1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Herscheid

Unzählige Schnapsflaschen im Wald: Gemeinde bekommt Müllproblem nicht in den Griff

Erstellt:

Von: Dirk Grein

Kommentare

Jede Menge Schnapsflaschen entdeckten Spaziergängerinnen in einem Wald bei Rärin.
Jede Menge Schnapsflaschen entdeckten Spaziergängerinnen in einem Wald bei Rärin. © Foto: Holthaus

Reifenablagerungen auf grüner Wiese, Schnapsflaschenberge im Wald, Unrat in den Dorfwiesen: Die Meldungen über entdeckte Müllansammlungen häufen sich. Die Frage bleibt: Wie kann man der leidigen Lage Herr werden?

Herscheid - Üblicherweise ruft der Marketingverein „Wir für Herscheid“ nach dem Winter zu einem Frühjahrsputz auf. Ob zu einer solchen Gemeinschaftsaktion, bei der Vereine und andere Gruppen auf Mülljagd gehen, auch in diesem Jahr eingeladen werden kann, hänge in erster Linie von der weiteren Corona-Entwicklung ab, sagt Vorsitzender Markus Gumpricht. Falls eine Durchführung möglich sei, würde die Aktion Anfang April stattfinden.

Doch was geschieht mit dem Unrat, der bereits unachtsam in der Natur entsorgt wurde? Im Fall der Reifen, die eine Bürgerin nahe Berghagen auf einer Wiese entdeckt hat, dürfte der Bauhof tätig werden, sofern dieser benachrichtigt wird. Derlei wilde Müllkippen beschäftigen die „Truppe in orange“ viel zu häufig.

Auch die Entsorgung von Abfall in den gemeindlichen Flächen fällt in das Aufgabengebiet des Bauhofes: In die Dorfwiesen beispielsweise führen mehrmals die Woche Kontrollrunden. Dort treffen sich nicht nur in der Frühlingssonne dieser Tage regelmäßig viele Leute. In den Abendstunden ist diese zentralgelegene Fläche ein beliebter Treffpunkt, an dem des Öfteren Hinterlassenschaften zurückbleiben.

Beschmiert und zugemüllt: Der Unterstand am Rahlenberg.
Beschmiert und zugemüllt: Der Unterstand am Rahlenberg. © Foto: Grein

„Uns ist natürlich nicht egal, wie es an diesen Stellen aussieht“, sagt Ordnungsamtsleiterin Bärbel Sauerland. Damit meint sie nicht nur die Dorfwiesen, sondern auch das Umfeld des Unterstandes am Rahlenberg. Diese Hütte entstand vor neun Jahren unter aktiver Beteiligung der Jugendlichen. Diese kümmerten sich mit viel Herzblut um ihr Projekt und nach der Fertigstellung auch um die Pflege.

Doch die Erbauer von einst sind nun junge Erwachsene und treffen sich andernorts. Mit der Pflege des Unterstandes nehmen es die heutigen Besucher nicht mehr ganz so streng, was anhand der Müllsammlungen dort und der beschmierten Wände zu erkennen ist.

Andreas Wehberg, mobiler Jugendarbeiter der Gemeinde, schaut dort zwar regelmäßig vorbei. Seine Aufgabe besteht allerdings nicht darin, die jungen Herscheider über die richtige Müllentsorgung zu unterrichten. Stattdessen nutzt er den Unterstand, um Kontakt zu den Nutzern aufzubauen oder zu halten.

Überdies setzt die Gemeinde einen Wachschutz ein. Dessen Aufgabe ist es unter anderem, das neugebaute Bildungszentrum (nur wenige Meter vom Unterstand entfernt) im Auge zu behalten. Auch in den Dorfwiesen soll der Wachschutz in den wärmeren Monaten immer wieder zugegen sein. Primäres Ziel sei es laut Ordnungsamtsleiterin Sauerland, die Vandalismusschäden zu minimieren. Das Problem Müll steht allerdings nicht auf der Agenda des Wachdienstes. Für dieses Problem gibt es für die Gemeinde im Grünen weiterhin keine Lösung.

Diplom-Sozialarbeiter Andreas Wehberg: Streetworker ja, aber nicht nur

Häufig wird Diplom-Sozialarbeiter Andreas Wehberg auch Streetworker genannt. Diese Bezeichnung sei allerdings nur bedingt korrekt. Zur Erklärung nennt Wehberg drei seiner Arbeitsschwerpunkte in Herscheid, außerhalb des Jugendzentrums. Mobile Jugendarbeit (Zielgruppe zwölf bis 21 Jahre): Diese beinhaltet die Planung von Ausflügen und Betreuung von Freizeitaktivitäten im Freien, wie zum Beispiel auf dem Basketballfeld in den Dorfwiesen. Auch die Samstags-Öffnung des Jugendzentrums zwei- bis dreimal im Monat gehöre in diese Rubrik. Aufsuchende Jugendarbeit (Zielgruppe 14 bis 21 Jahre): Das ist das Kerngeschäft Wehbergs. Dabei sucht er diejenigen Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf, deren Freizeitmittelpunkt auf der Straße liegt. Er sei Ansprechpartner und Bindeglied zwischen den Jugendlichen und Erwachsenen, versucht zu vermitteln und auf deren Bedürfnisse einzugehen. Wichtig: Er sei nicht mit Mitarbeitern der Polizei oder des Ordnungsamtes gleichzusetzen, sondern sucht gezielt den Kontakt zu den Jugendlichen. Sind diese nicht gesprächsbereit, dann habe er dies auch zu akzeptieren.„Schließlich bin ich Gast in der Lebenswelt der Jugendlichen“, beschreibt Wehberg. Streetwork (keine feste Altersgruppe): Ein Streetworker berät Menschen, die auf der Straße leben, also kein festes Zuhause haben. Auch in Herscheid habe es Fälle von „verdeckter Obdachlosigkeit“ gegeben, so Wehberg. In diesen Situationen habe er versucht dafür zu sorgen, dass die Personen wieder eine Unterkunft finden. Generell mache dieses Gebiet allerdings den geringsten Anteil seiner Arbeit aus, weil diese Fälle vor Ort selten seien.    

Auch interessant

Kommentare