Geplant sind Personalaufstockung, Hallenzuwachs und längere Strecke

Kleinbahn auf der Überholspur

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Durch die Dämmung des Lokschuppens soll das Gleis 7 ganzjährig als Werkstatt genutzt werden. Arbeiten wie das Nieten von alten Fahrzeugen sind zurzeit noch eine Seltenheit, sollen dort demnächst aber regelmäßig stattfinden.

Herscheid – Rekordjahr, Auszeichnung, Streckenausbau und mehr: Die Märkische Museumseisenbahn erfährt aktuell einen bis dato noch nicht dagewesenen touristischen Aufwind. 

In der aktivsten Winterpause der 37-jährigen Vereinsgeschichte stellen die Mitglieder die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft als Zugpferd der märkischen Region.

Vereine sind in Nordrhein-Westfalen dazu in der Lage, ein Unternehmen zu gründen. Diesen Schritt wagt die Märkische Museumseisenbahn in doppelter Hinsicht. Der Vorsitzende Udo Feldhaus spricht von der Gründung eines Unternehmens für Infrastruktur und eines Verkehrsunternehmens für Eisenbahn. 

Neben strategischen Vorteilen bietet sich den Kleinbahnern dadurch ein personeller Vorteil: Sie haben bereits mit Benjamin Riedesel einen Lok- und Wagenschlosser fest eingestellt. Dabei soll es nicht bleiben: Möglichst zum Sommer sollen zwei weitere Schlosser und eine Verwaltungskraft eingestellt werden. Ein Ziel ist es, alte Wagen in der Hüinghauser Halle wieder herstellen und fahrbereit machen zu können. In Kooperation mit anderen Bahnvereinen sollen auch Fremdfahrzeuge instandgesetzt werden.

Die örtlichen Gegebenheiten reichen für die gestiegenen Ansprüche nicht mehr aus. Daher investiert die Museumseisenbahn in ihren Standort Hüinghausen. Im ersten Schritt wird ein Teil der bestehenden Wagenhalle (Gleis 7) saniert. Durch den Einbau von Rolltoren, einer neuen Heizung und eine Dämmung soll dieser Bereich ganzjährig als Werkstatt nutzbar sein. Rund 80 000 Euro kostet dieser Umbau. 

Da der Platz im Lokschuppen (der als Veranstaltungshalle für Konzerte und Feste erhalten bleibt) reicht jedoch nicht mehr aus. Daher soll noch in diesem Jahr mit dem Bau einer zweiten Wagenhalle begonnen werden. Kostenpunkt: rund 350 000 Euro. Geld, welches die Kleinbahner unter anderem durch den Verkauf von nicht mehr benötigten Fahrzeugen und durch die Vermietung von Gleisen erwirtschaftet hat.

Aktuell zieht die Dampflok Bieberlies die Museumswagen von Hüinghausen bis Köbbinghausen und wieder zurück. Das Fahrerlebnis beschränkt sich somit auf rund 2,3 Kilometer Strecke. Doch der Traum der Erweiterung reift. Laut Udo Feldhaus sind die rechtlichen Verhältnisse für einen Ausbau bis Plettenberg abgeklärt. An einem neuen möglichen Haltepunkt Oberstadt könnte – unter Mithilfe heimischer Vereine – eine Art Industriemuseum entstehen. Doch auch kleinere Varianten haben Udo Feldhaus und seine Mitstreiter bereits besprochen. 

Auch in Richtung Herscheid soll übrigens nicht Schluss sein: Hier wird zunächst ein Ausbau bis Birkenhof angepeilt. Allen Herausforderungen wie Brückenbauten zum Trotz sieht die langfristige Vision von Udo Feldhaus einen Streckenverlauf von Plettenberg-Oberstadt über Hüinghausen bis zum ehemaligen Bahnhof in Herscheid vor.

Welch hohen Stellenwert die Museumseisenbahn bereits jetzt einnimmt, lässt die jüngste Auszeichnung durch den Naturpark Sauerland-Rothaargebirge erahnen. Dieser hatte die Bürger dazu aufgerufen, Besonderheiten im Naturparkgebiet zu benennen. Die Kampagne stieß auf reges Interesse, mehr als 1 000 Beiträge aus dem gesamten Einzugsgebiet wurden eingereicht. 35 Projekte aus dem Naturpark (sieben davon aus dem Märkischen Kreis) wurden als Juwel ausgezeichnet. 

Die MME zählt zu diesen Projekten mit besonderer touristischer Strahlkraft, die überregional beworben werden sollen. „Eine schöne Auszeichnung, die für uns Ansporn und weitere Motivation bedeutet“, sagt Udo Feldhaus. Nicht zuletzt durch die Aufnahme in das Angebot der Ruhrtopcard sind die Zahlen der auswärtigen Besucher gestiegen. Den Kleinbahnern liegen zudem Anfragen von Busunternehmen aus dem Ruhrgebiet vor, die regelmäßig Ausflüge nach Hüinghausen anbieten möchten.

Die Zahl der Beförderungsfälle sind im letzten Jahr um 3 000 angestiegen. Rund 15 000 Personen sind 2018 mit der Kleinbahn durchs Elsetal gefahren. „Ein Rekordwert“, sagt Udo Feldhaus. Besonders beliebt waren erneut die Nikolausfahrten im Dezember. Für die Saison 2019 plant die MME die bewährten Aktionen. Der Feuerwehrtag soll durch Teilnehmer aus Münster noch ein wenig größer ausfallen. Und für die Modellbahntage im Oktober ist der Einsatz von zwei Dampflokomotiven und eines kompletten Güterzuges geplant. 

„Für all das brauchen wir dringend weitere Unterstützung“, wirbt der Vorsitzende. Vor allem für die Bewirtung an den Fahrgästen werden helfende Hände benötigt. Auch dafür ist übrigens eine Aufwertung gedacht: In Kürze soll in Hüinghausen ein Speisewagen angeliefert werden, der als Ergänzung mit durch das Elsetal fahren oder als zusätzliches Café am Bahnhof genutzt werden soll.

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