Verbraucherschützer fordern in Eisdielen genaue Angaben zu Inhaltsstoffen

Kennzeichnungspflicht: „Wie soll das funktionieren?“

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Olinda Fattorel überreicht einen Eisbecher über den blitzblank-gesäuberten Verkaufsthresen. Dieser soll, geht es nach der Herscheiderin, nicht zuplakatiert werden mit zusätzlichen Listen über Inhaltsstoffe– wie von Verbraucherschützern gewollt. 

Der freie Blick auf die Eissorten und die diversen Kreationen soll erhalten bleiben in der Herscheider Eisdiele Fattorel. Entsprechend wenig Verständnis zeigen die Inhaber für die von Verbraucherschützern angeregten Neuerungen.

Gefordert wird eine stärkere Ausweisungspflicht für Speise-Eis. Es sei „eine Frage von Klarheit und Wahrheit“, meint Klaus Müller, Chef des Bundesverbandes der Verbraucherzentrale. Er will genau wissen, welche Inhaltsstoffe im Eis stecken. Die Kunden sollen detaillierte Angaben erhalten, wie viel Zucker, Milch oder Kalorien in 100 Gramm Eis stecken. „Wie soll das funktionieren?“, fragt sich Olinda Fattorel. Ganz gleich, wie viel Mühe sie sich auch gibt – die geformten Eisbällchen fallen nie identisch groß aus. 

Eine Angabe der jeweiligen Inhaltsstoffe wäre also nie exakt. Noch komplizierter würde die Auflistung für die Eisbecher: Soße, Früchte, Eis – auch dabei schwanken die Portionsgrößen. Die Angabe der Inhaltsstoffe auf 100 Gramm sei daher „nicht umsetzbar“, sagt die Herscheiderin. Neben diesen Berechnungsschwierigkeiten sieht sie einen weiteren Nachteil bei einer verschärften Ausweisungspflicht: Wo und wie sollen die Angaben der Inhaltsstoffe angezeigt werden? „Wir haben 21 Eissorten. Müssten wir dann für jede einzeln die Angaben anzeigen?“, fragt sich Olinda Fattorel. Diese Listen würden vermutlich nur für Verunsicherung bei den Kunden sorgen, so die Vermutung. 

Ganz davon abgesehen, dass derartige Aufzählungen nicht gerade dekorativ sind. Bislang sind die Eisdielen lediglich dazu verpflichtet, Stoffe auszuweisen, die Allergien auslösen könnten, wie zum Beispiel Erdnüsse. Eine entsprechende kleine Liste ist in der Herscheider Eisdiele einsehbar. Das reiche auch völlig aus, meint Olinda Fattorel, die betont, dass alle Eissorten selbst hergestellt werden. 

„Wir wissen ganz genau, was in unseren Eissorten ist und erklären das den Kunden auch gerne.“ Vor allem Allergiker, aber auch Diabetiker fragen nicht selten nach gewissen Inhaltsstoffen nach. Die Klärung im persönlichen Gespräch habe sich in den 21 Jahren, die die Italiener nun vor Ort sind, bewährt. Während sie an dieser Gepflogenheit festhalten möchte, wünscht sich die Herscheiderin für die letzten Wochen der Eis-Saison stabileres Wetter. Die schwankenden Temperaturen und vielen Regenfälle haben direkten Einfluss auf das Geschäft. 

Bevor die Familie Fattorel wieder ihr Winterquartier in ihrer Heimat (Dolomiten) bezieht, wünscht sie sich in Herscheid vor allem eines: sonniges Eis-Wetter.

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