GAH bildet zum ersten Mal eine Kauffrau im E-Commerce aus

Das Versuchskaninchen der Firma Alberts

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Wie geht die Firma Alberts mit dem wachsenden Markt des Onlinehandels um? Ausbildungsleiter René Groll (stehend links) und Personalleiterin Jutta Wrona (stehend rechts) schauen der Auszubildenden Maxi Simon bei ihrer Arbeit über die Schulter.

Herscheid - Nicht als Gefahr, sondern als Chance begreift die Firma Gustav Alberts (GAH) das boomende Geschäft im Internet. Diesem Bereich widmet Herscheids größter Arbeitgeber einen neuen Ausbildungsberuf.

Der Begriff „Versuchskaninchen“ wird häufig negativ gewertet. Ganz anders im Fall von Maxi Simon: Die 21-jährige ist die erste Person, die bei GAH zur Kauffrau im E-Commerce ausgebildet wird – ein Berufsbild, für das es bislang keinerlei Erfahrungswerte gibt, weil es völlig neu ist. 

„Ich finde das richtig spannend“, beschreibt die junge Herscheiderin die zurückliegenden zwei Monate. In der Berufsschule sei zu spüren, dass es sich um ein neues Feld handelt – für die 30 Absolventen des ersten Ausbildungsjahrganges fehlte beispielsweise am Anfang das entsprechende Unterrichtsmaterial. Auch die Lehrer mussten sich auf die neuen Anforderungen einstellen. 

Ähnlich sieht die Situation bei der Firma Alberts aus: Auch hier nimmt Maxi Simon eine Sonderstellung ein. „Wir leisten Pionierarbeit“, meint Personalleiterin Jutta Wrona. Sie erinnert sich an eine Informationsveranstaltung der Industrie- und Handelskammer zu dem neuen Ausbildungsberuf. Von Seiten der Industrie nahm lediglich ein Betrieb teil – Gustav Alberts. 

„Wir sind eben neugierig“, meint Jutta Wrona mit einem Lächeln. Getreu der Devise „Aller Anfang ist schwer“ vermutet die Personalleiterin, dass viele Unternehmen sich damit schwer getan haben, die neuen Aspekte des Onlinehandels (E-Commerce) und des Berufs zu verinnerlichen. 

In Grünenthal hat man die Zeichen der Zeit hingegen längst erkannt: „Unsere Handelspartner verändern sich, darauf müssen wir reagieren“, sagt Ausbildungsleiter René Groll. 80 Prozent der Kunden beliefert die Firma Alberts auf herkömmlichem Wege. Doch seit etwa sechs Jahren gebe es auch Handelspartner und Nischenhändler, die über das Internet bedient werden. Um sich für die Herausforderungen dieses wachsenden Marktes zu wappnen, wurde Maxi Simon eingestellt. 

Ihre Ausbildungsinhalte ähneln zwar denen der Industriekaufleute, allerdings mit einem ausgeprägten Rechtsschwerpunkt. Wie werden Onlinewaren- und Dienstleistungsverträge abgewickelt? Welche Technik steckt hinter einem Shop-System? Welche Anforderungen haben die Kunden? Diesen und anderen Fragen wird sich die 21-Jährige verstärkt widmen. Die Spezialisierung in der Berufswelt sei wichtig, betont Jutta Wrona: „Die eierlegende Wollmilchsau hat es früher einmal gegeben.“ 

Maxi Simon wird nicht nur die vierköpfige Online-Abteilung bei Alberts verstärken, sondern durchläuft zunächst alle Abteilungen. Außerdem sind im Rahmen der Ausbildung auch Betriebspraktika bei anderen Unternehmen angedacht. „In diesem Bereich sind wir alle in der Lernphase“, spricht sich die Personalleiterin dafür aus, auch die Berufsschullehrer mit an die Hand zu nehmen und zu Praxistagen einzuladen. 

Zwar befindet sich der Ausbildungsberuf noch in den Kinderschuhen. Dennoch werten Jutta Wrona und René Groll die Einrichtung der Azubistelle als wichtigen Baustein dabei, das Unternehmen für die Zukunft aufzustellen. Eine große Last verspürt Maxi Simon angesichts dieser Worte allerdings nicht: „Ich freue mich auf die kommenden Monate“, sagt das GAH-Versuchskaninchen.

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