Corona-Schnelltestpflicht sorgt für Entrüstung bei Kunden

Verzweiflung im Friseur-Salon: Terminabsagen und jede Menge Frust

Die nächste Stornierung: Ein Kunde ruft bei Friseurin Maria Misiou an und sagt einen bereits vereinbarten Termin wegen der Schnelltest-Pflicht ab.
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Die nächste Stornierung: Ein Kunde ruft bei Friseurin Maria Misiou an und sagt einen bereits vereinbarten Termin wegen der Schnelltest-Pflicht ab.

Dienstagnachmittag, 14.30 Uhr im Salon Här in der Ortsmitte. Unentwegt greift Myriam Bubert zum Telefonhörer oder zu ihrem Handy. Einziger Gesprächsinhalt: die vom Märkischen Kreis festgelegten neuen Regeln für den Friseurbesuch.

Herscheid - „Ich bin fassungslos“, gesteht die Inhaberin des kleinen Herscheider Salons. Innerhalb weniger Minuten musste sie telefonisch mehrere Abmeldungen entgegennehmen. Einige Kunden stornierten ihre bereits gebuchten Termine, weil sie sich weigern, einen CoronaSchnelltest für einen neuen Haarschnitt zu machen.

Genau das verlangt die Allgemeinverfügung des Kreises, die ab dem nächsten Samstag, 27. März, für heimische Friseure und weitere körpernahe Dienstleistungen gilt. Eine bittere Pille, die Myriam Bubert und ihre Mitarbeiter schlucken müssen. Nach der von der Politik verordneten dreimonatigen Zwangspause und der Wiedereröffnung Anfang März „lief alles super“, berichtet die Inhaberin von prall gefüllten Terminkalendern, funktionierenden Hygienekonzepten und zufriedenen Kunden.

Viele offene Fragen

Doch die Mitteilung des Kreises, die am Dienstagmittag ins Haus „flatterte“, erschwert den Betrieb. Ein tagesaktueller, negativer Schnelltest muss ab Samstag vorgelegt werden. Wahlweise eine Bescheinigung aus einem Schnelltestzentrum oder aber ein Test, der im Salon durchgeführt wird.

Doch woher sollen die Tests kommen, wenn die Kunden keinen von daheim mitbringen können? Und wie sollen Termine eingehalten werden, wenn im Salon bei jedem Kunden zunächst eine Viertelstunde auf das Ergebnis eines Selbsttests gewartet werden muss? 

Kritik an Osterruhe

Myriam Bubert schüttelt den Kopf. Angesichts der steigenden Fallzahlen und Inzidenzwerte „habe ich ja Verständnis für die zusätzlichen Schutzmaßnahmen. Aber ich verstehe die Kurzfristigkeit einfach nicht.“ Genau drei Tage bleiben ihr und ihren Mitarbeitern, um die neuen Vorgaben umzusetzen.

Vieles ist dabei noch unklar: Die vom Bund zunächst angedachte fünftägige Osterruhe stieß Myriam Bubert besonders übel auf. An Gründonnerstag, einem der Hauptgeschäftstage in einem jeden Friseurjahr, hätte nach den Beschlüssen von Montagnacht der Salon geschlossen bleiben müssen. Was wäre mit den bereits vereinbarten Terminen geschehen? Und hätte den Mitarbeitern für den Ruhetag eine Lohnzahlung zugestanden?

„Bananenrepublik“

Dass die Bundesregierung die Osterruhe am Mittwoch zurückgenommen hat, dürfte Myriam Bubert erleichtern. Doch allein die Überlegung bringt sie auf die Palme: Nach einem Jahr Corona liege kein Konzept vor, vieles wirke planlos. „Das ist doch alles nicht zu Ende gedacht.“ Die Inhaberin versucht, sich zusammenzureißen, will sich mäßigen, dennoch entfährt ihr ein niederschmetterndes „Bananenrepublik“, ehe das Telefon wieder klingelt. Kurz darauf hat sich zumindest ein Problem gelöst: Mit Hilfe der Handwerkskammer erhält der Salon Här eine Grundausstattung an Coronatests. 7,50 Euro pro Stück. Kommt der Staat für diese Zusatzkosten auf oder bleibt die Inhaberin darauf sitzen? Oder droht den Kunden etwa ein Preisaufschlag?

Gefahr: Schwarzarbeit

Myriam Bubert wirkt ratlos. Ihre Mitarbeiterin Maria Misiou geht an das schon wieder klingelnde Telefon – die nächste Kundin storniert einen Termin. Kopfschüttelnd geht die Inhaberin nach draußen, um tief durchzuatmen. Die ständigen Einschränkungen erschweren den Friseuren nicht nur ihr Handwerk, sondern gefährden Existenzen. Insbesondere dann, wenn Schwarzarbeiter – wie während der LockdownSchließung erlebt – diese Situation ausnutzen.

Doch diesen Gedanken kann Myriam Bubert nicht weiter verfolgen – schon wieder klingelt es, diesmal ihr Handy. Ihr Sohn Yves ruft an, auch in seinem Salon in Lüdenscheid hat der erste Kunde wegen der Test-Pflicht einen Termin abgesagt. „Ich kann es einfach nicht fassen“, winkt Myriam Bubert ab. 

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