Experten geben Tipps, wie man fit im Kopf bleibt

Nur vergesslich oder schon dement?

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Claudia Cramer und Thorsten Faust informierten über Demenz. Dabei gaben sie ihren Zuhörern auch Tipps mit an die Hand, wie man sich gegen eine solche Krankheit schützen kann.

Herscheid - Viele Angehörige kennen das: Opa verlegt den Schlüssel, vergisst Absprachen, kann sich nicht mehr an den Vortag erinnern. Die Ausfälle treten erst sporadisch auf, werden dann häufiger und irgendwann steht die Frage im Raum: Wird Großvater dement?

Vergesslichkeit ist normal, zumindest bis zu einem gewissen Grad. Doch wo fängt eine Demenzerkrankung an? Betroffene und ihr Umfeld verzweifeln an dieser Frage. Es gibt aber einige klare Hinweise, wie die Herscheider Apothekerin Claudia Cramer in einem Vortrag über Demenz deutlich machte. Mit großem Interesse lauschten ihr rund 20 Gäste im Seminarraum der Dorf-Apotheke. 

Dabei stellte die Referentin die Vielschichtigkeit der Krankheit vor und verwies auf die verschiedenen Formen: „Alzheimer ist die häufigste Art von Demenz, es gibt aber auch sekundäre Demenzen, die durch andere Erkrankungen ausgelöst werden, und vaskuläre Demenz durch gefäßbedingte Gehirnschädigungen.“ 

Der größte Risikofaktor sei das Altwerden. „Weil es mehr ältere Menschen gibt, erhöht sich auch die Zahl von dementen Personen“, machte Claudia Cramer darauf aufmerksam, dass die steigende Lebenserwartung zu einer weiteren Verbreitung von Demenz führen werde. 

Symptome können unter anderem eine eingeschränkte Urteilsfähigkeit, das Verstecken von Gegenständen (die anschließend nicht mehr gefunden werden), Depressionen und Wahnvorstellungen sein. „In der ersten Stufe von Alzheimer verlegt man zum Beispiel Dinge oder vergisst Termine. Das verschärft sich dann in Stufe zwei, wenn die Körperpflege vernachlässigt wird oder auch Angstzustände auftreten“, erklärte die Expertin den schleichenden Krankheitsverlauf. 

Schwierigkeiten beim Erinnern seien die ersten Anzeichen, wobei das Kurzzeit- viel früher als das Langzeitgedächtnis beeinträchtigt werde. Am Schluss können oftmals nur noch Erinnerungen an längst vergangene Zeiten abgerufen werden, betonte die Apothekerin. Sprachstörungen treten meist erst im späteren Verlauf einer Alzheimer-Demenz auf. 

Ob Veränderungen normal für das jeweilige Alter sind, lasse sich nur mit neuropsychologischen Tests herausfinden. „Gehen sie zum Hausarzt und lassen es abklären“, empfiehlt Claudia Cramer und hat gleichzeitig eine gute Nachricht parat: „In 80 Prozent der Fälle wird dabei gar keine Demenz diagnostiziert, stattdessen kann die Verwirrtheit einer Person auf andere Gründe, wie eine Infektion, Medikamente oder einfach nur Stress zurückgeführt werden.“ 

Falls die Krankheit doch bestätigt wird, ist deren Aufhalten kaum möglich. In den ersten zwei Jahren lasse sich mit einer effektiven Therapie noch eine Verzögerung erreichen, danach sei dies nicht mehr der Fall, stellt die Referentin klar. 

Eine umso wichtigere Rolle würden äußere Einflüsse spielen, betonte die Apothekerin: „Wer rastet, der rostet. Eine ältere Person, die nur noch alleine vor dem Fernseher sitzt und keine sozialen Kontakte hat, wird in kürzester Zeit dement. Es ist erwiesen, dass die Krankheit dann schneller ausbricht.“ Zusätzliches kognitives Training halte das Gedächtnis fit, sagt Claudia Cramer. 

Dazu zählen Kreuzworträtsel, Sudoku, Knobelaufgaben – jede Art von Erinnerungsarbeit schule das Gedächtnis. Auch Bewegung hilft, sorgt sie doch für die Durchblutung des Gehirns und für einen langsameren Zellabbau. Vermeiden sollte man Alkoholmissbrauch und Rauchen. 

Dass Menschen mit einem hochgradigen Hörverlust fünfmal häufiger an Demenz erkranken, darauf ging Hörgeräteakustiker Thorsten Faust (Inhaber der Großen Hörwelt) ein. „Bei diesem Thema gibt es tausend Ausreden. Anders als beim Sehen möchte man beim Hören meist keine Schwäche eingestehen. Dabei ist gutes Hören unheimlich wichtig für die geistige Fitness“, verdeutlichte er sein Anliegen. 

Der Hörverlust könne ein sicheres Auftreten und das soziale Leben gefährden. Gerade in heutigen Zeiten seien die Ohren einer besonderen Belastung ausgesetzt, verdeutlichte Faust: „Es gibt nur noch an wenigen Stellen Ruhe. Erholung für unsere Ohren ist selten möglich. Und wer schlecht hört, lässt seinen Körper schneller abbauen, weil eine Menge Energie für das Verstehen von Gesprächspartnern verbraucht wird.“ 

Deshalb rät er jedem, seine Ohren genau testen zu lassen und wenn nötig ein Hörgerät zu nutzen. Darüber hinaus könne Hörtraining helfen, um auch im hohen Alter fit zu bleiben und das Risiko für eine Demenz-Erkrankung zu senken.

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