Schuhhaus Schöttler behauptet sich auch in Zeiten der Digitalisierung

„Die Beratung ist das A und O“

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Karin Schröder und Heike Jäschke-Hohage setzen im Schuhhaus Schöttler auf Kundennähe. Auf möglichst großen Zuspruch hoffen sie am 7. November, wenn Päckchen für die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ gepackt werden.

Herscheid - Seit fast 70 Jahren existiert das Schuhhaus Schöttler in der Dorfmitte. Modisch stets am Puls der Zeit, bei der Nutzung von neuen Medien eher skeptisch – so lautet die Devise.

„Natürlich spüren wir die Konkurrenz durch das Internet“, spricht Inhaberin Karin Schröder von einem veränderten Kaufverhalten der Bürger. Auch sie habe bereits junge Eltern beraten, Füße von Kindern vermessen und am Ende verabschiedeten sich die Personen mit den Worten: „Jetzt wissen wir die Größe, dann können wir die Schuhe ja im Netz bestellen.“ 

Eine Einstellung, die an Dreistigkeit nicht zu überbieten ist – und die laut Karin Schröder in Herscheid glücklicherweise nicht zum Alltag gehört. „Wir haben uns über die Jahre einen sehr guten Kundenstamm aufgebaut“, betont die 64-Jährige. Dieser begrenze sich nicht ausschließlich auf die Ebbegemeinde: Auch Plettenberger, Meinerzhagener, Werdohler und Lüdenscheider kommen zum Schuhhaus Am Markt, obwohl es ringsherum wenig bis gar keine anderen Einkaufsmöglichkeiten gibt. 

Warum nehmen die Kunden also auch die weite Anreise in Kauf? „Die Beratung ist das A und O“, ist sich Karin Schröder sicher. Sie und ihre Mitarbeiterin Heike Jäschke-Hohage nehmen sich nicht nur Zeit, um das richtige Paar Schuhe zu finden. Auch Schuhaufweitung und Reparatur-Annahme gehören zum Service. 

Anhand der besagten Reparatur lasse sich der Wandel der Zeit erkennen: Die Eltern von Karin Schröder hatten im Jahr 1949 mit einer Werkstatt und kleinem Schuhverkauf begonnen. Mitte der 1950er Jahre waren drei Gesellen im Schuhhaus beschäftigt. 

„Es war keine Seltenheit, dass an Damenschuhen vier oder fünf Mal Absätze erneuert wurde, ehe das Paar aussortiert wurde“, erinnert sich Karin Schröder. Herstellung und Materialien haben sich über die Jahre geändert, aber auch die Ansprüche der Kunden: Schuhe haben heute eine längere Lebensdauer und werden dennoch früher von den Nutzern entsorgt. Eine eigene Werkstatt lohnt sich daher für das Schuhhaus nicht mehr: Einmal in der Woche fährt Karin Schröder zum Schuhmacher nach Plettenberg, um die Schuhe ihrer Kunden reparieren zu lassen. 

Als wichtigen Standortvorteil bewertet Karin Schröder die Parkplätze direkt vor ihrem Geschäft. „Die Leute wollen keine 200 Meter laufen, um in einen Laden zu kommen“, weiß die Herscheiderin. Mit Spannung wartet sie daher auf die Auswirkungen der Umgestaltung des Alten Schulplatzes, wo etliche Stellflächen entfallen sollen. 

Die Digitalisierung macht indes auch vor dem Schuhhaus Schöttler nicht Halt, das mit einer eigenen Homepage im weltweiten Netz vertreten ist. Diese nutzt Karin Schröder jedoch rein als Werbeplattform und Visitenkarte, nicht aber zum Verkauf. Ein Internet-Shop wäre viel zu aufwendig und würde nicht in die Philosophie des kleinen Geschäftes passen. 

Stattdessen wird die Kundennähe bei Aktionen wie dem Heimatshoppen oder zum Sommerschlussverkauf groß geschrieben. Neue Wege beschreitet Karin Schröder am 7. November: Erstmals wird zu einem gemeinsamen Päckchenabend anlässlich der Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ eingeladen. 

Karin Schröder, selbst zweifache Mutter, will damit in erster Linie Kindern in ärmeren Länden eine Freude bereiten. Andererseits beweist diese Aktion den Zusammenhalt im Dorf und die feste Zugehörigkeit des Schuhhauses zum Herscheider Ortskern.

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