„Man hat das Gefühl, man kämpft an allen Fronten, aber Hilfe gibt einem niemand“

Der steinige Weg in die digitalisierte Geschäftswelt

Die Jung-Unternehmer (von links nach rechts) Sabrina und David Stania, Dr. Matthias Lohr und Sylvia Pietzko sind überzeugt von ihrer Idee und haben mit einer großen Portion Idealismus die vielen Hürden in der Gründungsphase gemeistert. Privatfoto

HERSCHEID - Der Traum von der Selbstständigkeit, wer kennt ihn nicht? Doch auf dem Weg in die Unabhängigkeit wartet manch eine unerwartete Hürde auf junge Unternehmer – davon kann das Ehepaar Stania aus Elsen ein leidvolles Lied singen.

„So schwer hatte ich mir das nicht vorgestellt“, gesteht David Stania. Schon immer trägt der ehemalige Lüdenscheider den Wunsch in sich, etwas zu leisten, mit dem er Spuren hinterlässt, etwas, was die Welt positiv beeinflusst. Diesem Ziel ist er in den letzten sieben Monaten zwar ein gutes Stück näher gekommen, doch war dieser Prozess kräftezehrender als gedacht, gesteht der 34-Jährige: „Du bringst nur deine Idee mit, musst dich aber mit so vielen Dingen auseinandersetzen“. 

Die besagte Idee entsprang eines Abends auf dem Sofa der Familie in ihrem Haus in Elsen. Ehefrau Sabrina dachte darüber nach, wie ihre Arbeitswelt als zweifache Mutter vereinfacht werden könnte. Es müsste eine Möglichkeit geben, den Job als Immobilienmaklerin auch mit kleinen Kindern nachgehen zu können – so die Überlegung. Da traf es sich gut, dass Gatte David nicht nur ein Mann der Tat ist, sondern auch das nötige technische Fachwissen mitbringt. Er arbeitet als Softwareentwickler in der Fertigungstechnologie, kennt sich also bestens mit der Erstellung von Computerprogramm aus. Kurzerhand bastelte er in seiner heimischen „Werkstatt“ an einer neuartigen Internet-Plattform für Personen, die auf der Suche nach einer Immobilie sind. Ohne auf die Uhr zu achten verbrachte er unzählige Abend- und Nachtstunden an seinem Rechner, feilte an seinem Projekt und konnte rasch Erfolge aufweisen: „Nach vier Wochen war der Prototyp fertiggestellt.“ 

Doch jetzt begann die eigentliche Arbeit – ein Unternehmen musste gegründet werden. David Stania nahm Kontakt zu seinem alten Schulfreund Dr. Matthias Lohr auf; der gebürtige Lüdenscheider wohnt inzwischen in Wiesbaden und ist Experte auf dem Gebiet der Betriebswirtschaft. Aus seinem Bekanntenkreis holte er Sylvia Pietzko mit ins Boot, die sich auf den Bereich Marketing spezialisiert hat. Das vierköpfige Team stellte sich der Herausforderung, ein Start-up-Unternehmen zu formieren – ein junges Unternehmen, das mit einer neuen Geschäftsidee den Markt erobern möchte. Ein Name war rasch gefunden: „Tenant 24“. Der englische Begriff tenant bedeutet übersetzt Mieter und die Zahl 24 steht für die Erreichbarkeit der Plattform rund um die Uhr. 

Unterschätzt hatten die Jung-Unternehmer die nun folgenden Hürden: Die Gespräche mit dem Finanzamt gestalteten sich schwierig; dort werde eine eigene Sprache gesprochen, die man als Laie nicht ohne Weiteres verstehen kann, erzählt David Stania. Viele Fachbegriffe mussten nachgeschlagen werden, um die Zusammenhänge nachvollziehen zu können. Auch der Schriftverkehr mit dem Notar wegen der Unternehmensgründung sei umfangreich und komplex gewesen. Als Geschäftsführer bringt man in diesem Fall nicht nur ein Produkt mit, sondern hat auch Pflichten zu erfüllen und Verantwortung zu tragen, meint der Herscheider. 

Schnelle Entscheidungen habe es selten gegeben; allein die Prüfung durch das Patentamt, durch die der Name und das Logo des Unternehmens geschützt werden soll, dauerte drei Monate. Der Begriff „Digitalisierung“ sei zwar in aller Munde. Doch einen Fuß in die digitale Geschäftswelt zu bekommen, sei nicht einfach, musste auch David Stania erkennen: „Man hat das Gefühl, man kämpft an allen Fronten, aber Hilfe gibt einem niemand.“ Als lobendes Beispiel hebt er den Gang ins Herscheider Rathaus hervor: Dort habe die Unternehmensanmeldung reibungslos funktioniert. 

Ohnehin haben sich die Mühen der Jung-Unternehmer gelohnt: Die Website ist verfügbar, die ersten Nutzer haben sich registriert, die Rückmeldungen sind positiv. „Diesen Erfolg kann uns keiner mehr nehmen“, zeigt sich David Stania erleichtert. Gemeinsam mit seinen drei Mitstreitern versucht er nun, den Bekanntheitsgrad von „Tenant 24“ zu erhöhen, um in der digitalen Geschäftswelt bleibenden Eindruck hinterlassen zu können.

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