Intensiver Austausch über kostenfreie Bildung

SPD-Kandidatin und Alberts-Chef uneins

+
Die Gäste der SPD um Bundestagskandidatin Nezahat Baradari (links) und Geschäftsführer Dietrich Alberts (Dritter von links) erhalten beim Betriebsrundgang Informationen von Edgar Brandes, Leiter der Abteilung Werkzeugbau (rechts).  

Herscheid - Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt, Chancen durch den Internethandel – all diese Themen wurden gestern Vormittag beim Besuch von Nezahat Baradari in der Firma Alberts besprochen.

VDie SPD-Bundestagskandidatin konnte sich den Ausführungen von Firmen-Chef Dietrich Alberts in allen Punkten anschließen – beim Thema kostenfreie Bildung fanden die beiden hingegen keinen gemeinsamen Nenner. Die unterschiedlichen Standpunkte sorgten für eine intensive Diskussion. Nach Meinung von Nezahat Baradari ist es eine der wichtigsten Staatsaufgaben, für die Finanzierung von Bildung zu sorgen, damit alle Schüler die gleichen Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt haben und einkommensschwache Familien nicht benachteiligt werden. Sie forderte mehr Investitionen, damit es auch weiterhin „helle Köpfe in Deutschland“ geben kann. Bildung zum Nulltarif?

 Das widerstrebt Dietrich Alberts. In Anlehnung an das Studiensystem in Australien wünscht er sich rückwirkende Beiträge. Wer nach dem Besuch einer Universität einen gut bezahlten Beruf ergreift, der sollte einen „persönlichen Beitrag“ in angemessener Höhe leisten. Dies sei ein Ausdruck der Wertschätzung der Arbeit an den Universitäten, aber auch ein Baustein, um die Ausbildung nachfolgender Generationen zu sichern. Würde eine solche Regelung in einem reichen Land wie Deutschland eingeführt, wäre das ein Armutszeugnis, urteilte Nezahat Baradari. Sie befürchtete, das soziale Gleichgewicht würde außer Kraft gesetzt, was Unruhen zur Folge haben könnte. 

Zur finanziellen Stärkung des Bildungssystems sollten stattdessen Steuergelder genutzt werden. Der Herscheider Firmenchef konnte keine Benachteiligung an dem Beitragsprinzip erkennen: Dieses würde die Chancengleichheit nicht gefährden, wohl aber eine Verbesserung der Finanzierung erzielen. Ungeachtet dessen, dass in diesem einen Punkt keine Meinungseinheit herrschte, lobte die SPD-Kandidatin die Firma Alberts als modern aufgestelltes Unternehmen, was sie unter anderem an der Zertifizierung „Beruf und Familie“ festmachte. Nicht nur der wirtschaftliche Erfolg des Unternehmens sei bemerkenswert, sondern ebenso die Wertschätzung, die den rund 450 Mitarbeitern entgegen gebracht wird: „Hier steht der Mensch im Mittelpunkt“, lobte Nezahat Baradari. 

Der Firmenchef hatte zuvor einen kurzen Einblick in die 165-jährige Firmenhistorie und einen Überblick über aktuelle Geschäftsfelder gegeben. Als größte Herausforderung stellte er die Gewinnung von neuen Mitarbeitern heraus. Der Bundestagskandidatin gab Alberts zwei Wünsche mit auf den Weg: die Breitbandversorgung („In diesem Punkt leben wir in einem Entwicklungsland“) und die Infrastruktur müssen verbessert werden. 

Welche Partei diese Dinge, die in der Vorbereitung sind, „voranbringt, ist mir letztlich egal. Hauptsache ist, es tut sich endlich etwas“, sagte Alberts.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare