Mit selbstfinanzierter Imagekampagne wollen Bauern Vertrauen zurückgewinnen

Landwirte setzen ein Zeichen

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Vor allem die Nutztierhalter stehen öffentlich in der Kritik – zu Unrecht, meint Kreislandwirt Dirk Voss. Er will den Bürgern mit mehr Öffentlichkeitsarbeit ein besseres Bild seines Arbeitsalltags vermitteln.

HERSCHEID - Schwankende Erzeugerpreise und verschärfte Auflagen bereiten den Landwirten Kopfzerbrechen. Doch ihr aktuell größtes Problem scheint die sinkende Akzeptanz in der Bevölkerung zu sein.

„Die Kritik ist vor allem für die Nutztierhaltung zu einer Bedrohung geworden“, stellte Ludwig Krämer fest. Der Geschäftsführer des landwirtschaftlichen Kreisverbandes erklärte bei der Winterversammlung in Schürmanns Landgasthaus eine Gegeninitiative vor: Die Bauern setzen auf verstärkte Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit. 

Um sich gegen finanzstarke Kritiker wie Greenpeace oder Peta positionieren zu können, plant der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband die Gründung einer neuen Gesellschaft gemeinsam mit dem heimischen Raiffeisenverband. Über die genossenschaftlichen Mischfutterwerke soll ein Bauerngeld eingesammelt werden; dieses soll dafür genutzt werden, um Imagewerbung für die Tierhaltung und die Bauernfamilien produzieren zu lassen. „Im Zentrum steht das verantwortungsvolle Handeln der Tierhalter“, betonte Ludwig Kramer. 

Diese Aktion scheint auch aus Sicht der heimischen Landwirte höchste Priorität zu haben. „Das muss funktionieren“, meinte Kreislandwirt Dirk Voss. Er schwor seine Berufskollegen ein, dieses wichtige Zeichen von der Basis mitzutragen, auch wenn vor allem die Nutztierhalter durch den Kauf von Mischfutter dafür aufkommen müssten. „Wir brauchen die Akzeptanz in der Bevölkerung“, betonte der Herscheider. Zwar stellten einzelne Besucher der Versammlung die Finanzierung infrage; über die grundsätzliche Notwendigkeit der Kampagne herrschte hingegen Einigkeit. 

Von einer kurzfristigen Entlastung konnte Günter Buttighoffer berichten: Der Vorsitzende des landwirtschaftlichen Kreisverbandes meinte damit das zwischenzeitliche Ansteigen der Erzeugerpreise. „Die Löcher der letzten beiden Jahren konnten aber nicht gestopft werden“, bedauerte Buttighoffer. Zumal der Milchpreis nach einem kurzen Hoch aktuell wieder in Richtung 35 Cent pro Liter tendiere. Die Preise für Schweinefleisch befinden sich bereits „im freien Fall“. Greife die afrikanische Schweinepest auch auf Deutschland über, sei mit einer Katastrophe zu rechnen, sagte Buttighoffer. 

Nicht nur deshalb sei der Ausblick auf das Jahr 2018 mit einigen Fragezeichen versehen. Die Anlagenverordnung zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen und die Düngeverordnung würden die Arbeit der Landwirte erschweren; beide Neuerungen wurden bei der über dreistündigen Sitzung in Schürmanns Landgasthaus ausführlich erklärt. 

Angesichts dieser Entwicklungen war die Stimmung bei der Winterversammlung auffällig gut. Die Hoffnungen der Landwirte beruhen nicht nur auf der Imagekampagne, sondern auch auf der Politik: Mehr Rückendeckung erhoffen sie sich von der neuen NRW-Landwirtschaftsministerin Christina Schulze Föcking, der Ende August bereits zu Gast war auf dem Hof Voss in Friedlin.

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