„Ist das alles legal?“

Trotz Gewerbe-Verbotes: In Presswerkhallen wird an Autos getüftelt

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Entlang der Landstraße 561 sind Bäume und Sträucher zurückgeschnitten worden. Dies legt den Blick frei auf das Presswerk-Areal, das sich in einem miserablen Zustand befindet: eingeworfene Fensterscheiben, bekritzelte Fassaden, abgestellte Fahrzeuge und Müll im Uferbereich.

Herscheid – Die Nachbarn fühlen sich gestört, der Bürgermeister ist verärgert ob der mehr als schleppenden Entwicklung und der Märkische Kreis wird vor Gericht gezogen: Das Thema Presswerk schlägt hohe Wellen.

„Was passiert denn da? Ist das alles legal?“, die Frage von Günter Kohlhage in der Einwohnerfragestunde des Bauausschusses konnte niemand genau beantworten. So viel steht fest: Die Gemeinde hat das Heft des Handelns nicht in der Hand. Die einstigen Betriebshallen samt der Umlage sind seit einer Zwangsversteigerung im Januar 2015 in Besitz eines Privatmannes aus Limburg. Was dieser mit dem Areal plant, erscheint ungewiss. 

Die Gemeinde hat mehrfach versucht, Kontakt mit dem Besitzer aufzunehmen. Die bisherigen Gespräche endeten allerdings ergebnislos. Längst hat sich die Verwaltung abgesichert und einen Bebauungsplan aufgestellt, der für diesen Bereich eine weitere industrielle Nutzung ausschließt. 

Wille der Verwaltung ist es, die Fläche an der Hohle Straße langfristig umzunutzen für weiteren Wohnraum. Laut Bürgermeister Uwe Schmalenbach gebe es bereits zwei potenzielle Investoren, die dieses Projekt finanzieren und umsetzen würden. Das Problem: „Der Eigentümer will nicht verkaufen“, sagt Schmalenbach. 

Große Bemühungen, das Areal sinnvoll zu nutzen, zeigt der Besitzer allerdings nicht. Eingeworfene Scheiben, beschmierte Fassaden und vor allem allerhand schrottreife Fahrzeuge auf dem Gelände prägen die Industriebrache. Weil in den Abendstunden an den Autowracks herumgeschraubt und auch in einigen Hallenbereichen Licht brennt, haben sich die Anwohner beim Märkischen Kreis beschwert, dessen Ordnungsamt für diesen Fall zuständig ist. 

„Wir waren dort häufig zu Gast“, bestätigt Hendrik Klein, Pressesprecher des Kreises. Bei einem dieser Besuche habe das Ordnungsamt in einer Halle zahlreiche Wohnwagen vorgefunden. Dass in einem anderen Hallenteil an Fahrzeugen gearbeitet wurde, konnte ebenfalls festgestellt werden. 

Mehrfach seien Ordnungsverfügungen erlassen worden; unter anderem auch, um Zutritt zu dem Gebäude zu erhalten. Gegen eine dieser Verfügungen wurde seitens des Besitzers Klage erhoben. „Diese Geschichte geht vor Gericht“, sagt der Pressesprecher des Kreises. 

Zu den Stamm-Besuchern des Geländes zählt die Polizei, die bei ihren Runden durch die Gemeinde regelmäßig am Presswerk vorbeischaut, weil sich die Anwohnerschaft beschwert hat. Mehrfach seien bereits Bußgeld-Strafen verhängt worden. Auf deren Wirkung hofft der Bürgermeister, denn diese Bußgelder steigen bei einer Häufung der strafwürdigen Vorfälle. Die Gemeinde stehe im Kontakt mit dem Kreis und auch mit der Polizei. 

Die Behauptung, das Presswerk-Gelände verkomme zu einem Schrottplatz an prominenter Stelle im Dorf, kann der Bürgermeister zwar nachvollziehen, jedoch hat er keinerlei Handhabe: „Wir als Gemeinde können die Autos nicht abschleppen lassen.“ 

Die Situation sei unbefriedigend und ärgerlich. Uwe Schmalenbach riet Bürgern, die sich von den Vorgängen auf dem Gelände gestört fühlen, es den Nachbarn nachzumachen, die sich direkt bei Landrat Thomas Gemke beschwert haben. „Unsere Interesse ist es, dass sich auf dem Gelände etwas ändert“, betonte der Bürgermeister.

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