Verändertes Kundenverhalten

Die Lage im Einzelhandel: Wer behält da noch den Durchblick?

Der Kundenzuspruch im Lottogeschäft Panne ist ungebrochen – bei Mitarbeiterin Hanka
Lebus kommt keine Langeweile auf.
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Der Kundenzuspruch im Lottogeschäft Panne ist ungebrochen – bei Mitarbeiterin Hanka Lebus kommt keine Langeweile auf.

Auf die angenehme Frühlingssonne am Freitagnachmittag folgt der Schmuddelsamstag. Genau so unterschiedlich wie das Wetter am Wochenende, sind die Gefühlswelten der Herscheider Einzelhändler. Ab dem 29. März müssen sie die neue Corona-Verordnung des Landes NRW beachten. Doch wie wirkt sich diese in den Geschäften vor Ort aus?

Herscheid - Um diese Frage zu beantworten, besuchen wir genau die drei Händler, die wir bereits wenige Tage vor Weihnachten aufgesucht haben. Sie schildern uns ihre Erfahrungen der letzten Wochen: Aus ihren Kontakten mit den Kunden lässt sich erahnen, wie die Stimmung in der Gemeinde ist.

Schuhhaus Schöttler

„Ich denke, dass wir ab Montag wieder schließen müssen“, sagt Karin Schröder. So richtig sicher ist sich die Inhaberin des Schuhhauses Schöttler aber nicht. Bei den wechselnden Meldungen der Bundes- und Landesregierung sei es schwierig, den Überblick zu bewahren. Und die Versuche, telefonische Auskunft im Rathaus einzuholen, seien ebenfalls nicht von Erfolg gekrönt gewesen. Was bleibt, ist daher große Verunsicherung – bei der Händlerin, aber auch bei ihren Kunden.

Die haben sich nach der Wiedereröffnung zu Beginn dieses Monats darüber gefreut, nach vorheriger Terminabsprache Schuhe im Geschäft auszusuchen, anzuprobieren und bei Gefallen auch zu kaufen. „Wir hatten richtig gut zu tun“, erzählt Karin Schröder. An einen solchen Betrieb hätte sie sich gewöhnen können, doch nun droht – wie schon kurz vor Weihnachten – die nächste Corona-Zwangspause.

Sind nach drei Wochen schon wieder keine Kundenbesuche mehr im Schuhhaus Schöttler möglich? Inhaberin Karin Schröder war sich nicht sicher.

Im Improvisieren ist Karin Schröder mittlerweile erprobt: Sollte sie keine Kunden mehr in ihrem Laden empfangen können, würde sie wieder auf Außer-HausVerkauf setzen; auch die Annahme von Mangelwäsche und Wäsche für die Reinigung (nach telefonischer Absprache) möchte sie beibehalten. Irgendwie müsse es ja schließlich weitergehen, meint die Herscheiderin.

Eine Aussage, die sie auch auf die allgemeine Corona-Situation bezieht. Trotz der Einschränkungen für ihr Geschäft hegt sie keinen Groll auf die Politik, sondern bringt Verständnis für die ungewöhnlichen Umstände auf. „Diesen Job möchte ich im Moment auch nicht machen“, sagt die Inhaberin.

Brillen Boutique Becker

Keine Test-Pflicht, keine Terminabsprache: „Bei uns ist alles beim Alten“, sagt Markus Weißbach. Seine Filiale der Brillen Boutique Becker gehörte von Beginn der Pandemie an zu den systemrelevanten Betrieb und musste nicht schließen. Der Kundenzuspruch falle immer unterschiedlich aus; der Inhaber spricht von einem Auf und Ab.

Immerhin: In den letzten Wochen konnte Markus Weißbach einen für ihn erfreulichen Trend erkennen: Kunden, die sonst vermutlich in größere Städte oder Einkaufszentren in der Umgebung gefahren wären, entziehen sich dem Rummel dort und besinnen sich auf die Angebote vor Ort. Unter den Lockerungen und Öffnungen anderer Einzelhandelsgeschäfte Anfang März habe der Zulauf nicht gelitten; zudem sei das Verhalten der Kunden sehr diszipliniert.

Markus Weißbach freut sich, dass viele Menschen verstärkt kleinere Läden nutzen.

Auffällig sei die Verunsicherung in großen Teilen der Besucherschaft. Gut neun von zehn Kunden erkundigen sich telefonisch, welche Schutzvorgaben sie in der Boutique einhalten müssen. Den Durchblick zu bewahren sei zurzeit nicht leicht, doch Markus Weißbach versichert: „Dabei können wir mit unseren Brillen ja helfen.“ 

Lotto Panne

Von Montag bis Donnerstag am Nachmittag geschlossen – diese seit Jahresbeginn geltende Regelung im Lottogeschäft basiert nicht auf dem Lockdown. „Wir haben einen personellen Engpass und suchen dringend neue Mitarbeiter“, erklärt Inhaberin Eveline Panne.

Sie spricht erstaunlich entspannt; die politischen Wirrungen der letzten Tage können sie nicht aus der Ruhe bringen. „Das ist für alle eine schwierige Situation“, sagt die Herscheiderin, die sich freut, dass in ihrem Geschäft weiter reger Kundenverkehr herrscht. Vor Ostern profitiere sie von ihrer Auswahl an Geschenkideen.

Dennoch bemerkt auch Eveline Panne ein geändertes Verhalten ihrer Besucher: Ältere Personen kommen seltener vorbei. Und an der Lottoannahmestelle werden vermehrt mehrwöchige Spielscheine abgegeben, um die Taktung der Besucher zu entzerren. Weil der Verkauf von Tageszeitungen zu ihrem Sortiment zählt, braucht sie eine Schließung nicht zu fürchten, auch nicht bedingt durch die ab Montag gültige neue Schutzverordnung des Landes. Jedoch hofft sie, dass ihrem Geschäft zukünftig Einschränkungen erspart bleiben: „Einen Termin zu vereinbaren, um eine Zeitung oder eine Schachtel Zigaretten zu kaufen, das würde keinen Sinn machen“, meint Eveline Panne. 

Zum Vergleich: So sah die Situation in diesen drei Herscheider Geschäften kurz vor Weihnachten aus.

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