Schützenfest Herscheid: Der letzte Scooter-Versuch?

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Herscheid - Die offizielle Kirmeseröffnung zum Start des Schützenfestes am Freitagnachmittag lockte nur wenige Besucher an und sorgte für nachdenkliche Gesichter.

„Unser Besuch in Herscheid ist ein Versuch“, meint Andreas Alexius. Der Schausteller aus Ennepetal blickt auf den leeren Schützenplatz und schüttelt mit dem Kopf. „Ob das noch was wird an diesem Wochenende?“, scheint er sich zu fragen, muss er sich fragen. Denn neben aller Freude an seinem Fahrgeschäft, dem „New Musik Scooter“, sind es in erster Linie die Zahlen, die für ihn von Interesse sind. Gemeinsam mit seinen beiden Mitarbeitern wird er das gesamte Wochenende auf dem Schützenplatz verbringen. Fixkosten wie Löhne und Anfahrt muss er bezahlen. Daher ist er auf gute Geschäfte und viele Mitfahrer angewiesen. Von Anfang März bis Ende Dezember ist der Schaustellerbetrieb der Gebrüder Alexius in ganz Nordrhein-Westfalen unterwegs Bereichert werden große und kleine Volksfeste.

In Herscheid sorgten die Schausteller bereits vor über 30 Jahren mit der großen Las Vegas-Losbude für Freude. Doch nicht nur aufgrund der guten Erinnerungen entschied sich Andreas Alexius dafür, die Anfrage aus der Ebbegemeinde anzunehmen. Ausschlaggebend war vor allem der Terminkalender: Am letzten Wochenende war er mit seinem Auto-Scooter in Sundern zu Gast. Auf der Rückreise macht er nun in der Ebbegemeinde Station. Doch der Auftakt schmeckt ihm überhaupt nicht: Wegen ausbleibender Besucher bleibt das Fahrgeschäft ungenutzt und das Verkaufshäuschen zunächst geschlossen. „Wo sind denn überhaupt die Schützen?“, fragt Alexius.

Nach gut einer halben Stunde erscheinen die ersten Fahrgäste. Zu ihnen zählen Königin Heike Jäschke und Prinzgemahl Heiko Hohage. Hinter ihnen liegt ein aufregendes Königsjahr. „Der Höhepunkt war für mich der Abschiedsfrühschoppen. Ich war überwältigt von der Resonanz“, erzählt die Königin, bevor sie im Auto-Scooter auf das Gaspedal drückt.

Wenige Meter entfernt steht der erwartungsfrohe Schützenvorstand. Den Beginn des Schützenfestes habe man sich auch etwas anders vorgestellt. „Für uns ist es vielleicht der letzte Versuch, einen Auto-Scooter nach Herscheid zu locken“, erklärt der zweite Vorsitzende Volker Halbhuber. Immer mehr Schausteller verlangen Gebühren, die der Herscheider Verein nicht bezahlen kann. Entsprechend froh zeigen sich die Schützen, an diesem Wochenende neben dem Auto-Scooter auch ein Kinderkarussell, eine Schießbude, eine Enten-Angelstation und Verpflegungsbuden aufbieten zu können. „Wir hoffen, dass dieses Angebot auch von den Herscheidern angenommen wird“, sagt Volker Halbhuber.

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