Bürgern weite Wege ersparen

Schadstoffmobil: Das Chemielabor stets an Bord

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Alle Dosen mit diesen Warnhinweisen können im Schadstoffmobil abgegeben werden, zeigt Chemielaborant Florian Georg.

Herscheid - Ulrich König und Florian Georg gehören einer seltenen „Spezies“ an: Die beiden Chemielaboranten sind sechs Tage in der Woche mit dem Schadstoffmobil unterwegs – ein Berufsbild, das in der Öffentlichkeit kaum bekannt ist. Jetzt waren sie in Herscheid.

Von Arsen bis Zyankali, die Bandbreite der Chemikalien, mit denen das Duo regelmäßig konfrontiert wird, ist groß. Ihr Fahrzeug darf wegen der explosiven Mischung während der Aufenthalte an den einzelnen Stationen nie unbeaufsichtigt sein. Schutzanzüge müssen die beiden Männer allerdings nicht permanent tragen, denn: „Wenn man stets die Vorschriften berücksichtigt, dann ist es ein ungefährlicher Job“, erzählt Florian Georg.

Während er und sein Kollege auf dem Parkplatz vor dem Sportplatz Müggenbruch auf neue „Kundschaft“ warten, erinnern sie sich an besondere Vorfälle, wie den in Breckerfeld. Gleich zu Beginn eines Termins sei dort vor einigen Jahren eine Frau gestolpert und habe einen Behälter mit Salzsäure verschüttet. Da auch Florian Georg getroffen wurde, musste er die Notdusche nutzen, die genau für solche Fälle im Schadstoffmobil eingerichtet ist.

„Diese Dusche habe ich auch nur dieses eine Mal nutzen müssen“, schildert Georg, der bereits seit elf Jahren mit dem Schadstoffmobil der Firma Lobbe Stationen im gesamten Märkischen Kreis ansteuert. Noch ein wenig mehr Berufserfahrung, nämlich 27 Jahre, hat Ulrich König. Ob ein Kofferraum, aus dem umgefallenes Altöl lief, oder merkwürdige Substanzen, die „bei Oma in der Garage“ entdeckt wurden: „Mich kann nichts mehr schocken“, sagt der Castrop-Rauxeler beim Gang durch das Schadstoffmobil. In diesem befinden sich Fässer und Kanister in unterschiedlichen Größen und für insgesamt 27 verschiedene Substanzen. Ein Behälter ist für Stoffe gedacht, die unterwegs nicht direkt zugeordnet werden können. Diese werden dann am Umschlagplatz in Iserlohn-Letmathe (dem täglichen Zielort des Duos) genauer untersucht und letztlich – genau wie die übrigen Schadstoffe – fachgerecht entsorgt.

Seit 27 Jahren ist das Schadstoffmobil der Arbeitsplatz von Ulrich König.

Die meisten Chemikalien erkennen König und Georg recht schnell. Besonders häufig werden Lackfarben, Lösungsmittel und Altöl gebracht. „Die Menge der abgegebenen Schadstoffe hat jedoch im Laufe der Jahre deutlich abgenommen“, sagt Ulrich König. Dies liege in erster Linie an neuen Bestimmungen und gesetzlichen Vorgaben. So ist etwa der Handel dazu verpflichtet, leere Batterien und Akkus kostenlos zurückzunehmen, Medikamente können über den Hausmüll entsorgt werden und Pflanzenschutzmittel werden kaum noch verkauft. Sorgen um die Zukunft macht sich Ulrich König deswegen nicht: „Eine Möglichkeit, Chemikalien zu entsorgen, muss es auch weiterhin geben.“ Dank des Schadstoffmobils bleiben den Anwohnern unnötig weite Wege erspart.

Rund 270 000 Kilometer hat das Fahrzeug nun bereits „auf dem Buckel“. Das Fahren mit diesem speziell ausgerüsteten Lkw, aber auch die abwechslungsreiche Tätigkeit im Umgang mit den Kunden sowie die Arbeit im Team – all das mache diesen Beruf so einzigartig. „Wir sind unabhängig und haben unser Labor immer an Bord“, meint Florian Georg.

Zudem sind beide Männer kerngesund und das obwohl beide zum Teil mit gefährlichen Stoffen hantieren. Regelmäßig werden die beiden Chemielaboranten nicht nur geschult, sondern auch ärztlich untersucht. Bei der letzten Kontrolle „waren meine Blutwerte bemerkenswert gut und das trotz des täglichen Umgangs mit Quecksilberdampflampen“, betont Ulrich König.

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