Ein Besuch bei Landwirt Dirk Voß

Behandlung von Großtieren: Tierarzt-Firma schickt Spezialisten in den Kuhstall

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Tierärztin Tanja Feuerbach (links) von der Firma Landvet aus Much im Rhein-Sieg-Kreis mit Landwirt Dirk Voß in seinem Kuhstall in Friedlin.

Herscheid - Wenn die Katze oder der Hund zum Tierarzt müssen, kein Problem: ab ins Auto mit dem geliebten Haustier und zur Praxis. Bei Kühen ist das jedoch nicht so einfach und die Tierärzte für Großtiere werden immer weniger. Kreislandwirt Dirk Voß hat daher schon vor Jahren vorgesorgt und sich eine Tierarzt-Firma ausgesucht, die regelmäßig alle 14 Tage auf seinen Hof kommt. Er zeigt, welche Möglichkeiten es gibt.

"Ich bin auf Spezialisten angewiesen. Schließlich habe ich einen wirtschaftlichen Betrieb mit 160 Kühen“, erklärt Dirk Voß, weshalb er sich an die Tierarztfirma Landvet wandte, für die 16 Tierärzte im Einsatz sind, die sich ausschließlich um Kühe kümmern.

Früher war das so: Der Tierarzt kam aus der Nähe und hat alles gemacht, also alle Tiere behandelt. Das gibt es auch immer noch, wobei sich auch vor Ort einige Tierärzte auf eine bestimmt Tierart wie Kuh oder Pferd spezialisiert haben, wird aber immer seltener. Mehr und mehr ältere Tierärzte, die sich auch um Großtiere kümmern, gehen in den Ruhestand.

Im Betrieb von Dirk Voß steht die Fruchtbarkeit der Kühe im Mittelpunkt, denn nur wenn sie ein Kälbchen geboren haben, geben die Kühe auch Milch. Aus diesem Grund braucht der Landwirt eine ausgiebige und regelmäßige Bestandsaufnahme und die Beratung des Spezialisten, sagt er.

Fruchtbarkeit steht im Mittelpunkt

Bei den 14-tägigen Besuchen auf dem Hof von Dirk Voß in Friedlin stehen in erster Linie Trächtigkeitsuntersuchungen an. 60 Tage, nachdem die Kuh ihr Kälbchen auf die Welt gebracht hat, wird geschaut, ob der Zyklus wieder eingesetzt hat. Wenn ja, wird die Kuh erneut besamt. 

Der Tierarzt – in diesem Fall Tanja Feuerbach von der Firma Landvet – kontrolliert dann, ob die betreffenden Kühe trächtig sind. Gemeinsam mit Dirk Voß geht sie dazu durch den Stall und der Landwirt macht sich auf einer Liste einen Vermerk zu der entsprechenden Kuh, neben der Information, wann diese besamt wurde, ab wann sie nicht mehr gemolken werden sollte und dem voraussichtlichen Geburtstermin. 

Wenn eine Kuh nicht trächtig wird, wird nach der Ursache gesucht

Stellt Tanja Feuerbach fest, dass eine Kuh trotz Besamung nicht trächtig ist, wird die Ursache untersucht, zum Beispiel, ob es an einer Zyste liegt, die entfernt werden muss. „Mit der prophylaktischen Untersuchung, die alle 14 Tage stattfindet, können wir auch akuten Krankheitsfällen vorbeugen“, erklärt Dirk Voß. Denn im Anschluss an die turnusmäßige Untersuchung kümmert sich Tanja Feuerbach dann um weitere Anliegen beziehungsweise Krankheitsfälle im Kuhstall. 

Für die eigentliche Geburt selbst ist ein Tierarzt nicht unbedingt notwendig. „Das ist ein natürlicher Vorgang. Das macht die Kuh ganz von alleine“, erklärt Dirk Voß. Er selbst ist zur Stelle, falls etwas nicht in Ordnung ist, da er sich damit auskennt. Er greift jedoch nur ein, wenn es nötig ist, zum Beispiel wenn die Geburt nicht voran geht oder das Kalb falsch liegt. Der Tierarzt muss für ihn nur im Notfall kommen. Das ist unter anderem der Fall, wenn das Kalb größer ist, als das Becken der Kuh oder aus einem anderen Grund ein Kaiserschnitt nötig ist.

Trächtigkeitsuntersuchung im Kuhstall: Tanja Feuerbach überprüft, ob das Besamen geglückt ist.

Für diese akuten Fälle, in denen der Tierarzt gerufen werden muss, gibt es neben den Ärzten, die feste Termine wahrnehmen, einen Bereitschaftsdienst für die Notfälle. Abgesehen von einem Kaiserschnitt kann es sein, dass krankheitsbedingt der Labmagen (Verdauungsorgan bei Wiederkäuern) operiert werden muss. Die meisten Operationen können jedoch im Kuhstall vorgenommen werden und der Landwirt muss nicht wie früher mit der Kuh in die Uniklinik nach Gießen fahren.

Jeden Tag erwartet einen etwas anderes

„In den meisten Fällen muss nicht Hals über Kopf reagiert werden“, erklärt Dirk Voß zudem. „Anders ist es, wenn sich eine Kuh verletzt hat und ein Gefäß stark blutet. Da können 45 Minuten für die Anfahrt mal lang werden“, erinnert er sich, wie er in einem solchen Fall schon einmal bis zum Eintreffen des Tierarztes den Daumen solange auf die Stelle gehalten hat.

Für die Spezialisten ist die Arbeit auch anders, als für den normalen Tierarzt. „Man macht jeden Tag etwas anderes und weiß nicht, wohin man fährt“, beschreibt Tanja Feuerbach eine Seite, die sie an ihrem Beruf sehr spannend findet. Die Entfernungen, die sie dabei zu den tierischen Patienten zurücklegt, sind ganz unterschiedlich. 

Manchmal fahre sie eine Stunde, aber in anderen Fällen auch nur 15 Minuten von einem zum anderen Landwirt. So musste sie zwar nach dem Besuch bei Dirk Voß in Friedlin nur bis nach Halver, aber auch Strecken bis Marienheide und Lindlar sind möglich. An manchen Tagen kommen so 100 Kilometer zusammen, die sie zurücklegt und an anderen sogar 300.

Der Sitz der Firma Landvet ist in Much im Rhein-Sieg-Kreis. „Dort haben wir allerdings nur unsere Apotheke und das Büro“, sagt die Tierärztin Tanja Feuerbach. Eine Praxis für die Großtiere gebe es vor Ort jedoch nicht und auch die Kleintierpraxis dort gehöre nicht zur Firma Landvet.

Tierärzte vor Ort

Einige Tierärzte, die auch Großtiere behandeln, gibt es noch in der Region. Dazu gehören zum Beispiel Dr. Dorle Rattay in Herscheid und Dr. Lebrecht Riepe in Lüdenscheid. Und obwohl Dr. Rattay neben Kleintieren auch Großtiere behandelt, macht sie dies mittlerweile weniger, erklärt sie auf Anfrage. „Man kann nicht alles schaffen“, sagt sie. Neben akuten Fällen gehöre bei Großtieren auch die Beratung und Bestandsbetreuung dazu. Auch sie kann bestätigen, dass in letzter Zeit viele Tierärzte, die auch Großtiere behandelt haben, aus Altersgründen aufgehört haben. Zudem merkt die Tierärztin an: „Man muss bedenken, es ist eine körperlich anstrengende Arbeit.“

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