Andreas Patry hat alle 20 Stöbertage vor Ort mitgestaltet, doch nun ist für ihn Schluss

„Stöbertag wird mir fehlen“

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Gelungene Überraschung: 20 jahre lang hat Polizist Andreas Patry den Stöbertag unterstützt. Gestern, anlässlich seiner letzten Teilnahme, überreichten ihm die Organisatorinnen Meryem Yilmaz (li.) und Ortrud Struck (re.) ein Dankeschön-Paket, das auch die obligatorische gelbe Stöbermütze beinhaltete.

HERSCHEID - 57 Kinder, aber 58 Mützen – ist das nicht eine zu viel? Mitnichten! Denn diese eine gelbe Mütze, die am Donnerstag Mittag beim 20. Stöbertag ihren neuen Besitzer fand, hatte eine besondere Bedeutung.

„Ist die etwa für mich?“, fragte Andreas Patry ungläubig. Ja, das war sie tatsächlich. Die Stöbermütze als Abschiedsgeschenk bereitete dem Bezirksdienstbeamten oder „Dorf-Sheriff“, wie er vor Ort genannt wird, unübersehbare Freude – kein Wunder. 

Denn seit dem ersten Stöbertag in der Ebbegemeinde im Jahr 1998 beteiligt sich Patry an dieser Aktion. In dieser Zeit ging er mit Generationen von Drittklässlern auf die „Jagd“ nach Temposündern im Dorf. 

Auch Donnerstag Morgen war die Laserpistole wieder im Einsatz: Die Stöberkinder überprüften gemeinsam mit Andreas Patry die Fahrer, die über die Plettenberger Straße Richtung Rathaus fuhren. „Wenn die Erwachsenen angehalten werden und sie sehen die Kinder, dann verstärkt das die ermahnende Wirkung um ein Vielfaches“, weiß der Polizist. 

Diese Worte belegen genau das, was Bürgermeister Uwe Schmalenbach bei der Eröffnung des Stöbertages im Jugendzentrum gestern erzählt hatte: Nicht nur die Kinder profitieren von dieser Aktion, bei der sie hinter Türen blicken können, die für sie im Alltag verschlossen bleiben. Auch für die Stöberstellen ist die Arbeit mit den Kindern eine Bereicherung, eröffnet sie eine andere Sichtweise auf das berufliche Wirken. 

Dennoch werde die Suche nach Stöberstellen immer schwieriger, wenngleich am Donnerstag mit der Friedliner Firma Gries ein Neuling mit dabei war. Für Andreas Patry war der Stöbertag stets ein fester Termin im Jahr; nicht einen einzigen hat er verpasst. „Im Dorf machen wir das eben zusammen“, wollte er sein Engagement nicht zu hoch bewertet wissen. 

Doch die Rathaus-Mitarbeiterinnen Meryem Yilmaz und Ortrud Struck sahen das ein wenig anders: Die Organisatorinnen des Stöbertages konnten sich stets auf ihren „Andreas“ verlassen, der im Notfall – wenn mal wieder kurzfristig eine Stöberstelle abgesagt hatte – mehr Kinder als gewünscht aufnahm. Genau deswegen erhielt der Dorf-Sheriff zwischen der Vormittags- und der Nachmittagsschicht der 57 Stöberkinder besagte Überraschung. 

Denn für den 61-Jährigen, der zu Herscheids Gründungsstöberern zählt, war es die letzte Teilnahme an der Aktion; Anfang nächsten Jahres wird er pensioniert. Deswegen überreichten ihm Meryem Yilmaz und Ortrud Struck im Namen aller Stöberkinder ein Paket Süßes, das eben auch eine Stöbermütze enthielt. Sichtlich überrumpelt setzte Patry die Mütze sofort auf und versprach, dass sein Nachfolger die Stöbertag-Tradition fortsetzen werde. 

Eine Nachricht, die die Organisatorinnen gern gehört haben dürften. Denn auch zukünftig wollen sie den Grundschülern die Möglichkeit bieten, die Arbeitswelt der Erwachsenen kennenzulernen. An insgesamt 38 Stöberstellen waren sie zu sehen; sie packten mit an, bestaunten Maschinen im Einsatz, löcherten die Erwachsenen mit Fragen und waren am Ende des Tages mächtig stolz und überglücklich. 

Gut gelaunt, wie man ihn eben kennt, verließ auch Andreas Patry das Jugendzentrum in Herscheid. Wenngleich er auch ein wenig Wehmut verspürte: „Ich habe mich immer auf den Stöbertag gefreut, deswegen wird er mir ganz bestimmt fehlen.“

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