Sorgen der Gastwirte

Viel Unverständnis herrscht bei den Herscheider Gastronomen zum Shutdown

Magda Kowal vom Landhaus Stottmert zeigt die Anlaufstelle für das Mitnehmen von Speisen.
+
Magda Kowal vom Landhaus Stottmert zeigt die Anlaufstelle für das Mitnehmen von Speisen.

Herscheid – Auch in der Ebbegemeinde bleiben seit Montag sämtliche Gaststätten für einen ganzen Monat geschlossen, stattdessen darf es nur noch einen Liefer- und Abholdienst geben.

Herscheid - Wir haben uns umgehört, wie die Lokale vor Ort auf die zweite „Zwangspause“ wegen der Corona-Pandemie in diesem Jahr blicken.

Café Sirringhaus

„Unser Café müssen wir natürlich schließen. Der Verkauf geht aber weiter“, stellt Konditorin Sandra Wadulla vom Café Sirringhaus klar. Sie spricht von vielen „Einschnitten“, die nun wieder auf das Geschäft zukommen: Abgesagte Martinsumzüge und die ersten gestrichenen Weihnachtsfeiern – davon sei man stark betroffen. Denn gerade dann seien die Backwaren aus der Konditorei eigentlich sehr gefragt. Ab sofort brechen damit wichtige Einnahmen weg.

„Im Sommer fanden schon viele Hochzeiten nicht statt und das Ostergeschäft war eigentlich gar nichts“, blickt Sandra Wadulla resigniert zurück. Trotzdem zeigt sie Verständnis für die neuen Maßnahmen: „Irgendwas muss ja gemacht werden. Ich möchte nicht in der Haut der Politiker stecken, die das entscheiden müssen.“

Zumindest gibt es für die eigene Bäckerei keine neuen Einschränkungen; hier dürfen sich weiterhin – natürlich mit Abstand und Maske – bis zu drei Kunden gleichzeitig vor der Theke aufhalten. Ob das Café im Dezember wieder normal öffnen kann? Sandra Wadulla hat durchaus ihre Zweifel daran, dass die Infektionszahlen schnell nach unten gehen. Falls nicht, könnte auch das Weihnachtsgeschäft für das Café Sirringhaus ausfallen, so die Befürchtung.

Konditorin Sandra Wadulla im leergefegten Café Sirringhaus.

Landhaus Stottmert

„Bei uns steht das Telefon seit Donnerstag nicht mehr still“, verweist Magda Kowal aus dem Landhaus Stottmert auf die Folgen der Shutdown-Verkündung. Bis Sonntagabend sei man bis auf den letzten Platz ausgebucht gewesen. Gefühlt hätten alle unbedingt noch einmal Essen gehen wollen. Dass dies seit heute nicht mehr erlaubt ist, stößt bei ihr auf kein Verständnis: „Ich kann es nicht verstehen. In der Gastronomie gab es nirgendwo einen bekannten Infektionsherd“, schüttelt Magda Kowal enttäuscht den Kopf.

Alles sei regelmäßig desinfiziert worden und genug Platz wäre ja auch vorhanden gewesen. Aus ihrer Sicht gebe es jetzt eher die Gefahr, dass sich viele Leute privat treffen.

Das Landhaus Stottmert stellt den Betrieb jedoch nicht komplett ein, sondern bietet wie im Frühjahr erneut einen Abholservice an. Täglich zwischen 12 und 20 Uhr kann per Telefon Essen bestellt und vor Ort mitgenommen werden. Ruhetage sind mittwochs und donnerstags. Mit Blick auf die kommende Zeit sagt Magda Kowal: „Wir warten ab, wie in zwei Wochen die nächsten Beratungen über den Shutdown laufen. Zum Glück haben wir viele tolle Stammgäste, die uns die Treue halten.“

Café-Restaurant Vedder

„Absolutes Unverständnis“ über die erzwungene Schließung herrscht im Café-Restaurant Vedder in Nieder-Holte. „Herr Spahn hat mal gesagt, dass er sich einen zweiten Shutdown nicht vorstellen könne. Warum werden gerade die Restaurants so bestraft?“, fragt Caroline Vedder und zeigt sich ziemlich frustriert. Unter Gastronomen gebe es auch Bedenken, ob im Dezember überhaupt wieder geöffnet werden könne. „Unsere Ferienhäuser mitten in der Natur dürfen nicht mehr vermietet werden, aber man darf trotzdem noch in den Urlaub fliegen“, kann Caroline Vedder die aktuellen Regeln nicht mehr nachvollziehen. So fahre man die heimische Wirtschaft gegen die Wand.

Ihr Betrieb sei zwar gut aufgestellt und werde die vier Wochen im November überstehen, doch es gebe auch nicht bedachte Folgen: „Eine unserer 450-Euro-Kräfte hat sich schon eine neue Stelle gesucht, weil die Person auf das Geld angewiesen ist. Im Dezember müssen wir erstmal wieder jemanden finden.“ Auch das soziale Leben würde durch die Schließung von Gaststätten zu stark in Mitleidenschaft gezogen: „Die Leute kommen nicht nur, um satt zu werden.“

Für Caroline Vedder ist klar: Die Gastronomie habe es nicht verbockt. Während des Shutdown werde es keinen Liefer- oder Abholdienst geben, erklärt sie. „Das lohnt sich für uns nicht“.

Die letzte Gelegenheit zum Essengehen: Ingrid und Wolfgang Plage sowie Ulrike und Kalle Schürholz statteten wie viele andere der Herscheider Gastronomie noch einen letzten Besuch vor dem Shutdown ab.

Die Gäste

Dass kurz vor dem zweiten Shutdown sogar noch Touristen in der Ebbegemeinde zu Gast waren, bewiesen Tanja Wolf und Ellen Paß-Carignan: Um aus der Großstadt herauszukommen, hatten sie schon vor Längerem für zwei Nächte ein Herscheider Ferienhaus gebucht. Die beiden Freundinnen wurden von der heimischen Landschaft angelockt.

„Wir wandern gerne und fühlen uns hier sehr wohl“, berichtete Tanja Wolf, die aus Bonn kommt. Die Berlinerin Ellen Paß-Carignan betonte: „In der Hauptstadt wäre ich an diesem Wochenende nicht mehr in ein Café gegangen. Hier ist das ja kein Problem mit dem Abstand halten.“

Beide lobten das „vorbildlich umgesetzte Hygienekonzept“ in den örtlichen Gaststätten und bedauerten die bundesweiten Schließungen. Die Gastronomie habe wegen Corona viel Aufwand betrieben und würde jetzt abgestraft. „Das ist schade“, waren sich beide einig.

So sehen das auch viele Menschen aus der Umgebung, die am letzten Wochenende vor dem neuen Shutdown in den Herscheider Lokalen unterwegs waren. „Wir wollten die Gelegenheit nutzen, noch einmal die Gastronomie zu besuchen und damit auch zu unterstützen“, so Ingrid und Wolfgang Plage aus Plettenberg.

Aus der Vier-Täler-Stadt kamen auch Ulrike und Kalle Schürholz nach Herscheid, die vor ihrer Einkehr im Landhaus Stottmert wie viele andere Gäste mit gemischten Gefühlen über die beschlossenen Schließungen sprachen: „Wir haben Verständnis für die Maßnahmen, aber für die Gastronomie ist es schon bedauerlich.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare