„Die Notbremse gezogen“

Sperrung für Durchgangsverkehr: Das sagen die Elsener

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Seit letzten Freitag ist die Straße nach Elsen für den Durchgangsverkehr gesperrt. Wie bewerten die Anwohner diese Regelung? Diese Frage stellten wir den Elsener beim traditionellen Aufstellen des Maibaums.

HERSCHEID - Die Sperrung der Gemeindestraße über Elsen, welche aktuell nur noch von Anliegern angesteuert werden darf, erhitzt die Gemüter. Nicht nur in den sozialen Netzwerken, sondern auch am Ort des Geschehens wird die Debatte intensiv geführt.

„Die Elsener haben kein Interesse daran, irgendwen zu ärgern. Aber die Situation ist eskaliert und daher musste etwas passieren“, stellt Anwohner David Stania klar. Durch das verstärkte Aufkommen von schwerem Güterverkehr mit meterlangen Anhängern sei eine Grenze überschritten worden, die ein Handeln notwendig gemacht hätten. 

Für Stania steht fest: „Diese Straße ist dafür nicht ausgelegt. Es wird ja schon schwierig, wenn sich zwei normale Fahrzeuge entgegenkommen.“ Der Anwohner verwies darauf, dass es bereits 2017 einen Ortstermin mit den Behörden wegen des hohen Verkehrsaufkommens gegeben habe. „Nun wurde die Notbremse gezogen“, zeigt er Verständnis für die getätigte Maßnahme. 

Auch für Edgar Althoff war eine Reaktion unumgänglich: „Wir hatten hier vier- bis fünfmal so viele Fahrzeuge wie gewöhnlich. Dabei ist die Straße eh in einem schlechten Zustand.“ Wobei für den Elsener wichtig ist zu betonen, dass sich die meisten an die Geschwindigkeitsregeln halten. 

Dennoch gebe es eine Gruppe an Rasern, die mit dem gestiegenen Verkehrsaufkommen ebenfalls größer geworden sei. Wie stark die Strecke frequentiert wurde, macht Althoff an einem Beispiel deutlich: „Als ich mit meinem Hund meinen Dorfspaziergang gemacht habe, konnte ich in nur fünf Minuten 34 Autos zählen, die an mir vorbeigefahren sind.“ 

Rund 3 000 Fahrzeuge, die laut aktueller Verkehrszählung pro Tag durch Elsen gefahren sind – diese Zahl hat aus Sicht der Dorfgemeinschaft das Fass zum Überlaufen gebracht. „Wir wissen natürlich, dass manche Leute durch die Sperrung einen gewaltigen Umweg vor sich haben. Wir bitten aber auch um Verständnis für unsere Situation“, fordert Edgar Althoff alle Betroffenen dazu auf, kühlen Kopf zu bewahren. 

Anlieger frei – durch diese Regelung hat sich die Lage zumindest vorerst entspannt. Nach Auskunft mehrerer Anwohner habe sich die Menge der Autos stark reduziert, wozu auch die Polizei-Kontrollen beigetragen haben. Allerdings sind sich die Elsener einig, dass man die Situation erst nach einigen Tagen vernünftig bewerten könnte. 

Das Verbot für den Durchgangsverkehr ist keine langfristige Lösung, sondern wurde vorerst auf die Zeit der Bauarbeiten auf der Landstraße 561 zwischen Herscheid und Hüinghausen begrenzt. Anwohner Björn Gebehenne zeigt Verständnis: „Diese Maßnahme ist nicht der Weisheit letzter Schluss. Das eigentliche Problem ist ja die zu hohe Geschwindigkeit einiger Fahrzeuge“. 

Diese Entwicklung verfolgt er mit Sorge, weil es seit Jahren eine steigende Anzahl an Kindern in der kleinen Ortschaft gibt. Für sie sei das Spielen auf der Gemeindestraße zu riskant geworden. „Die Gemeinde muss etwas tun, um die Straße wieder sicherer zu machen“, sagt Gebehenne. 

Wie eine nachhaltige Maßnahme aussehen könnte, darauf macht Dietrich Hervel aufmerksam. Er wünscht sich das Anbringen von Bremsschwellen: „Die Berliner Kissen würden zu einer Geschwindigkeitsdämpfung führen und damit zu einer Verkehrsberuhigung beitragen.“ Er hofft, dass über das weitere Vorgehen in Elsen bei der nächsten Sitzung des Herscheider Gemeinderates im Juni gesprochen wird.

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