1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Herscheid

Selbst ist der Koch: Einblicke in die polnische Küche

Erstellt:

Von: Nina Scholle

Kommentare

Die Teilnehmer hatten sichtlich Freude an der Zubereitung der gefüllten Teigtaschen namens Piroggen.
Die Teilnehmer hatten sichtlich Freude an der Zubereitung der gefüllten Teigtaschen namens Piroggen. © Nina Scholle

„Richtig kochen“ können hierzulande immer weniger Leute, denn Fertiggerichte haben mit Kochen kaum etwas zu tun. Wie man klassische polnische Gerichte zubereitet, erfuhren die Teilnehmer des Kochkurses des SGV von Roman Draß, der selbst zwar kein ausgebildeter Koch ist, jedoch allerhand von der Materie versteht.

Herscheid - Mit Anfang 20 kam Draß nach Deutschland. Zuhause in Schlesien habe er „nichts gemacht“, da waren die Mutter und Großmutter fürs Kochen zuständig. „Aber ich musste mich irgendwie ernähren. Das kam so nach und nach und dabei habe ich Spaß dran gekriegt.“ Heute entwickle er die Saucen sogar selbst, „manchmal im Minutentempo“, berichtete Draß und fügte lächelnd hinzu: „Ich habe mir in den 40 Jahren viele Tricks beigebracht.“

Aus der Not eine Tugend machen – das trifft wohl auf Draß und seine Kochkünste zu. Ehefrau Lucyna, die bei seinem Kurs unterstützend zur Seite stand, ist begeistert von den Fertigkeiten ihres Mannes, zum Beispiel beim Würzen: „Ich habe immer das Gefühl, ich mache zu viel oder zu wenig dran. Aber er macht das genau richtig.“ Entsprechend überlässt sie ihm zuhause gerne die Arbeit in der Küche; besonders bei aufwendigen Gerichten. Zudem verriet sie, dass im Hause Draß durchaus international gekocht werde; besonders Romans selbstgemachte Nudeln seien „sehr gut“, schwärmte Lucyna, sogar „besser als beim Italiener“.

Das kommt nicht von ungefähr, denn Roman erzählte, dass er bereits an mehreren Italienischkochkursen teilgenommen habe. Und so wunderte es nicht, dass er ein besonders kritisches Auge auf die Teigzubereitung für die Piroggen warf, die unter anderem auf dem Kochplan standen; der erste Versuch seiner Kursteilnehmer behagte ihm nicht wirklich.

„Ich musste mich irgendwie ernähren. Das kam so nach und nach und dabei habe ich Spaß dran gekriegt“, so beschreibt Roman Draß seinen Weg zum Kochen.
„Ich musste mich irgendwie ernähren. Das kam so nach und nach und dabei habe ich Spaß dran gekriegt“, so beschreibt Roman Draß seinen Weg zum Kochen. © Nina Scholle

Selbst ist der Mann! Roman Draß gab Mehl, warmes Wasser und Öl in den Thermomix, ließ diesen kurze Zeit die drei Komponenten verkneten, bevor er die krümelige Masse selbst von Hand zu einem glatten Teig verarbeitete. Mit geschickten Händen gab er den Teig portionsweise in die Nudelmaschine und ließ ihn in mehreren Durchgängen plattwalzen.

Die Kursteilnehmer schauten beeindruckt zu. „Das ist so viel Arbeit, Roman, das mache ich zuhause nicht“, sagte eine Teilnehmerin. Doch Draß konnte darüber nur lächeln: „Das mache ich zwischendurch!“

Nachdem der Teig dünn genug war, wurden Kreise ausgestochen, diese befüllt und als kleine Taschen verschlossen. Die Taschen sollen ruhig prall gefüllt sein, damit man später nicht nur Teig schmecke, erklärte Draß. „Das ist Übungssache. Man muss es ein paar Mal gemacht haben.“

Neben den Piroggen, wurden auch „Suppe Zur“, „Bigos“ sowie eine „schlesische Zitronenspeise“ zubereitet. Beim anschließenden gemeinsamen Essen war ein jeder hellauf begeistert. Vielstimmige „Hm!“s und „Ah!“s erklangen – mehr kann man sich als Koch wohl kaum wünschen.

Erst der Teig, dann die Füllung – und dann beides vereinen: So gelingen Piroggen

Zutaten für den Teig: 350 Gramm Mehl, eine zu drei Vierteln mit sehr warmem Wasser gefüllt Tasse, ein Esslöffel Öl. Zubereitung Teig: Mehl, Wasser und Öl in eine große Schüssel geben und zu einem glatten Teig verkneten. Zutaten Füllung: 500 Gramm gebratenes Fleisch (mindestens zwei verschiedene Sorten), zwei Zwiebeln, 2 Knoblauchzehen, ein bis zwei Eier, ein Esslöffel Butter, getrocknete Pilze, Salz, Pfeffer. Zubereitung Füllung: Fleisch, eine Zwiebel und Knoblauch durch den Fleischwolf drehen. Eine Zwiebel feinhacken und in Butter goldig rösten. Die getrockneten Pilze kochen, durch ein Sieb passieren und in kleine Stücke hacken. Das Pilzwasser nicht weggießen, da es zum Mischen der Füllung nützlich sein kann. Alle Komponenten in eine Schüssel geben, Eier dazu geben, verrühren und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Das Zusammenführen: Den Teig auf einer Arbeitsfläche dünn ausrollen und mit einem Glas Kreise ausstechen (Durchmesser fünf bis acht Zentimeter). In der Mitte eines jeden Teigkreises einen gehäuften Teelöffel Füllung geben, dann die Ränder sorgfältig andrücken. Aufpassen, dass die Füllung nicht an die Ränder kommt. Die Piroggen in reichlich siedendem Wasser in einem Topf kochen, vorsichtig umrühren und wenn sie an der Oberfläche schwimmen, noch zwei bis drei Minuten kochen lassen. Anschließend die Piroggen herausnehmen. Zum Begießen: Geräucherten Speck und Zwiebeln in kleine Stückchen schneiden und anschließend in Butter anbraten. Über die Piroggen geben, servieren. Tipp: Die kalten Piroggen kann man in Butter oder Schmalz anbraten.

Auch interessant

Kommentare