Ein Sparkassen-Überfall und seine Folgen

Wunden, die niemals heilen

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Die Polizei eilte am 24. April 2008 zur Herscheider Sparkasse.

Herscheid - Zehn Jahre nach dem bewaffneten Überfall auf die Sparkasse Herscheid wurde der Täter jetzt zu einer 13-jährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Der 45-jährige Familienvater aus dem Siegerland soll insgesamt 20 Taten verübt haben. Auf die Schicksale seiner Opfer nahm er keine Rücksicht.

Thomas Meermann, Sprecher der Sparkasse Lüdenscheid, weiß aus seiner langjährigen Berufserfahrung, dass derartige Überfälle bei Mitarbeitern traumatische Spuren hinterlassen können. „Es gibt Kollegen, die nach einem solchen Vorfall nicht mehr in das Berufsleben zurückkehren können“, sagt Meermann, der aus Rücksicht auf die betroffenen Personen nicht auf einzelne Taten eingehen möchte. 

Bei der Sparkasse gebe es für diese Fälle ein Eingliederungsmanagement. Dieses begleite und betreue Mitarbeiter nach langen Ausfallzeiten beim Wiedereinstieg, erklärt Meermann. Die psychologische Vorgehensweise falle dabei ganz unterschiedlich aus, weil jeder der Betroffenen einen eigenen Weg finden muss, mit dem Erlebten umzugehen. 

Die Sparkassen-Mitarbeiter und Kunden, die am Vormittag des 24. April 2008 in der Herscheider Filiale waren, werden die damaligen Szenen vermutlich nie vergessen: Ein vermummter Mann erpresste unter Vorhalt einer Schusswaffe Bargeld. Mit seiner Beute (5 000 Euro) im Jutebeutel flüchtete er unerkannt und zu Fuß in Richtung Apostelkirche. Die von der Polizei eingeleitete Suche verlief ergebnislos. 

Dass der Mann jetzt, zehn Jahre später, dank einer länderübergreifenden Ermittlungsarbeit der Polizei dingfest gemacht werden konnte, ist für die über 100 Tatopfer seiner Überfälle vermutlich nur ein schwacher Trost – wenn überhaupt. Einige von ihnen leiden noch heute an Panikattacken und Angststörungen. „Das sind Wunden, die sie ein Leben lang begleiten werden“, weiß auch der Lüdenscheider Sparkassen-Sprecher.

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