„Kein Zutritt für das Virus“

Trotz spürbarer Corona-Müdigkeit: Seniorenzentrum behält Besuchsregeln bei

Der Alltag für die Bewohner des Seniorenzentrums soll so angenehm wie möglich gestaltet werden. Dazu tragen auch tierische Besuche – wie die zweier Therapieponys Ende Mai – bei.
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Der Alltag für die Bewohner des Seniorenzentrums soll so angenehm wie möglich gestaltet werden. Dazu tragen auch tierische Besuche – wie die zweier Therapieponys Ende Mai – bei.

Mit den im Märkischen Kreis steigenden Coronazahlen wachsen die Sorgen in den heimischen Seniorenzentren: Die betagten Bewohner sollen weiterhin vor dem Virus geschützt werden, so lautet das oberste Ziel aller Mitarbeiter. In Herscheid ist das bislang gut gelungen – auch, weil strikte Regeln weiter beibehalten werden.

Herscheid - Eine davon: Nur Personen aus der Drei-G-Gruppe erhalten Zutritt zur Einrichtung. Wer nicht geimpft oder genesen ist, muss vor jedem Besuch einen Corona-Schnelltest durchführen. Dies ist an sechs Tagen in der Woche im Seniorenzentrum möglich, weil dann – jeweils für zwei Stunden – entsprechend geschultes Personal zur Verfügung steht. Auch die Mitarbeiter werden regelmäßig getestet (geimpfte einmal, nicht-geimpfte zweimal pro Woche).

„Das Virus soll keinen Zutritt haben und draußen bleiben“, erzählt Pflegedienstleiterin Daniela Böhme. Dafür seien seit Pandemiebeginn große Anstrengungen notwendig, die nicht überall auf Gegenliebe stoßen. Einige Angehörige hinterfragen Details der Einschränkungen kritisch und bringen nur bedingtes Verständnis dafür auf, dass die ihrer Meinung nach strengen Regeln im Seniorenzentrum nicht gelockert werden.

Alltag aufgelockert

Einschätzungen, die die Pflegedienstleitung nicht teilen kann: „Wir fühlen uns mit unserem Konzept recht sicher.“ Sie gibt zu bedenken, dass im Alltag des Seniorenzentrums bereits einige Anpassungen erfolgt seien. Durch eine veränderte Anordnung der Tische sei es beispielsweise längst wieder möglich, dass die Bewohner in den Aufenthaltsbereichen auf Abstand gemeinsam Mahlzeiten einnehmen und nicht allein in ihren Zimmern. Auch die strikte Trennung der beiden Wohnbereiche sei passé.

Als so „normal und angenehm wie möglich“, beschreibt Daniela Böhme die Situation für die Bewohner. Diese wird durch besondere erste Veranstaltungen verschönert, wie etwa der Besuch zweier Therapieponys oder das hausinterne Schützenfest. Außerdem sei im Untergeschoss ein neuer Kreativraum entstanden, der zum Basteln, Malen und für weitere kreative Tätigkeiten genutzt werden kann.

Während sich die Bewohner weitestgehend frei in der Einrichtung bewegen können, gilt für Mitarbeiter und Besucher auf den Fluren weiterhin Maskenpflicht. Lediglich im persönlichen Kontakt mit den Bewohnern, die über einen vollständigen Impfschutz verfügen, kann die Maske in den Zimmern abgelegt werden, so verlangen es die Besuchsregeln. Diese sehen übrigens keine Personenbegrenzung vor: Ein Bewohner könne mehrere Besucher gleichzeitig empfangen, solange die Anzahl nicht zu groß werde, betont Daniela Böhme.

Bistro geschlossen

Apropos: Für Gruppen wie etwa bei Familienfeiern, habe sich im Herscheider Seniorenzentrum das Bistro als optimaler Treffpunkt etabliert. Dieses ist jedoch als solcher wegen Corona bis auf Weiteres gesperrt. Die Küchenmannschaft versorgt zwar Bewohner und Mitarbeiter täglich mit frisch zubereiteten Speisen und auch der Lieferservice (Essen auf Rädern) bleibt bestehen. Doch die Räumlichkeiten des Bistros können vorerst nicht genutzt werden. Bei Bedarf finden dort Mitarbeiterschulungen statt, erzählt die Pflegedienstleiterin.

Dem Personal stellt sie ein großes Lob aus: Die Mitarbeiter hätten sich sehr gut mit den veränderten Arbeitsbedingungen und den zusätzlichen Herausforderungen arrangiert, die auch Auswirkungen auf den Privatbereich haben. Nach Monaten der Belastung sei allerdings ein Punkt erreicht, an dem „eine gewisse Corona-Müdigkeit zu spüren ist“, gibt Daniela Böhme zu. Dies sei nachvollziehbar, doch eine baldige Änderung sei nicht in Sicht.

Das Corona-Virus werde im Seniorenzentrum dauerhaft ein Thema sein, vermutet die Pflegedienstleiterin. Sie hofft, dass irgendwann ein sensibler Umgang (wie etwa beim Thema Grippe-Viren) möglich sei und die Schutzvorkehrungen darauf abgestimmt werden können. Wann dies geschieht und wie die Anpassungen aussehen, darüber könne zum jetzigen Zeitpunkt keine seriöse Auskunft gegeben werden. Eines wünscht sich Daniela Böhme jedoch: Dass das Seniorenzentrum coronafrei bleibt und ein allgemeines Besuchsverbot – wie zu Pandemiebeginn verordnet – nicht wiederholt werden muss.

Impf-Auffrischung im September

Ein Großteil der 60 Bewohner des Herscheider Seniorenzentrums ist vollständig gegen das Corona-Virus geimpft. Ende Januar haben die ersten Senioren ihre Impfungen in der Einrichtung erhalten; Mitte Februar folgte ein zweiter Termin. Bei Neuaufnahmen werde das Thema Impfen ebenfalls besprochen und bei Bedarf nachgeholt. Eine Pflicht für eine Schutzimpfung gebe es allerdings nicht, betont Pflegedienstleiterin Daniela Böhme. Sie ergänzt, dass die Vorbereitungen für ein drittes Impf-Angebot bereits auf Hochtouren laufen. Eine solche Auffrischung empfehlen die Gesundheitsminister für Menschen über 80 Jahre, Pflegebedürftige und Menschen mit Immunschwäche, sobald die Zweitimpfung sechs Monate zurückliegt. In Herscheid sei dies im September der Fall. Die Gespräche mit den mobilen Impfteams wegen der Terminierung und der Durchführung laufen derzeit.

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