Neue Höchstspannungsleitung: Gemeinde regt Alternativen und Kompaktmasten an

Hochhaus mit 24 Stockwerken

+
Der Ist-Zustand: Aktuell verlaufen eine 110 Kilovolt- sowie eine 220 Kilovolt-Trasse durch Herscheid. Diese beiden Leitungen sollen zusammengefasst werden zu einer neuer 380 Kilovolt-Freileitung mit wesentlich höheren Masten.

Herscheid - Die Stadt Attendorn gilt als Vorreiter: Für den Bereich der Hansestadt will die Firma Amprion aufgrund zahlreicher Bürgereinwendungen alternative Verläufe der geplanten Stromleitung prüfen. Ein Teil- erfolg, auf den auch die Gemeinde Herscheid hofft.

Die Verwaltung hat die Hilfe der Verwaltungsrechtskanzlei Heinz aus Berlin in Anspruch genommen, um eine fundierte Stellungnahme zu erstellen. In dieser wird ausführlich erklärt, warum die von der Firma Amprion vorgesehene Planung abgelehnt wird. Die „derzeit geplante erhebliche Belastung der Gemeinde könnte durch kleinräumige örtliche und / oder technische Alternativen maßgeblich gesenkt werden“, heißt es in dem Schreiben. 

Grundsätzlich stelle sich die Gemeinde nicht gegen die Maßnahme, mit der die Energiewende vorangetrieben werden soll. Doch die Art und Weise der Umsetzung stößt auf Kritik, was der Experte wie folgt begründet: „Die Masten 135 bis 155 befinden sich im Gemeindegebiet. Die meisten von ihnen sollen eine Höhe zwischen 60 und 70 Meter erreichen, der Mast Nummer 152 sogar eine Höhe von 73,5 Metern. Dies entspricht in etwa der Höhe eines Hauses mit 24 Stockwerken. Gegenüber der Bestandsleitung findet in etwa eine Verdoppelung der Masthöhen statt, wobei die Sichtbarkeit und damit die störende Wirkung des Freileitungsvorhabens mit zunehmender Höhe exponentiell wächst.“ 

Die Masten, an denen in der Regel drei Traversen mit bis zu 30 Metern Gesamtbreite angebracht werden sollen, würden die Störwirkungen vergrößern. Damit wären „die zukünftigen Traversen (geschätzt) in etwa so breit, wie ein Teil der bisherigen 220 Kilovolt Masten hoch sind“, schreibt der Anwalt. 

Nach eingehender Prüfung der Unterlagen und Betrachtungen vor Ort gehen die Experten davon aus, dass sich die Trasse im Bereich Hohl / Grünewald stark an die Privatgrundstücke der Anwohner annähern wird. Besonders betroffen sei zudem der Siedlungsbereich Friedlin. Dort gebe es Wohnhäuser, denen der Sichtschutz zur Trasse genommen werde. 

Zudem hat der Experte Fehler in den Planfeststellungsunterlagen für Friedlin entdeckt. Diese sorgen dafür, dass „sich der Abstand zwischen Innenbereich und den geplanten Leiterseilen in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht höchstens halb so groß darstellen, wie die Planfeststellungsunterlagen dies glaubhaft machen wollen.“ 

Um den Siedlungsbereich Friedlin zu entlasten, regt die Gemeinde eine Verschwenkung der Trasse in nördliche Richtung an. Außerdem wünscht sich die Gemeinde, die neue Leitung in den Bereich der bestehenden 110 Kilovolt-Freileitung zu verschieben. Damit könnten „Grundstücke gegebenenfalls ganz aus dem Schutzstreifen fallen“, heißt es in dem Schreiben. Als technische Alternative regt der Rechtsanwalt den Einsatz von Kompaktmasten an. Durch diese erhofft sich die Gemeinde eine deutliche Reduzierung der Eigentumsbelastungen.

Bevor über die Aufnahme einer entsprechenden Forderung in die Stellungnahme der Gemeinde entschieden wird, findet am nächsten Dienstag, 11. Dezember, eine Infoveranstaltung zum Thema Kompaktmasten statt. Ein Vertreter des Bundesverbandes Kompaktleitung wird um 17.00 Uhr im Bürgersaal einen Vortrag halten, zu dem alle Interessierten herzlich eingeladen sind.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare