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 „Sparen, wo es eben geht“: Harte Zeiten für die Gastronomie

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Von: Nina Scholle

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Lebensmittel, Strom, Gas (zum Heizen und zum Kochen): Die gestiegenen Preise müssen die Gastwirte an ihre Kunden weitergeben. Ansonsten „bleibt man auf der Strecke“, bedauert Caroline Vedder.
Lebensmittel, Strom, Gas (zum Heizen und zum Kochen): Die gestiegenen Preise müssen die Gastwirte an ihre Kunden weitergeben. Ansonsten „bleibt man auf der Strecke“, bedauert Caroline Vedder. © Frank Rumpenhorst / DPA

Vom sprichwörtlichen Regen in die Traufe kommen: So muss es sich für Hotel- und Gaststättentreibende derzeit anfühlen. Erst sorgte die Corona-Pandemie für Lockdown und Beschränkungen, jetzt schlägt die Energiekrise voll zu – vom andauernden Personalmangel ganz zu schweigen. Wie geht man in Herscheid mit der Situation um? Unsere Zeitung hat im Café-Restaurant Vedder und im Jagdhaus Weber nachgefragt.

Herscheid - „Sparen, wo man kann“, sagt Reinhard Vedder vom gleichnamigen Café-Restaurant in Nieder-Holte. Das bedeutet zum Beispiel: „Auf LED-Leuchten umstellen, wo es geht.“ Ausgeschaltet bleiben wird in diesem Jahr die Weihnachtsbeleuchtung am Haus mit rund 100 Glühbirnen. Auf Dauer soll es jedoch nicht unbeleuchtet bleiben: „Wir werden uns im nächsten Jahr etwas Neues überlegen, wie man das handhabt“, erklärt Caroline Vedder; dann aber statt Glühbirnen mit LEDs, in welcher Form stehe noch nicht fest.

„Wir haben das große Glück, dass wir noch mit Holz heizen können“, sagt Reinhard Vedder, Scheune und Holzbunker seien voll. „Im Moment heizen wir nur mit Holz“, ergänzt seine Frau und bezieht sich damit auf das alte Wohnhaus. Wenn das Holz abgebrannt sei, springe automatisch die Gasheizung an: „Da muss keiner frieren“, versichert Caroline Vedder. „Sparen, wo es eben geht – aber nicht so, dass wir nächste Woche alle erkältet sind.“

Raummiete für Versammlungen?

Während es in der „alten Wirtschaft“, dem Herzstück des Café-Restaurants, dank des Kamins angenehm warm ist, kann diese Wärme nur bedingt den großen Gesellschaftsraum im Anbau erreichen. Im Normalbetrieb lohnt das Heizen dort nicht, darum ist der rund 100 Quadratmeter große Raum geschlossen.

Anders sieht das natürlich bei Feiern und Versammlungen aus, doch Caroline Vedder schränkt ein: Versammlungen, bei denen nichts gegessen werde, werden so nicht mehr gehen. Da müsse man über eine Raummiete nachdenken.

Mit vereinten Kräften wollen Caroline und Reinhard Vedder die neuen Herausforderungen meistern.
Mit vereinten Kräften wollen Caroline und Reinhard Vedder die neuen Herausforderungen meistern. © Nina Scholle

Neben dem Café-Restaurant betreiben Vedders auch einige Ferienwohnungen. Diese wurden in diesem Jahr mit Smarthome ausgestattet. Das bedeutet: Ist das Fenster geöffnet, stellt sich die Heizung darunter automatisch ab. Früher sei es häufig vorgekommen, dass Gäste die Heizung voll aufdrehten und das Fenster offen ließen; das sei mit dem neuen System nicht mehr möglich, erklärt Reinhard Vedder. In den Ferienwohnungen werde teilweise mit Gas, teilweise mit Öl geheizt; Kaminöfen sind aber auch vorhanden, denn viele Gäste schätzen die „wohlige Wärme“.

Neben den Strom- und Energiekosten seien auch die Preise für Lebensmittel in den letzten Monaten stetig gestiegen. Bereits im Frühjahr haben Vedders die Preise für Speisen anpassen müssen, was von den Gästen aber „gut akzeptiert“ wurde; auch die Preise der Ferienwohnungen haben sie „angleichen müssen“.

„Wenn man es nicht weitergibt, bleibt man auf der Strecke“, sagt Caroline Vedder. Ihr sei es aber wichtig, dass die Preise gerechtfertigt sind und „nicht übermäßig einfach draufkloppen“, betont die Gastronomin.

Im Moment müsse man sich mit vielen kleinen Problemen herumschlagen: „Denkt man, das eine ist weg, kommt das nächste“, so Reinhard Vedder. Zumachen sei aber „keine Option“, sagt Caroline Vedder. Dem stimmt auch Reinhard zu und ergänzt optimistisch: „Alles andere kriegen wir gehandhabt.“

In vielen Schritten den Stromverbrauch senken

Auch im Jagdhaus Weber muss man mit den gestiegenen Kosten umgehen. „Die Preise sind explodiert“, klagt Inhaber Harald Weber. „Man überlege überall: Was kann man sparen?“ So wurde die Außenbeleuchtung bereits im letzten Winter komplett auf LED umgestellt und auch im Innenbereich erfolge der Wechsel sukzessive. Immer wenn irgendwo eine Birne kaputt gehe, werde sie durch LED ersetzt, so Weber.

Als vor Kurzem die alte Wäschemangel den Geist aufgab, musste auch diese ersetzt werden. Das war natürlich mit Kosten verbunden, doch läuft die neue nun mit 50 Prozent Stromersparnis gegenüber der alten. „Wir konnten den Stromverbrauch deutlich senken“, berichtet Weber. Nicht nur durch den Austausch von sogenannten Stromfressern, auch durch einen Anbieterwechsel und beispielsweise „bewusstes Kochen“. „Da muss man auch schon mal Energiemanagement am Ofen betreiben.“

Inhaber Harald Weber freut sich über eine gute Belegung in seinem Jagdhaus.
Inhaber Harald Weber freut sich über eine gute Belegung in seinem Jagdhaus. © Nina Scholle

Froh ist Weber, dass im Jagdhaus mit Öl statt mit Gas geheizt wird. Zwar sind die Preise auch beim Öl gestiegen, doch nicht so durch die Decke geschossen, wie beim Gas. Da das Jagdhaus aus zwei Häusern besteht, die getrennt voneinander beheizbar sind, wäre es theoretisch möglich, das eine Haus stillzulegen und nur das andere normal zu betreiben, erzählt Weber. Bei der derzeit „sehr guten Belegung“ mache dies aber momentan keinen Sinn. Lediglich der Veranstaltungsraum und andere ungenutzte Zimmer werden nur bei Bedarf auf Wohlfühltemperatur geheizt.

Hotelgäste, die die Heizung auf Fünf drehen und gleichzeitig das Fenster aufreißen, kennt auch Weber und kann über dieses Verhalten nur verständnislos den Kopf schütteln.

Restaurant nur für Hotelgäste geöffnet

Zu Beginn der Coronapandemie sei es sehr ruhig gewesen. Doch nachdem die Hotels zumindest für Geschäftsreisende und Montagearbeiter wieder geöffnet werden durften, sei es stetig bergauf gegangen, bis fast zur Vollbelegung. Geblieben ist, dass das Restaurant nur für Hotelgäste geöffnet ist; Weber sieht es als „Serviceleistung für Hotelgäste an“.

Steigende Preise für Strom und Energie und zudem die Erhöhung des Mindestlohns: „Man kann gar nicht anders handeln, als die Kosten weiterzugeben“, sagt Harald Weber. Doch auch im Rebliner Jagdhaus setzt man auf Verhältnismäßigkeit: Die Preise seien „ein bisschen angepasst“ worden. Ansonsten werde auch hier darauf geschaut, wie man die Balance zwischen Kostensenkung und Service findet.

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