„Zum Vereinsleben gehört auch Sozialleben“

Segelflugzeuge bleiben am Boden: Die Fliegergruppe und Corona

Daniel Gärtner (links) und Markus Krummenerl von der Fliegergruppe Plettenberg-Herscheid: Ihr Verein habe die Coronazeit gut überstanden, auch wenn die Einschränkungen die Mitglieder natürlich auch „getroffen“ hätten.
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Daniel Gärtner (links) und Markus Krummenerl von der Fliegergruppe Plettenberg-Herscheid: Ihr Verein habe die Coronazeit gut überstanden, auch wenn die Einschränkungen die Mitglieder natürlich auch „getroffen“ hätten.

Corona hat das Vereinsleben nahezu zum Erliegen gebracht: Schützenfeste sind ausgefallen, Trainingsstunden konnten nicht absolviert werden. Die ohnehin mit Nachwuchssorgen zu kämpfenden Vereine sehen einer ungewissen Zukunft entgegen. Doch wie sieht es in den heimischen Vereinen konkret aus? Wie erging es beispielsweise der Fliegergruppe Plettenberg-Herscheid? Hat sie die Coronaeinschränkungen überhaupt zu spüren bekommen? Einen Piloten, der allein in seinem Flugzeug sitzt und fliegt, betreffen die Coronamaßnahmen doch gar nicht. Oder doch?

Herscheid - Insgesamt hat die Fliegergruppe die Coronazeit „ganz gut“ überstanden, sind sich Daniel Gärtner, 1. Vorsitzender des Vereins, und Pressereferent Markus Krummenerl einig. Allerdings: „Zum Vereinsleben gehört auch ein Sozialleben. Das war natürlich gestört.“ So sei das im September 2019 fertiggestellte neue Vereinsheim bis heute noch nicht richtig genutzt worden. Die letztjährige Mitgliederversammlung fand coronabedingt unter freiem Himmel statt; gemeinsame Abende nach ereignisreichen Flugtagen habe es nicht gegeben.

Kein Segelfliegen

Einzelne Piloten seien schon geflogen, erzählt Gärtner, jedoch nur mit dem Motorflugzeug. Das Fliegen mit dem Segelflugzeug sei unter Coronabedingungen hingegen nicht möglich gewesen. „Gerade Segelfliegen lebt von der Gemeinschaft und „ist immer Teamwork“, sagen Gärtner und Krummenerl. Anders als beim Motorfliegen könne sich der Pilot eines Segelfliegers nicht einfach in sein Flugzeug setzen und starten.

Jedes Segelflugzeug sei beim Start auf fremde Hilfe angewiesen, damit es auf eine gewisse Ausgangshöhe gebracht wird, bevor es selbstständig weiterfliegen könne. Das bedeute, dass immer mehrere Personen am Werk seien; in Zeiten von Corona, in denen Abstand halten und Hygienemaßnahmen großgeschrieben werden, ein Ding der Unmöglichkeit. „Das hat uns wirklich getroffen“, zumal nicht nur ausgebildete Piloten am Boden hätten bleiben müssen. Vor allem auch der Schulungsbetrieb habe brach gelegen. Erst seit einem Monat könne am Habbel wieder ausgebildet werden.

Traditionelles Fliegerlager

Vom 17. Juli bis 1. August findet auf dem Flugplatz Habbel das traditionelle Fliegerlagerstatt. Eigentlich wäre man in diesem Jahr nach Leibertingen gefahren, doch coronabedingt ist man in der Heimat geblieben. Etwas Besonderes wird es trotzdem sein: Denn während am Habbel normalerweise nur an den Wochenenden Flugbetrieb herrscht, wird in der Zeit des Fliegerlagers jeden Tag geflogen – auch unter der Woche. Für die Flugschüler bedeutet das: „volle Pulle Ausbildung“. Interessant könnte es auch für neugierige Zuschauer werden, denn Gärtner lässt durchblicken: „Mit ein bisschen Glück wird auch Kunstflug geboten.“

Allerdings hat die Fliegergruppe aus der Not eine Tugend gemacht: Der 50 Jahre alte Ausbildungsdoppelsitzer wurde generalüberholt und erstrahlt nun in neuem Glanz. Bei normalem Betrieb hätte man nur schwer so lange Zeit auf die Maschine verzichten können. Zwar gibt es ein zweites Schulungsflugzeug, doch besonders bei gutem Wetter „scharrt jeder mit den Hufen“ und könne es kaum erwarten, abzuheben, weiß Krummenerl zu berichten.

Eine Frage der Lizenz

Ein großes Problem seien die zu absolvierenden Flugstunden gewesen. „Wir müssen fliegen, sonst wird die Lizenz ungültig“, sagt Gärtner. Der Gesetzgeber schreibt zwölf Flugstunden sowie zwölf Starts und Landungen innerhalb von zwölf Monaten vor Ablauf der Berechtigung vor. In diesen zwölf Flugstunden müsse eine Stunde Übungsflug mit einem Fluglehrer enthalten sein. Glücklicherweise seien die Ablauffristen aufgrund der Coronasituation verlängert worden, sodass niemand im Verein seine Fluglizenz verloren habe.

Ein paar Mitglieder habe die Fliegergruppe im vergangenen Jahr zwar verloren, das sei jedoch kaum auf Corona zurückzuführen, ist sich Gärtner sicher; Fluktuation habe es schließlich immer schon gegeben.

Man leide ein bisschen am Rückgang von Aktivitäten, so Krummenerl, doch das sei klagen auf hohen Niveau. Wahrscheinlich sei mehr Betrieb auf dem Flugplatz möglich gewesen, doch zum einen hätte man sich immer rückversichern müssen, welche Regelungen gerade aktuell seien, wobei häufig niemand so recht habe Auskunft geben können. Zum anderen habe man aus Solidarität mit anderen Vereinen darauf verzichtet.

„Faszination erleben“

Der Blick soll jetzt nach vorne gehen: Gärtner und Krummenerl hoffen, dass sich die Situation normalisiere, sodass beispielsweise Schnuppertage wieder stattfinden können. „Bei uns lebt es davon, die Faszination Fliegen zu erleben“ – das bedeute: Sowohl den Flugzeugen bei Start und Landung zuzusehen, als auch selbst einmal mitzufliegen. So grenzenlos wie Reinhard Mey sie besungen hat sei die Freiheit über den Wolken zwar nicht mehr, sagt Gärtner, aber „man löst sich halt von der Erde“.

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