Jung und Alt packen mit an

Ein Dorf widmet sich dem Umweltschutz - und wird dafür belohnt

Die Dorfgemeinschaft Stottmert freut sich über die Auszeichnung ihrer Streuobstwiese durch den Naturschutzbund.
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Die Dorfgemeinschaft Stottmert freut sich über die Auszeichnung ihrer Streuobstwiese durch den Naturschutzbund.

Über eine besondere Ehrung kann sich die Dorfgemeinschaft Stottmert freuen: Die dortigen Streuobstwiesen wurden durch das Netzwerk Streuobstwiesenschutz.NRW als vorbildlich für den Märkischen Kreis ausgezeichnet.

Herscheid - „Die Gemeinschaftsarbeit des Dorfes Stottmert ist ein beeindruckendes Beispiel für gelungenen Streuobstwiesenschutz, welches hoffentlich viele Nachahmer findet. Insbesondere die Einbindung der jüngeren Generation sichert einen langfristigen Fortbestand und die Weitergabe von kulturellem Wissen“, sagt Christian Chwallek, stellvertretender Vorsitzender des NABU NRW.

Auf etwa 2,5 Hektar Fläche befinden sich mehrere Streuobstwiesen rund um Stottmert. Apfel, Birne, Pflaume, Zwetschge, außerdem Wildkirsche und Weide – insgesamt sind es rund 110 Bäume. Davon wurden allein 30 in den letzten vier Jahren neu angepflanzt. Andere Bäume sind deutlich älter: Einige haben bereits 100 bis 120 Jahre auf dem Buckel. „Typisch Stottmert“ ist die imposante Linde, die seit stattlichen 200 Jahren das Dorfbild prägt.

Viel Spaß, aber auch genauso viel Arbeit

„Es ist interessant, was die Bäume an Leben anziehen“, erzählte Streuobstpädagoge Michael Deitenbach, der die NABU-Delegation durchs Dorf führt; begleitet von einigen Mitgliedern der Dorfgemeinschaft. „Ich bin nur ein kleines Glied in einem großen Radwerk“, erklärt er. Denn obwohl er sich viel und intensiv mit den Bäumen beschäftigt – alleine ist diese Aufgabe nicht stemmbar. „Es macht viel Spaß, aber es ist auch viel Arbeit.“

Die Fachkenntnisse seines Freundes Volker Knipp vom Naturschutzzentrum Märkischer Kreis seien natürlich eine große Hilfe. Tatkräftige Unterstützung bekommt Deitenbach außerdem von den Kindern des Dorfes. „Durch die Kinder macht es viel mehr Spaß. Die sehen mehr; das macht die Arbeit leichter.“ Für Timo zum Beispiel seien Leitern überflüssig; er klettere schneller in den Baum, als dass Deitenbach eine Leiter ausgerichtet habe. Auch beim Aufspüren der Bienenkönigin sei Timo eine große Unterstützung.

Mit den Kindern etwas erleben zu dürfen, die kindliche Erfahrung zu teilen, ist für Deitenbach etwas ganz Wertvolles. „Die Kindern fördern mich in meiner Entwicklung“, sagt er. Auch für die Kindern sind es besondere Erlebnisse: Ein Mädchen erzählt, wie sie einmal im Mondschein Jungbäume angepflanzt haben.

Naturfreund Timo beißt in einen saftigen Stottmerter Apfel

Doch Stottmert hat noch weitaus mehr zu bieten, als „nur“ die Streuobstwiesen: An allen Ecken und Enden wird auf den Naturschutz geachtet. Wildblumenwiesen und Totholzhecken: „Auch an den wirtschaftlich genutzten Wiesen unternimmt man etwas für den Insektenschutz“, berichtet Deitenbach.

Ein beliebter Treffpunkt ist das ganzjährig bestückte Fütterhäuschen im Hof einer Familie: hier kommen Eichhörnchen, Marder und Rehe zusammen, während Schwalben und Fledermäuse den Himmel bevölkern.

Bei so viel Idylle kommt auch Christian Chwallek ins Schwärmen: „Das ist traumhaft! Ein Hotspot der Diversität!“ Das Gemeinschaftsprojekt der Dorfgemeinschaft sei „einzigartig, beeindruckend und vorbildlich“.

Tipp für leckeren Apfelkuchen

An den Bäumen in Stottmert wachsen ausschließlich alte Sorten, beispielsweise Köstliche von Charneux, Boskop oder Winterglockenapfel. Bei letzterem handelt es sich um einen typischen Lagerapfel, der „gut für Apfelkuchen“ sei, weiß Chwallek zu berichten. „Viele wissen überhaupt nicht um die Lagerfähigkeit von Äpfeln.“ Wenn man in einen solchen Apfel beiße, werde man sagen, der schmecke gar nicht; dabei entfalte er seinen Geschmack erst, nachdem er einigen Monaten im Lager lag.

Für die Menschen früher, die um die Eigenschaften der verschiedenen Obstsorten noch wussten, sei es eine „Vitaminvorratskammer“ für den Winter gewesen. Nicht zuletzt deshalb sei der Erhalt alter Obstsorten so wichtig, sagt Chwallek. Heute kaufe man „designte Äpfel“ aus dem Discounter. Diese seien genormt und haben zum Teil lange Strecken zurücklegen müssen, um bei uns verkauft werden zu können. Der ahnungslose Käufer denke, er kaufe einen Apfel, etwas Gesundes, dabei „kauft man eigentlich einen Chemiecocktail.“ Und er ergänzt: „Ein wurmstichiger Apfel ist eigentlich ein Qualitätsmerkmal“, erklärt Chwallek, denn es bedeute, dass er ungespritzt sei.

„Ein wurmstichiger Apfel ist eigentlich ein Qualitätsmerkmal, denn es bedeute, dass er ungespritzt ist“, erklärt Christian Chwallek, stellvertretender Vorsitzender des NABU NRW.

Die offizielle Ehrung mit Überreichung der Plakette und Urkunde nehmen schließlich Christine Loges und Lena Hölzer vom Netzwerk Streuobstwiesenschutz.NRW beim NABU NRW vor. Sie loben noch einmal die „Arbeit, Mühe und Liebe“, die die Dorfgemeinschaft in die Pflege, den Schutz und den Erhalt der Streuobstwiesen stecke. Die Plakette soll im Eingangsbereich des Landhaus Stottmert angebracht werden, damit sie für jeden gut sichtbar ist.

Als Aufmerksamkeit haben die NABU-Mitarbeiter Geschenke für die Kinder mitgebracht. Vogelhaus-Bausätze und Saatpostkarten; damit in Zukunft in Stottmert noch mehr blüht und zwitschert.

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