1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Herscheid

Vergessene Plätze: Gemeinde hat mit Schandflecken zu kämpfen

Erstellt:

Von: Ines Engelmann

Kommentare

Wenig verwunderlich, dass die Gemeinde Herscheid zurzeit kein Interesse daran hat, dieses Gelände zu erwerben: In Friedrichsthal reihen sich Firmen- und Wohnhausruinen aneinander – die Fläche zwischen den Gebäuderesten ist übersät mit Schutt und Müll.
Wenig verwunderlich, dass die Gemeinde Herscheid zurzeit kein Interesse daran hat, dieses Gelände zu erwerben: In Friedrichsthal reihen sich Firmen- und Wohnhausruinen aneinander – die Fläche zwischen den Gebäuderesten ist übersät mit Schutt und Müll. © Foto: Dickopf

Mit dem ehemaligen Presswerk an der Hohle Straße ist Ende 2021 ein Schandfleck in der Gemeinde verschwunden. Dort soll in diesem Jahr die Planung für die Neubebauung durch das Gemeinnützige Wohnungsunternehmen Plettenberg anlaufen. Doch es gibt noch andere verlassene Plätze in Herscheid: Was geschieht mit ihnen, gibt es die Aussicht auf Veränderungen?

Herscheid - Auf dem etwa 25 000 Quadratmeter großen Gelände in Friedrichsthal – in unmittelbarer Nähe zum Ahebach und der Landstraße 561 – passiert derzeit nicht viel. Der einstige Schmiede-Betrieb ruht schon seit vielen Jahren. Nach der Stilllegung sorgte ein Blitzeinschlag 2015 dafür, dass das Wohnhaus unbewohnbar wurde. Peter Mielcarek, Besitzer des eingestürzten Wohnhauses, lebte nach dem Blitzeinschlag noch zwei Wochen in dem Haus. Dann zog er um.

Im April 2020 entsorgte die Firma Lobbe wassergefährdende Stoffe. Seitdem musste der Kreis an diesem Standort nicht mehr eingreifen: „Eine Wassergefährdung durch die Bauruine kann zum jetzigen Zeitpunkt ausgeschlossen werden, es sei denn, auf dem Grundstück, welches durch einen straßenseitigen Erdwall abgeschlossen ist, finden illegale Handlungen statt, die wassergefährdend werden können“, sagt Kreissprecherin Ursula Erkens.

Sie ergänzt, dass die Gemeinde Herscheid Interesse bekundet habe, das Grundstück käuflich zu erwerben. Besitzer Mielcarek meldete sich bereits im vergangenen Jahr gegenüber unserer Zeitung zu Wort und äußerte seine Verhandlungsbereitschaft – doch seitdem gab es keine neuen Informationen.

Daher fragten wir im Herscheider Rathaus nach: Doch Bürgermeister Uwe Schmalenbach äußerte diesbezüglich, dass die Gemeinde zurzeit kein Interesse an einem Kauf habe.

Firmenbrache Kümesta

Anders ist die Situation einige hundert Meter weiter entlang der L 561 in Richtung Herscheid: Als 2013 in Weiße Ahe eine Halle der Firma Kümesta komplett abbrannte, waren über 100 Einsatzkräfte der Feuerwehr vor Ort. So wurde zumindest das Übergreifen der Flammen auf andere Hallen verhindert. Die Firma meldete dennoch wenige Wochen später Insolvenz an und das Gelände wurde zwangsversteigert.

2018 sicherte sich die Gemeinde Herscheid mit 20 000 Quadratmetern einen Großteil des einstigen Kümesta-Firmengeländes. Sie verfolgte damals mit dem ersteigerten Gelände folgende Ziele: Mit Blick auf die Renaturierung des Ahebaches, der durch die Fläche verläuft, wurden Fördermittel in Aussicht gestellt. Damit soll das Grundstück aufgewertet werden; auch der Abriss der baufälligen Hallen und des leerstehenden Bürogebäudes seien wünschenswert, sagte damals Bürgermeister Uwe Schmalenbach.

Doch umgesetzt wurden die Pläne bislang nicht. „Das Objekt hat für uns keine Priorität“, sagt Schmalenbach und ergänzt: „Der Kostenrahmen ist mit über eine Million Euro für die Sanierung einfach zu hoch.“ Schmalenbach müsse derlei Ausgaben den Steuerzahlern gegenüber rechtfertigen. Seine Hoffnungen beruhen weiterhin auf Fördergeldern. Ob und wann diese fließen, sei jedoch nicht absehbar. Schmalenbach: „Deshalb sehe ich da gar keine Möglichkeit, dass es da weitergeht.“

Ehemalige Tankstelle am Ortseingang

Keine Veränderungen sind auch an der Tankstelle am Herscheider Ortseingang zu erkennen – das Gelände wird bereits seit Jahren nicht mehr gewerblich genutzt. Schon vor fünf Jahren hat der damalige Inhaber und Betreiber der Tankstelle, Dieter Frank, das Grundstück verkauft. Für eine kurze Zeit hatte sich dann ein Oldtimerhändler auf dem Grundstück angesiedelt, doch das war nicht von langer Dauer. Seither ist der Standort verlassen.

Die Nachnutzung für das Grundstück am Ortseingang ist derzeit ungeklärt. Laut Uwe Schmalenbach habe die Gemeinde jedenfalls kein Interesse an dem ehemaligen Tankstellen-Grundstück.

Für das Gewerbegrundstück Rosenthal meldete sich bei einer Zwangsversteigerung kein Interessent.
Für das Gewerbegrundstück Rosenthal meldete sich bei einer Zwangsversteigerung kein Interessent. © Foto: Dickopf

Gewerbegrundstück Rosenthal

Im September 2020 fand die Zwangsversteigerung der Industriebrache statt. Für das gesamte verwaiste Areal im Bereich Rosenthal konnte dennoch bis heute kein neuer Besitzer gefunden werden. Neues Leben ist nur auf einer Teilfläche eingezogen: Wie berichtet hat Anfang Januar das Herscheider Autohaus in der einstigen Halle von JSS Automotive eröffnet.

Der direkte Nachbar dieser Fläche, die Firma Raabe Insektenschutz, verabschiedete sich vor rund vier Jahren und wechselte zur Bahnhofstraße. Noch immer hängt das große Schild von Raabe am alten Standort. „Das Schild ist natürlich auch etwas Werbung für mich und kostet mich nichts, deshalb habe ich es hängen lassen“, sagt Geschäftsinhaber Wolfgang Raabe auf Nachfrage.

Was mit den anderen Hallen und Flächen im Bereich Rosenthal geschieht, ist ebenfalls noch offen. Dort steht bereits seit geraumer Zeit eine Vielzahl abgemeldeter Autos, Kastenwagen und Wohnmobile.

Wolfgang Raabe jedenfalls habe den Umzug an die Bahnhofsstraße nicht bereut. Der neue Standort sei optimal. „Es ist schöner, größer, aber auch teurer“, sagt er. Dennoch: Die Lage sei um Einiges besser und mit dem Standort habe er sich quasi einen persönlichen Traum erfüllt: „Ich wollte schon immer da rein und dann hat es sich relativ schnell ergeben und ich habe kurzfristig zugeschlagen. Ich fühle mich dort immer noch sehr wohl“, so Raabe.

Auch interessant

Kommentare