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Sportgerät Kartoffel: Gymnastik mit der tollen Knolle

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Von: Dirk Grein

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Ein Balanceakt der besonderen Art: Die Bewohner ließen Kartoffeln auf Papptellern kreisen.
Ein Balanceakt der besonderen Art: Die Bewohner ließen Kartoffeln auf Papptellern kreisen. © Dirk Grein

Gebraten als Plätzchen, gestampft zu Püree, als Suppe oder Salat und jetzt auch noch als Sportgerät: Die Kartoffel steht bei den Bewohnern des Seniorenzentrums hoch im Kurs. Wobei: Gymnastik mit Kartoffeleinsatz – das hatten die Senioren auch noch nicht erlebt.

Herscheid - Doch anlässlich einer Themenwoche stand am Dienstagvormittag genau das auf dem Plan: Kartoffelgymnastik. Dabei bewies die tolle Knolle ihre Vielseitigkeit. Zunächst diente sie als leichtes Gewicht: „Linker Arm nach oben, rechter Arm nach oben“, gab Mitarbeiterin Diana Sager den Takt vor, in dem die Kartoffel von der einen in die andere Hand wechselte.

Anschließend war der Gleichgewichtssinn gefordert: Die Bewohner nahmen einen Pappteller zur Hand, auf dem eine Kartoffel kreisen sollte. Die Herausforderung wurde zunächst belächelt, doch: „Das ist ja gar nicht so einfach“, befand eine Seniorin, die sich darüber ärgerte, dass ihre Kartoffel so gar nicht rund sei. Doch nach einigen gekonnten Umrunden folgte auch für sie die Steigerung: die Übergabe der Kartoffel auf den Teller von Mitarbeiterin Diana Sager und die anschließende Rückholaktion – alles natürlich ohne direkten Handkontakt.

Zwischen den Übungen erinnerten sich die Bewohner sogleich an das Stoppeln, also das Einsammeln von Kartoffeln, die bei der Ernte auf dem Feld liegen geblieben waren. Oft geschah dies während der Kartoffelferien – dem Vorgänger der heutigen Herbstferien. Die Kinder erfreuten sich häufig am Kartoffelfeuer, für große Erntehelfer gab es zum Dank einen Kartoffelschnaps (Wodka).

Mit dem Kartoffelsong ging es musikalisch zurück in die Gegenwart, dazu machten die Senioren rhythmische Bewegungen. Zum Abschluss wurde die Beinmuskulatur angeregt: Die Kartoffel übernahm dabei die Rolle eines Balles, der zunächst zwischen den Oberschenkeln zusammengedrückt und abschließend auf den Füßen liegend nach oben und nach unten bewegt wurde.

„Wir wollten ein wenig Abwechslung in unsere bestehenden Angebote bringen“, erklärt Angelina Hoffmann (Leitung Sozialer Dienst) diese abgewandelte Form der Gymnastik. Während der Themenwoche gibt es weitere besondere Angebote: So wird die Kartoffel beim Kegeln einen ungewöhnlichen Einsatz als Kugelersatz haben. Und auch das Dartsspiel wird abgewandelt, sollen die Kartoffeln in Zielschüsseln geworfen werden.

Sportlich, schmackhaft und zugleich gesund

Auch im kreativen Bereich soll die tolle Knolle noch beim Kartoffelstempeln eingesetzt werden. Knifflig wird es beim Quiz, bei dem unter geschätzt werden soll, wieviele Kartoffelsorten es weltweit gibt. „Da sind Fragen dabei, die man nur schätzen kann“, erzählt Angelina Hoffmann.

Selbstverständlich ist die Kartoffel in dieser Woche gleich mehrfach auf dem Speisenplan zu finden. Am Montagabend wurde Kräuterquark zu Kartoffelspalten serviert. Und am Donnerstag kochen die Bewohner unter fachkundiger Anleitung eine Suppe. Dabei sollen dann die „Sportgeräte“ verwendet werden: Denn die Gymnastikkartoffeln seien schließlich auch nach ihrem Sporteinsatz weiterhin schmackhaft und gesund, versichert Angelina Hoffmann.

Mitgliederzahlen und -beiträge gehen zwar zurück, dennoch werden die Wünsche der Bewohner erhört

Der Nutzen ist groß und vielfältig: Mit besonderen Aktionen, Anschaffungen und Unternehmungen wird der Alltag der 60 Bewohner bunter gestaltet. Doch die Unterstützung bröckelt: Der Förderkreis des Herscheider Seniorenzentrums benötigt mehr Mitglieder. Die Spitzenzeiten sind längst vorbei: Mehr als 200 Personen schlossen sich dem 1992 gegründeten Verein an. Sie hatten das Ziel vor Augen, die Gründung eines Seniorenzentrums in Herscheid zu begünstigen. Die Eröffnung im Jahr 1999 war ein Meilenstein und ein großer Erfolg auch für die Förderer.

Inzwischen ist die Einrichtung fest in der Gemeinde verankert und genießt einen guten Ruf. Der Förderkreis ist zwar über die Jahre in den Hintergrund getreten, leistet aber weiterhin eine große Hilfe. „Der Verein ist sehr wichtig für unser Haus und erfüllt uns Wünsche, die über die normale Ausstattung hinausgehen“, betont Einrichtungsleiterin Anke Dahlhaus.

Neue Fußstützen für einen Rollstuhl, Sonnensegel und Bänke für die Sitzecke neben dem Haupteingang, Auftritte eines Magiers, kleine Ausflüge in die nähere Umgebung, Dankeschön-Essen für die ehrenamtlichen Alltagshelfer: Die Liste der realisierten Projekte nimmt nach längerer Coronapause wieder zu. Zuletzt spendierte der Förderkreis der Einrichtung einen Hühnerstall, in dem vier Tiere wohnen, die für die Bewohner eine tägliche Attraktion darstellen.

Das notwendige Geld für derlei Anschaffungen bringt der Förderkreis nicht mehr nur aus Beiträgen auf. Die Mitgliederzahl ist weiter rückläufig und liegt zurzeit bei 92, erzählt Heidrun Cordt, die bereits seit 20 Jahren Vorsitzende des Vereins ist. „Den Mitgliederrückgang können wir glücklicherweise durch Spenden ausgleichen“, bedankt sie sich. Zugleich hofft sie, die Vereinsgröße bald wieder wachsen lassen zu können.

Kontakt: Wer Interesse an dem Förderkreis hat, kann sich melden bei Heidrun Cordt, Tel. 0 23 57 / 13 33, oder bei Anke Dahlhaus, Tel. 0 23 57 / 90 69 0.

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