscheid einen Sonderbeauftragten eingestellt. Wasserbauingenieur Andreas Voit, langjähriger Leiter der Gemeindewerke Abwasser, unterbrach für diese Aufgabe seinen Ruhestand. Er stand nicht nur betroffenen Bürgern mit Rat und Tat zur Seite, sondern fasste auch die Beschädigungen an der kommunalen Infrastruktur zusammen.

Nach intensiven Gesprächen ist es Voit gelungen, einen 19 Maßnahmen umfassenden Wiederaufbauplan fertigzustellen. In der Summe belaufen sich die Kosten für alle Schadensbehebungen auf 1,67 Millionen Euro. Nachdem der Herscheider Gemeinderat diesen Plan einstimmig beschlossen hat, soll nun eine Wiederaufbauhilfe beim Land beantragt werden. Die Förderquote betrage in der Regel 100 Prozent, erklärt Andreas Voit.

Er empfiehlt, die von ihm ausgearbeiteten Maßnahmen zeitnah umzusetzen. Denn derlei Arbeiten an Gewässern „macht man nur bei Niedrigwasser“, so Voit.

Regenrückhaltebecken, Brückenneubau, Forstwege: Diese Maßnahmen sind geplant

Die gravierendste Beschädigung der Herscheider Infrastruktur durch das Juli-Hochwasser erfolgte in der Ortschaft Vogelsang, wo eine Brücke neu gebaut werden muss. Im Bereich Höllmecke musste eine Straße wiederhergestellt werden. Bachräumungen oder -regulierungen sind für folgende Bereiche angegeben: Schwarze Ahe, Bubbecke, Lingenbecke, Elsebach. Große Kosten werden die Instandsetzungen der Forstwege verursachen; allein für den Süd-Westen der Gemeinde sind Instandsetzungskosten von rund 192 500 Euro vorgesehen. Auch die Kosten für die Feuerwehreinsätze rund um das Juli-Hochwasser sind in den Wiederaufbauplan aufgenommen worden. Über diesen soll auch die Reparatur des Edelstahlbeckens im Freibad abgerechnet werden. Neuanlagen von Regenrückhaltebecken sind am Bruchbach, in Vogelsang sowie in Birkenhof geplant. Zunächst enthielt der Wiederaufbauplan von Andreas Voit 30 Einzelmaßnahmen. Doch auf Anraten der Bezirksregierung hat er diese zu nun 19 Projekten zusammengefasst, unter anderem, weil zu jeder Maßnahme eine ausführliche Dokumentation erstellt werden muss.

Auch deshalb wurde bereits begonnen, erste Verbesserungen entlang von Privatgrundstücken vorzunehmen. Hinsichtlich der Ausbesserungen von Forstwegen sei ebenfalls Eile geboten, damit auch Feuerwehr und Rettungsdienst diese nutzen können, um im Notfall die Außenbereiche erreichen zu können. „Außerdem sind die Fördertöpfe zurzeit gut gefüllt“, nannte der Sonderbeauftragte einen weiteren Grund, die Umsetzung nicht auf die lange Bank zu schieben.

Generell sei es das Ziel aller Maßnahmen, punktuelle Verbesserungen zu erzielen. An den erkannten Problemstellen soll, wo es möglich ist, dem Gewässer mehr Platz verschafft werden, um mögliche Beschädigungen zu minimieren. Dazu zähle auch die Schaffung von weiteren Regenrückhaltebecken.

Erschwert werde das Vorhaben durch die derzeitigen Entwicklungen (explodierende Materialpreise und allgemeine Kostensteigerungen). Daher hat Andreas Voit die Kalkulationen in besagtem Wiederaufbauplan nachträglich bereits angepasst. Sollten die Mittel jetzt bewilligt werden, diese aber am Ende nicht ausreichen, um sämtliche Maßnahmen umzusetzen, so bestehe die Möglichkeit, im nächsten Jahr einen Nachtragsantrag zu stellen.

Das Bachbett in Schwarze Ahe im Normalzustand. Auch hier sollen in den nächsten Monaten Optimierungen vorgenommen werden.
Das Bachbett in Schwarze Ahe im Normalzustand. Auch hier sollen in den nächsten Monaten Optimierungen vorgenommen werden. © Dickopf, Georg

Zwar könne man eine Überflutung nie mit absoluter Sicherheit verhindern. Aber die Gefahr von größeren Beschädigungen könne man minimieren, auch im Sinne der Anwohner, die an den Gewässern wohnen.

Sein Plan sieht vor, mit den Maßnahmen zum Hochwasserschutz noch in diesem Herbst zu beginnen. Unter anderem sollen im Bereich der Schwarzen Ahe die Durchflussbreiten vergrößert werden.

Voit geht davon aus, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis erneut ein solches Ereignis in der heimischen Region eintrifft: „Starkregen hat kein Gedächtnis“, hofft der Sonderbeauftragte, dass die Gemeinde Herscheid mit Hilfe des von ihm ausgearbeiteten Wiederaufbauplans auf den nächsten Starkregen gut vorbereitet ist.

Auch interessant

Kommentare