Viele Gäste von außerhalb

Der Spieker ist über die Herscheider Gemeindegrenzen hinaus bekannt

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Die Töpferin Kerstin Weberl stellte ihre Keramik vom Lande und ostpreußische Lasdehner Keramik aus.

HERSCHEID - Kerzenlicht, Glühweinduft, eine besondere Atmosphäre und dazu noch leichter Schneefall – das waren die passenden Rahmenbedingungen für den ersten Advent im Spieker.

Da war es nicht verwunderlich, dass sich viele Besucher auf den Weg machten, um das Heimathaus zu besuchen. Diese Veranstaltung, die mittlerweile zum achten Mal stattfand, ist längst über Herscheids Grenzen hinaus bekannt und so traf man, neben vielen Herscheidern, auch etliche Besucher aus den umliegenden Kommunen. 

Die Besucher fühlten sich in den gemütlich eingerichteten Räumen sichtlich wohl und genossen die besondere Umgebung. Im Trauzimmer ließen sich die Gäste von der vorweihnachtlichen Stimmung mit Kaffee, Glühwein, Gebäck und Weihnachtsliedern verzaubern. 

Mit sanfter Zithermusik stimmte der Plettenberger Josef Verse die Anwesenden auf die bevorstehende Weihnachtszeit ein. Verse, der durch seinen Urgroßvater, der schon das Musizieren auf der Zither beherrschte, auf dieses Instrument aufmerksam geworden ist, ist der einzige Zitherspieler in der Vier-Täler-Stadt. Im Jahr 1957 kaufte Josef Verse – damals noch über den komplizierten Interzonenhandel bei der Firma Meinel in Markneukirchen – die Harfen-Konzert-Zither, auf der er am Sonntag aufspielte. Dieses 40-saitige Instrument erhielt seinen Namen aufgrund der Form und des lieblichen Klanges, der an eine Harfe erinnert. 

Mittlerweile besitzt der ehemalige Lehrer acht verschiedene Zithern und das Instrument seines Urgroßvaters hängt heute als Erinnerungsstück bei ihm zuhause an der Wand. Ein Alleinauftritt von Josef Verse ist eher selten; normalerweise spielt er das Instrument in der fünfköpfigen Plettenberger Renterband, die unter anderem in Seniorenheimen, im Krankenhaus oder wie kürzlich im Aqua Magis auftritt. 

Für besondere Hingucker im Spieker sorgte die Töpferin Kerstin Weber. Die Werdohlerin stellte im Trauzimmer einige Stücke aus ihrer Töpferwerkstatt aus. Neben Tassen, Tellern, Krügen, Windlichtern und Schüsseln fanden Interessierte einige ganz besondere Ausstellungsstücke: Unter anderem einen Bohnentopf, bei dessen Kauf ein historisches Kochrezept beigelegt wurde und der nach Angaben von Kerstin Weber besonders beliebt ist, und ein Paartopf, der aus zwei einzelnen Töpfen besteht, die allerdings miteinander verbunden sind. Während früher ein solches Gefäß als Henkelmann diente, wird es heute zur Dekoration benutzt. 

Eine weitere Besonderheit ist das Zwiebelglöckchen: Darin bleibt eine angeschnittene Zwiebel länger haltbar. Durch einen Zufall stellte die gelernte Töpferin fest, dass ein Lochstein, der eigentlich dafür gedacht war, Blumen zu halten, eine praktische Wespenfalle darstellt. So kann man dieses kleine getöpferte Utensil praktischerweise für zwei unterschiedliche Zwecke benutzen. 

Neben Kerstin Webers eigener Kreation, der bäuerlichen „Keramik vom Lande“, zeigte sie den Gästen auch einige Stücke der Lasdehner Keramik, die ihren Ursprung in der ostpreußischen Ortschaft Lasdehnen hat. Diese Keramik zeichnet sich durch ausgewählte Kornblumenmuster, tränende Herzen und die Farben Weiß und Kobaltblau sowie einen besonderen Stempel aus. Von diesem Stempel gibt es weltweit nur ein einziges Exemplar, das sich im Besitz der Werdohlerin befindet; sie führt die Tradition der ostpreußischen Keramik fort. Einige Besucher nahmen die Gelegenheit wahr und bestellten am Sonntag das ein oder andere getöpferte Exemplar, das sich vielleicht noch als Geschenk unter einem Weihnachtsbaum wiederfindet. 

Für die Besucher des Heimathauses gab es aber noch mehr zu entdecken: In der „guten Stube“ des Spiekers zeigte der Lüdenscheider Günter Kirschbaum, wie die Sitzfläche eines Stuhls neu beflochten wird. Ein altes Handwerk, für das viel Geduld benötigt wird. Um die Sitzfläche eines Stuhls neu zu beflechten benötigt der Hobby-Stuhlflechter ungefähr zehn bis zwölf Stunden. 

Er beginnt damit, die Löcher, die sich rund um die Sitzfläche befinden, nachzubohren. Bevor das Flechten mit Streifen aus Weide beginnt, muss dieses Material zuerst für etwa zehn Minuten in Wasser eingeweicht werden. Danach wird die Sitzfläche senkrecht, waagerecht und diagonal beflochten. 

Das Ergebnis kann sich sehen lassen, wie die durch Günter Kirschbaum restaurierten Stühle im Spieker zeigen. Der 81-Jährige, der früher auch Möbel restaurierte, hat seinem Großvater schon beim Stuhlflechten über die Schulter geschaut und nach vielen Jahren dieses Hobby aufgegriffen. Zahlreiche Besucher ließen sich von dem Lüdenscheider die Technik des Stuhlflechtens vorführen. 

Die Herscheider Heimatfreunde hatten an diesem besonderen Öffnungstag, der auch der letzte im Jahr 2017 war, alle Hände voll zu tun. Sie freuten sich über die große Zahl der Besucher und es ergaben sich viele Gelegenheiten für interessante Gespräche. Nach einer kurzen Weihnachtspause, die auch zum Planen der Termine für das kommende Jahr genutzt wird, öffnet der Spieker Ende Januar 2018 wieder seine Türen für Besucher.

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