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„Unser Wohnzimmer ist jetzt weg“:
Abschied vom Hubertushof

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Von: Nina Scholle

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Die Knobelrunde des TuS Herscheid, die Ende der 90er Jahre erstmals bei Mecki einkehrte, erhob zum Abschied wehmütig die Gläser auf den beliebten Wirt.
Die Knobelrunde des TuS Herscheid, die Ende der 90er Jahre erstmals bei Mecki einkehrte, erhob zum Abschied wehmütig die Gläser auf den beliebten Wirt. © Foto: Scholle

Ein Abschied, der schmerzt: nach 70 Jahren in Familienbesitz öffnete der Hubertushof am Samstagabend zum letzten Mal seine Türen. Jetzt ist die Traditionsgaststätte Geschichte.

Herscheid - „Es ist wirklich schade. Nicht nur für uns, sondern für ganz Herscheid.“ Sätze wie diesen hörte man am Samstag immer wieder. Der Hubertushof war etwas Besonderes, „eine Mischung aus Landgasthof und Kneipe“, und der Wirt „ein Original“.

„Mecki liebt man oder nicht. Dazwischen gibt es nichts“, sagte eine junge Frau, die nicht nur häufig Gast im Hubertushof war, sondern auch früher dort gekellnert hat. „Der Hubertushof lebt von Mecki. Keiner sagt: ‚Wir gehen in den Hubertushof’. Man sagte: ‚Heute gehen wir zu Mecki.’“

„Mecki“ heißt eigentlich Klaus-Dieter Brinker, doch nahezu allen Herscheidern ist er hauptsächlich unter dem Namen Mecki bekannt.

Er sei „zu früh ins gesetzte Alter gekommen“, bedauerten alle Mitglieder der Familien Schmitz und Weidlich und einig sind sie sich auch in einem anderen Punkt: „Sein Essen ist einfach phänomenal gut!“

Um besseres Essen zu finden, müsse man weit gucken, hieß es auch von einem Tisch aus dem Thekenraum. Frank Dippmann und Familie Weinreich saßen hier beisammen; unterm Tisch hatte es sich Hündin Luna bequem gemacht. Auch für sie habe es bei Mecki immer etwas gegeben, erzählte Lunas Besitzerin. Über die Schließung des Hubertushofs sei man „echt, echt traurig“. Allerdings: „Wir freuen uns auch, wenn die beiden ein bisschen Ruhe finden.“

„Wir wollen zu Mecki in den Hubertushof“, haben Benni und Dominik Schelberg häufig zu ihren Eltern gesagt.
„Wir wollen zu Mecki in den Hubertushof“, haben Benni und Dominik Schelberg häufig zu ihren Eltern gesagt. © Foto: Scholle

Kegeln, Knobeln, Skat: zahlreiche Stammtische waren im Hubertushof zuhause. Sie müssen sich jetzt nach einem neuen Domizil umsehen, wie zum Beispiel eine Gruppe Männer des TuS Herscheid. Vor rund 25 Jahren haben sie als Jungesellenkegelklub bei Mecki Einzug gehalten. Inzwischen wird geknobelt statt gekegelt und aus den Junggesellen sind verheiratete Familienväter geworden. „Wir sind sehr traurig, dass wir jetzt woanders hin müssen. Wir werden die Dorfkneipe vermissen. Altes Kneipenflair und super Essen: Das musste erst mal finden“, so die TuS-ler.

40 Jahre war Gerd Lindenschmidt Stammgast im Hubertushof. Erst wurde Skat gespielt, später Doppelkopf. Nun werden auch er und seine Doppelkopfkumpel sich eine neue Gastronomie suchen müssen. Der Hubertushof sei „immer Anlaufpunkt für Geselligkeit“ gewesen, sagte Lindenschmidt. „Die Menschen waren glücklich, die hierher kamen.“

Das betraf nicht nur die Alteingesessenen, sondern auch die ganz jungen Herscheider, wie zum Beispiel die Brüder Benni und Dominik Schelberg, die gemeinsam mit ihren Eltern noch einmal Meckis gutes Essen genießen wollten. „Man ist immer willkommen gewesen“, sagte Papa Schelberg. Mecki sei sehr „kinderlieb“, Extrawünsche waren bei ihm nie ein Problem. So bestellte sich Benni immer zusätzlich zwei Spiegeleier auf seinem Schnitzel. „Dann schmeckt’s richtig gut!“, verriet er. Da verwundert es nicht, wenn ihre Mutter erzählt: „Die Kinder haben immer gesagt: ‚Wir wollen zu Mecki in den Hubertushof!’“ Die Familie wohnt nur rund hundert Meter vom Hubertushof entfernt; für sie wird es „echt komisch“ sein, wenn die Gaststätte nicht mehr da ist.

„Mecki ist ein Unikum“, sagt Kathrin, die eigentlich Granata heißt und über 20 Jahre im Hubertushof kellnerte.
„Mecki ist ein Unikum“, sagt Kathrin, die eigentlich Granata heißt und über 20 Jahre im Hubertushof kellnerte. © Foto: Scholle

„Mecki ist ein Unikum“, sagte Kathrin Granata, die eigentlich gar nicht Kathrin heißt, doch es sei eine Eigenart von Mecki, den Angestellten Spitznamen zu geben, weil er es mit deren richtigen Namen meist nicht so hatte. Granata hatte zu Schulzeiten angefangen, im Hubertushof zu kellnern – das ist über zwanzig Jahre her. Zwischendurch sei sie immer wieder eingesprungen, wenn Mecki Hilfe brauchte; so auch an diesem letzten Abend. Als „richtig alte Schule in der Gastro“, beschrieb sie den Hubertushof und Mecki als „herzensguten Menschen“. Er habe sich immer etwas einfallen lassen, um sich bei den Angestellten für ihre Arbeit zu bedanken.

Ähnliches weiß auch eine weitere ehemalige Kellnerin zu berichten. So habe Mecki den Angestellten immer etwas zu Essen mit nach Hause gegeben. „Mit leerem Magen nach Hause gab es nicht.“ Obwohl Familie Blecher inzwischen nicht mehr in Herscheid wohnt, wollten sie sich den letzten Abend nicht entgehen lassen. Früher seien sie regelmäßig im Hubertushof gewesen, erzählten sie. Mit dem Wegzug sei der Kontakt leider ein wenig eingeschlafen. Menschlich sei Mecki ein Herzensguter – nicht nur er, auch seine Frau Vibeke. „Beide. Das muss man wirklich sagen.“

„Herscheid ohne Mecki ist wie das Dorf ohne Kirche. Es fehlt was“, hieß es aus einer Runde. Hier hatten sich nicht nur Stammgäste, sondern auch langjährige Weggefährten sowie Freunde versammelt. „Ich kenne Mecki schon aus dem Sandkasten“, erzählte eine Dame. Mecki sei ein echter Dorfbengel gewesen. Entsprechend viele Dönekes hatte man sich am Tisch zu erzählen; von langen Doppelkopfrunden bis in die Morgenstunden oder von einem Musiker, der von Mecki zum Spielen auf die Straße geschickt wurde, um ihn durch das Fenster wie im Fernsehen sehen zu können.

Das Loslassen fällt Hubertushof-Betreiber Klaus-Dieter Brinker, genannt Mecki, schwer.
Das Loslassen fällt Hubertushof-Betreiber Klaus-Dieter Brinker, genannt Mecki, schwer. © Foto: Scholle

Es sei ein „Abschied mit Wehmut“. „Unser Wohnzimmer ist jetzt weg. Wo sollen wir jetzt hin?“ Andererseits freue man sich auch für Mecki, dass er nun mehr Zeit für sich und die Familie habe.

Kritisiert wurde derweil das Verhalten der Gemeinde, sich nicht früher um einen Fortbestand der Traditionsgaststätte eingesetzt zu haben. Inwiefern der Hubertushof ohne Mecki aber die gleiche Anziehungskraft gehabt hätte, blieb ungewiss.

Und was sagte Mecki selbst? Merkwürdig sei es, ab morgen Rentner zu sein. So ganz habe er das noch gar nicht realisiert. Die letzten Wochen ging es noch mal richtig rund im Hubertushof: Mecki und sein Team hatten alle Hände voll zu tun. Viele Leute haben sich bei ihm bedankt und Geschenke überreicht – ein Zeichen, welch wichtigen Platz er und der Hubertushof in ihrem Leben hatte.

Das Loslassen fällt Mecki schwer. „Wenn mein Schwiegersohn und meine Frau nicht gedrängt hätten, hätte ich noch im Kleineren weitergemacht.“ Doch er sieht auch ein: „Irgendwann kann man mit 73 nicht mehr so.“ Er freut sich jetzt erst mal auf Urlaub in Dänemark und auf zukünftige Fahrradtouren.

Außerdem erinnert Mecki an den Flohmarkt am 2. April: von 10 bis 14 Uhr wird alles verkauft, was das Ehepaar Brinker nicht in ihre neue Wohnung auf der gegenüberliegenden Straßenseite mitnehmen kann. Eine Gelegenheit für alle, sich ihr persönliches Andenken an den Hubertushof zu sichern.

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