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Spieker öffnet: Auf Spurensuche im Heimathaus

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Am Sonntag können sich die Besucher im Spieker auf heimatgeschichtliche Spurensuche begeben.
Am Sonntag können sich die Besucher im Spieker auf heimatgeschichtliche Spurensuche begeben. © Hüttebräucker

Am Sonntag, 11. September, ist Tag des offenen Denkmals. Der Geschichts- und Heimatverein Herscheid lädt von 11 bis 17 Uhr zum Besuch des Heimathauses ein.

Herscheid - Der Spieker ist das erste in der Liste der 13 Baudenkmäler der Ebbegemeinde, dazu gibt es fünf Bodendenkmäler und ein bewegliches Denkmal. Das Motto des diesjährigen Tages des offenen Denkmals lautet „KulturSpur. Ein Fall für den Denkmalschutz“.

Wie kein anderes Gebäude in Herscheid ist es der Spieker, der geeignet ist, sich auf geschichtliche Spurensuche zu begeben. Welche Zeiten hat er erlebt? Welche baulichen Veränderungen musste er ertragen? Wieviel Generationen, welchen Menschen schenkte er Unterkunft und Heimat?

Wie der Namensgeber Spieker (Speicher) ausgesehen hat, weiß man heute nicht. Das Gebäude ist beim großen Herscheider Dorfbrand 1686 ein Opfer der Flammen geworden. Übrig geblieben sind nur die Grundmauern, auf denen die heutigen Gebäude aufgebaut wurden.

„Zwei Wohngebäude sind es, wenn wir heute vom Spieker sprechen“, erzählt der Vereinsvorsitzende Dr. Klaus Hüttebräucker. Das erste, ein Bruchsteingebäude, wurde um 1690 errichtet. Massive Außenwände, niedrige Räume, Lehmwände und mit Holzgeflecht versehene Lehmdecken: Wie damals gebaut wurde, ist heute noch gut zu sehen.

Etwa 130 Jahre später wurde eng angelehnt an das erste Gebäude ein Fachwerkhaus errichtet. Die Räume sind höher und die Außenwände dünner. „Ist es Zufall, dass eine dieser Außenwände schon einmal komplett erneuert werden musste?“, fragt sich Dr. Hüttebräucker.

Dieses Gebäude, verbunden mit einem Pferdestall, wurde auf dem Zufahrtsweg zum Kirchhof errichtet. Es musste daher mit einer Durchfahrtüberbauung versehen werden. Heute ist diese Durchfahrt ein spiekerkennzeichnendes Merkmal.

„Natürlich gab es ursprünglich keine Heizung, kein Strom und auch keine Haustoilette, etwas was nachträglich für die bis noch vor 15 Jahren in den Häusern wohnenden Familien nachgerüstet wurde“, erzählt der Vereinsvorsitzende. In enger Verbundenheit zur nahen Kirche waren es wohl Kirchenmitarbeiter, die anfangs im Spieker lebten. Später waren es Landwirte, Fuhrleute, Gastwirte, Kaufleute und Gemeindeangestellte.

Noch bis zum Jahre 1884 trafen sich die Kirchgänger nach dem Gottesdienst in der Gastwirtschaft Spieker. Im Jahre 1848 wurde Gustav August Alberts auf dem Spieker geboren. Er war so etwas wie ein moderner Reidemeister, träumte noch vom Osemund und dachte in den Spiekerräumlichkeiten bei Kerzenlicht an seine zu gründende Riegelfabrik. Schon bald nach der Schule marschierte er frühmorgens vom Spieker am Spielberg vorbei zum Arbeitsplatz, der Schmiede „Schröers Timmer“ in Friedlin.

Den zweiten großen Herscheider Dorfbrand 1862 überstand der Spieker unbeschadet. Gustav August Alberts wurde 1884 Unternehmer im „Blumenthal“ und im Spieker lebten fortan in der Erbfolge die Schröders, Schmellenkamps und Pfaffens. „Vieles über das Gesagte hinaus können die Besucher bei einem Besuch in unserem Heimathaus erfahren. Auch können Sie sehen, wie ein mit ungehobelten Baumstämmen errichteter Dachstuhl Jahrhunderte miterlebt hat“, lädt Dr. Hüttebräucker ein.

Zum Tag des offenen Denkmals wird unter dem Dachstuhl gesponnen, gewebt und gebastelt. Natürlich ist an diesem Tag auch mit Getränken und Waffeln für das leibliche Wohl gesorgt. Der Eintritt ist frei.

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