SPD-Bundestagskandidatin Nezahat Baradari besucht Herscheider Seniorenzentrum

Ambulant vor stationär nicht immer der richtige Ansatz

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Die Bundestagskandidatin Nezahat Baradari (rechts) besuchte mit Mitgliedern der Herscheider SPD das Seniorenzentrum. Dort zeigten ihr Verwaltungsleiterin Susanne Gräwe (links) und Einrichtungsleiterin Anke Dahlhaus (Zweite von links) unter anderem die Wellness-Badewanne, die den Bewohnern einen bequemen Einstieg von der Seite ermöglicht. 

HERSCHEID - „Hätte ich gewusst, wie schön es hier ist, dann wäre ich schon viel früher gekommen.“ Diese Feststellung hört Anke Dahlhaus nicht selten. Der Umzug ins Seniorenzentrum wird auch in Herscheid immer später angetreten – mit Folgen.

Denn oftmals haben die Personen zuvor über einen langen Zeitraum allein in den eigenen vier Wänden gewohnt – nahezu isoliert und auf sich allein gestellt. Ihnen fällt der Umzug in das belebte Seniorenzentrum dann nicht leicht. 

„Viele Bewohner haben anfangs Schwierigkeiten, an unseren Gruppenangeboten teilzunehmen“, hat Einrichtungsleiterin Anke Dahlhaus festgestellt. Auch größere Ausflüge und Fahrten sind aufgrund der fortgeschrittenen körperlichen Einschränkungen der Bewohner kaum noch möglich. 

Anke Dahlhaus wünscht sich daher ein Umdenken: Der von der Politik eingeschlagene Kurs „Ambulant vor stationär“ sei nur bei einem intakten familiären Hintergrund sinnvoll. „Der Blick auf soziale Kontakte fehlt mir“, sagte Anke Dahlhaus. 

Der Besuch von SPD-Bundestagskandidatin Nezahat Baradari kam ihr daher recht: Die Attendorner Kinder- und Jugendärztin will sich (bei entsprechendem Wahlausgang) verstärkt um den Gesundheitsbereich kümmern. Und sie war erstaunt, wie gut das Herscheider Seniorenzentrum aufgestellt ist. 

Bei einem Rundgang über die zwei Wohnbereiche, auf denen insgesamt 60 Senioren wohnen, lernte sie die individuell gestalteten Aufenthaltsbereiche und die modern eingerichteten Bäder kennen. Dank der Hilfe des Förderkreises konnten besondere Geräte wie eine Wellness-Badewanne, ein Gerät für Farblichttherapie und ein Wasserbett für therapeutische Anwendungen angeschafft werden. 

Besondere Beachtung fand die papierlose Pflegedokumentation: Anke Dahlhaus berichtete von dem Prozess der Entbürokratisierung, der mit einer aufwendigen Umstellung auf Computerbasis einherging. Von der Einnahme des Frühstücks über das Waschen bis hin zu anderen Hilfestellungen: Früher mussten die Pflegekräfte sämtliche Arbeitsschritte pro Bewohner aufschreiben. 

Heute werden in einem Gespräch mit Bewohner und Angehörigen pflegerische Leistungen festgeschrieben, die täglich durchgeführt werden. Die Pflegekräfte müssen nur noch Hilfestellungen notieren, die von diesen individuellen Standards abweichen. Das verringert die Schreibarbeit und verschafft den Mitarbeitern mehr Zeit im Umgang mit den Senioren. 

Sorge bereitet Einrichtungsleiterin Anke Dahlhaus die personelle Entwicklung der Branche. Fachkräfte seien bereits jetzt Mangelware, weshalb das Herscheider Seniorenzentrum verstärkt auf Ausbildung setzt (derzeit neun Azubis). Doch die von der Bundesregierung auf den Weg gebrachte generalistische Pflegeausbildung bereitet Anke Dahlhaus Kopfzerbrechen. 

Die Ausbildung soll so aufgeteilt werden, dass sich die Azubis erst nach zwei Jahren entscheiden, ob ihr Arbeitsschwerpunkt in der Krankenpflege, der Kinderpflege oder der Altenpflege liegt. „In der Praxis finde ich das schwierig“, sagte Anke Dahlhaus. 

Bundestagskandidatin Nezahat Baradari versuchte sie zu beruhigen: Es sei das erklärte Ziel der Politik, die Bezahlung von Kranken- und Altenpflege einander anzugleichen. Das soll die (bisher aus finanzieller Sicht) niedriger gestufte Altenpflege auch für junge Menschen attraktiver machen und dafür sorgen, dass auch das Herscheider Seniorenzentrum weiter ausreichend „Nachwuchs“ erhält.

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