Extremes Spannungsfeld

Schwierige Suche nach Eweiterungsflächen für Industriebetriebe

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Voruntersuchungen für das Gewerbeflächenkonzept Märkischer Kreis sahen einen Suchraum „Friedlin-Süd“ vor.

Herscheid - Von einer schwierigen Entscheidung sprachen alle Beteiligten. Auf die Frage, an welcher Stelle in Herscheid (weitere) Industriebetriebe expandieren können, gab es im Bau- und Planungsausschuss keine eindeutige Antwort. „Nicht schon wieder vor unserer Haustür“, diese unmissverständliche Meinung vertreten die Anwohner Friedlins. 

Die wohnen ohnehin in direkter Nähe zum Industriegebiet, in dem die Flächenkapazitäten nahezu ausgereizt sind. Bei der Vermarktung des Neubaugebietes Hofwiesenweg habe man den dortigen Häuslebauern erst vor wenigen Jahren versprochen, dass ihnen keine weiteren Firmen vor die „Nase“ gesetzt werden. Bewohner des Schmiedeweges fürchten um den Wert ihrer Immobilien, die eine Art Spardose für das Alter sein sollen. 

Und Landwirt Dirk Voss bangt gar um seine Existenz, sollte das Industriegebiet auf Kosten von Wiesen- und Weidenflächen vergrößert werden. Die CDU Herscheid schlug sich auf die Seite der Anwohner und forderte die Gemeinde auf, bei der Suche nach zukünftigen Industrieflächen den Bereich Friedlin-Süd zu streichen und Friedlin-Nord nur mit der Begrenzung Sängerweg zu genehmigen. 

Wolfgang Vöpel (SPD) konnte dieser Meinung nur bedingt folgen: Er sprach von einem „extremen Spannungsfeld“. Was für Friedlin gelte, müsse auch in der Konsequenz für alle anderen Ortschaften gelten. Die Industrie ausschließlich auf ein neues Gebiet zwischen Hüinghausen und Plettenberg zu konzentrieren, sei für die dortigen Anwohner und Firmen auch von Nachteil. Auf Dauer könne man keinen Freibrief ausstellen, dass in Friedlin keine Firmen gebaut werden. 

Eine Ansicht, die naturgemäß für wenig Freude bei Dirk Voss (CDU) sorgte. „Friedlin würde zugebaut“, betonte er. Aufgrund der Topografie würden alle Anwohner auf ein südliches Industriegebiet schauen. „Warum wollen wir ein ganzes Dorf gegen uns aufwiegeln?“, fragte Voss, der einen Bau auf grüner Wiese ohnehin kritisch sieht, in die Runde. Alternative Flächen vor Ort gebe es allerdings kaum noch, gab Bauamtsleiter Lother Weber zu verstehen. 

Die oftmals angeführten Flächen im Tal der Weißen Ahe müssten aus Gründen des Wasserschutzes aus den Flächenreserven herausgenommen werden. Diese Flächen, die aktuell durch Industrieruinen verschandelt werden, können zukünftig nicht mehr gewerblich genutzt werden, zu streng sind die gesetzlichen Auflagen. 

Doch was ist mit den Betrieben, in denen noch produziert wird? Zumindest für die Firmen an der Reidemeisterstraße konnte Bürgermeister Uwe Schmalenbach beruhigen: Derzeit bestehe kein zusätzlicher Flächenbedarf, weder für Parkflächen, noch für neue Hallen. 

Langfristig werde den Firmen jedoch die Möglichkeit der Erweiterung genommen, für den Fall, dass die Fläche „Friedlin-Süd“ für Gewerbe versperrt bleibe. Anwohner, Firmen, Gemeindeverwaltung, Kommunalpolitik, Naturschützer – bei der Suche nach weiteren Industrieflächen stoßen viele Interessen aufeinander. Eine Lösung, mit der alle Seiten zufriedengestellt werden können, scheint nicht in Sicht zu sein.

Das Gewerbeflächenkonzept

Auslöser für die aktuelle Diskussion ist ein neues Gewerbeflächenkonzept für die heimische Region. Dieses ist vom Märkischen Kreis, von der Gesellschaft zur Wirtschaftsund Strukturförderung im Märkischen Kreis (GWS) und der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer erarbeitet worden. 

Ziel ist es, den Gewerbe- und Industriebetrieben Flächenpotentiale für betriebliche Ansiedlungen bzw. Erweiterungen anbieten zu können. Drei Suchräume wurden in Herscheid ermittelt: Ein neues, interkommunales Gebiet „Bahnhof Heide / Köbbinghausen-West“, sowie die Erweiterungen „Friedlin-Süd“ und „Friedlin-Nord“.

 Der Bauausschuss hat sich dafür ausgesprochen, das interkommunale Gebiet zu priorisieren, „Friedlin-Süd“ abzulehnen und „Friedlin-Nord“ zu begrenzen. Diese Empfehlung muss noch vom Gemeinderat in seiner Sitzung am kommenden Montag, 10. Juli, bestätigt werden. 

Dessen Entscheidung muss von der GWS bei der weiteren Untersuchung der Suchräume beachtet werden; das Konzept soll nach Absprache mit der Bezirksregierung Arnsberg in einen Regionalplan einfließen. Ob, wann und in welcher Form die Pläne umgesetzt werden, das unterliegt allerdings weiterhin der Planungshoheit der Gemeinde Herscheid.

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