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Ungewisse Zukunft, lange Geschichte: Schule wird 100 Jahre alt

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Von: Birgit Hüttebräucker

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Der Altbau der Grundschule Hüinghausen hat sich rein äußerlich kaum verändert. Im Inneren erfolgte in jüngster Vergangenheit ein gravierender Wandel: Nach der Schulschließung 2021 ist hier der Dorfladen eingezogen.
Der Altbau der Grundschule Hüinghausen hat sich rein äußerlich kaum verändert. Im Inneren erfolgte in jüngster Vergangenheit ein gravierender Wandel: Nach der Schulschließung 2021 ist hier der Dorfladen eingezogen. © Grein, Dirk

Zurzeit sind die Unterrichtsräume zwar ungenutzt, ist die Zukunft des Gebäudes ungewiss. Die Vergangenheit der Grundschule Hüinghausen lässt hingegen erkennen, dass der Bau am 14. Oktober 1922, vor genau 100 Jahren, feierlich eingeweiht wurde. Wir werfen daher einen Blick zurück.

Herscheid - Nach langen Verhandlungen wurde im Jahr 1914 der Bau der Schule in Hüinghausen zwar beschlossen – doch infolge des 1. Weltkrieges kam es nicht zur Ausführung. Im Jahr 1919 wurde der Schulbau ein weiteres Mal beschlossen, doch diesmal war es die Inflation und der damit einsetzende erhebliche Preisanstieg, der die Hoffnungen der Hüinghauser fast komplett zunichte machte und den Stillstand der Bauarbeiten für ein ganzes Jahr verursachte.

Der Herscheider Pfarrer Schneider schreibt dazu im Sonntagsblatt: „Es war ein trauriger Anblick, die Fundamente des Schulbaues in dem Jahr da liegen zu sehen wie einen Trümmerhaufen. Das Baumaterial, das bereits angefahren wurde, wurde wieder verkauft.“ Was den Herscheidern und insbesondere den Bewohnern des Elsedorfs blieb, war lediglich die Hoffnung. Nach langen Verhandlungen, auch mit der Regierung in Arnsberg, gelang es, trotz der extrem gestiegenen Baukosten, den Schulbau sicherzustellen.

Der Entwurf des Gebäudes stammte von dem Baurat Uhlig aus Bochum, die Bauausführung wurde begonnen von der Firma Riehl und fortgeführt von der Firma Kirchhoff zu Plettenberg. Die Bauleitung unterstand dem Hochbauamt in Hagen und die örtliche Bauleitung dem Architekten Brinkmann zur Hardt.

Herscheider Handwerker haben mitgeholfen, den Bau würdig und solide zu gestalten. Das Grundstück für den Schulbau und den angrenzenden Sportplatz wurde von den Erben der Familie von Holtzbrinck geschenkt und die Uhr von Anna von Holtzbrinck gestiftet.

Die Schule in Hüinghausen mit ihrer markanten Dorfuhr kann am 14. Oktober auf eine 100-jährige Geschichte zurückblicken.
Die Schule in Hüinghausen mit ihrer markanten Dorfuhr kann am 14. Oktober auf eine 100-jährige Geschichte zurückblicken. © Repro: Hüttebräucker

Pfarrer Schneider schreibt dazu im Oktober 1922: „Und nun steht er vor uns. So schmuck und schön, so solide und gut, wie es wohl kaum einer von uns gedacht hätte. Ganz besonders sinnig ist die oben an der Hauptfront angebrachte Uhr, die mit ehernem Schlage die Viertelstunden und Stunden verkündet“.

Bei strahlendem Sonnenschein fand am 14. Oktober 1922 die feierliche Einweihung der Schule in Hüinghausen statt. Einige der zahlreichen Reden, die anlässlich dieser Feier gehalten wurden, sind in den Sonntagsblättern der evangelischen Kirchengemeinde festgehalten. Dort wird auch beschrieben, dass der Architekt Brinkmann den Schlüssel an den Amtmann Steinhaus überreichte, der ihn dann dem Lehrer Diedrich Dringenberg aushändigte. Dieser freute sich, dass mit der Einweihung der Schule nun endlich ein langersehnter Wunsch in Erfüllung ging.

Schule soll zur neuen Ortsmitte werden – der Stand beim Dorfentwicklungskonzept „Hüinghausen 2035“

Im Altbau der Grundschule Hüinghausen hat der Dorfladen eine neue Heimat gefunden – doch was geschieht mit den anderen ehemaligen Unterrichtsräumen, die zurzeit nicht genutzt werden? Eine eindeutige Antwort auf diese Frage gibt es bislang nicht. So viel steht fest: Geht es nach den Bürgern, dann soll in dem zusammenhängenden Gebäudekomplex die neue Hüinghauser Dorfmitte entstehen. Das zumindest kam bei den bisherigen Treffen zur Erstellung eines Dorfentwicklungskonzeptes deutlich zum Ausdruck. Die Gemeinde Herscheid hat sich auf den Weg gemacht, den Ortsteil Hüinghausen fit für das Jahr 2035 zu machen. Unter diesem Motto trafen sich zuletzt Anfang September unter Federführung des Büros Arge Dorfentwicklung zahlreiche Anwohner zu einer Ideenwerkstatt, bei der Projektgruppen für unterschiedliche Bereiche gebildet wurden. Dabei kam der Gedanke auf, dass die Kindertagesstätte Arche Noah doch in die Grundschulräume umziehen könnte; Entsprechende Überlegungen seitens der Gemeinde und des Trägers – der Evangelischen Kirchengemeinde – scheint es auch zu geben, doch wie weit diese gereift sind, das ist nicht bekannt. Neben der Nachnutzung der Schule gibt es viele weitere Projekte, die im Laufe der Herbstferien konkretisiert werden sollen. Bei der nächsten Beteiligungs-Veranstaltung – die für Donnerstag, 3. November, um 18 Uhr in der Rammberghalle vorgesehen ist – soll unter anderem eine Priorisierung erfolgen. Weitere Informationen zu dem Prozess stehen im Internet auf: hueinghausen.dorf-konzepte.de.

Tatsächlich geht aus den verschiedenen Berichten immer wieder hervor, dass die Bewohner des Elsedorfs nicht gerade glücklich waren, dass sie solange auf ihre Schule warten mussten. Zum Verdruss der Hüinghauser hatten selbst die kleinen Ortschaften wie Rärin und Weiße Ahe schon längst ihre eigenen Schulgebäude.

Der Gemeindeschulvorsteher August Böley drückte es in seiner Ansprache wie folgt aus: „Hüinghausen ist endlich an das Ziel seiner Wünsche gekommen. Vor etwa 35 Jahren war die erste Hoffnung in ihr Herz gekommen. Schon damals waren sie ganz nahe am Ziel. Es musste eine Schule gebaut werden, doch kamen andere zuvor. Rärin erhielt erst seine Schule.“

Im Sonntagsblatt der evangelischen Gemeinde Herscheid wird weiter berichtet, dass es nach der Einweihungsfeier und der darauffolgenden Besichtigung des Schulgebäudes zum festlich geschmückten Kaffeetisch im Saal des Herrn Höggel ging, wo sich die ganze Schulgemeinde eingefunden hatte. Auch hier wurden nochmals durch den Landrat und den Amtmann alle lobend erwähnt, die sich um das Zustandekommen des Baues verdient gemacht haben.

Ein Blick auf das spärlich bebaute Dorf Hüinghausen Anfang der 1920er Jahre. Links oben im Bild ist die im Jahr 1922 errichtete Schule zu erkennen.
Ein Blick auf das spärlich bebaute Dorf Hüinghausen Anfang der 1920er Jahre. Links oben im Bild ist die im Jahr 1922 errichtete Schule zu erkennen. © Repro: Hüttebräucker

Der bereits erwähnte Lehrer Diedrich Dringenberg war der erste Schulleiter in Hüinghausen. Bei den Hüinghausern war er bereits bekannt, weil er schon seit dem Jahr 1907 an der Elsener Schule als Lehrer tätig war und dabei auch Hüinghauser Kinder unterrichtete. Am 1. November 1936 wurde Dringenberg durch Wilhelm Fiedler abgelöst, der allerdings nur wenige Monate – bis zum 31. März 1937 – dort tätig war. Vom 1. April 1937 bis zum Jahr 1963 übernahm Ernst Weber die Leitung der Schule. Von 1963 bis 1967 leitete Herbert Schulte die Schule in Hüinghausen und in dessen Zeit fiel am 26. November 1966 die Einweihung für den neu errichteten Anbau.

Nachdem Herbert Schulte 1967 als Konrektor zur Schule am Rahlenberg wechselte, gaben in Hüinghausen nacheinander die Lehrer Strauß, Vogel, Hanover und Henrichs jeweils ein kurzes Gastspiel als Schulleiter, bevor Ursula Leukroth – die vorher als Lehrerin dort tätig war – die Schulleitung übernahm.

Im Jahr 1968 wurde die ehemalige Volksschule zu einer Grundschule umgewandelt und zum Schuljahresbeginn 2021/22, nach einer fast 100-jährigen Geschichte, wurde der Standort aufgelöst und zum neuen Bildungszentrum am Rahlenberg verlegt.

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