Im Schatten der Apostelkirche stand einst eine Jugendherberge, genannt „Kuckuck“

Sanierung der Kirchenmauer erinnert an Heimatgeschichte

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Vor 65 Jahren wurde die Kirchenmauer errichtet. Da der Zahn der Zeit auch an ihr genagt hat, mussten in den vergangenen Wochen Sanierungsarbeiten vorgenommen werden.

HERSCHEID - In neuem Glanz zeigt sich derzeit die Mauer an der Südseite der evangelischen Apostelkirche. Sie wurde in den vergangenen Wochen saniert.

Die Bruchsteinmauer war im Laufe der Jahrzehnte mit Wurzelwerk durchsetzt und durchfeuchtet. Auf Dauer gesehen hätte dieser Zustand dazu geführt, dass die Mauer den Erdhang nicht mehr hätte halten können und eingestürzt wäre. 

Mittlerweile wurden die Gefahren gebannt und die Sanierungsmaßnahmen beendet. Damit die Wurzeln keinen Schaden anrichten können, wurde die Bepflanzung entfernt. Eine moderne, interne Drainage und eine wasserdichte Krone sorgen zukünftig dafür, dass das Wasser abfließen kann und nicht mehr im Mauerwerk verbleibt. Wie die Grünfläche in Zukunft gestaltet wird, entscheidet sich erst nach Abschluss der Renovierungsarbeiten in der Kirche. 

Ein Blick in das Kirchenarchiv brachte zum Vorschein, dass diese Kirchenmauer genau vor 65 Jahren errichtet wurde. Im Jahr 1953 traten an dem alten Mauerwerk ähnliche Probleme auf. Im Rahmen der damaligen Instandsetzung wurde nicht nur die heutige Mauer, sondern auch der Treppenaufgang, so wie er sich heute zeigt, errichtet. 

Um diese Änderungen zu ermöglichen, fand im Vorfeld neben einem Grundstückstausch auch der Abriss des damals noch vorhandenen Gebäudes, dem sogenannten „Kuckuck“, statt. Dieses kleinere Gebäude, dass nach dem ersten Weltkrieg als Jugendherberge genutzt wurde, wird in den Unterlagen aus dem Jahr 1953 als baufällig bezeichnet. Zahlreiche Fotos und Postkarten erinnern heute noch an den „Kuckuck“. 

Weitaus älter war das Haus unter der Mauer, dessen Name schon erklärt, dass es unterhalb der Kirchenmauer gestanden hat: Nach alten Unterlagen ließ sich der Standort rekonstruieren. Demnach befand sich das Haus hinter dem heutigen Wever-Haus, dem sogenannten „Gut zum Gotten“, das in früher Zeit noch erheblich kleiner war. 

In den alten Akten findet man sehr früh Hinweise zu dem Haus unter der Mauer: In einem Steuerverzeichnis aus dem Jahr 1674 wird das Haus „Unter der Muren“ genannt. Rund 30 Jahre später wird in dem „Kataster der Kontribualen Güter der Grafschaft Mark“ vom 23. Januar 1705 ein Daniel unter der Mühren genannt. 

Im Hypothekenbuch von 1733 bis 1739 erfährt man etwas über den damaligen Besitzer, dessen Familienname bis heute in Herscheid bekannt ist: Eberhard Plankemann hat das Haus mit seiner Frau erheiratet, die es von ihren Eltern geerbt hat. 

Hier könnte man vermuten, dass es sich bei der Ehefrau Plankemann um eine Tochter des früh erwähnten Daniel unter der Mühren handelt. Als nächster übernimmt Eberhards Sohn, Johann Diedrich, das Haus unter der Mauer. Er hat ein Drittel geerbt und zwei Drittel von seinen Brüdern Johann Henrich und Johann Hermann am 28. Dezember 1762 gekauft. 

Johann Diedrich Plankemann, der auch Kirchmeister war, starb 1796 in dem Haus unter der Mauer an der roten Ruhr. Sein Sohn Johann Peter Diedrich kaufte es laut Hypothekenbuch im Jahr 1797 seinen Miterben ab. Mindestens bis zum Jahr 1800 wohnte die Familie in diesem Haus; laut Kirchenbuch wird der Geburtsort der ersten drei Kinder „unter der Mauer“ genannt. Bei den weiteren Kindern heißt es Herscheid-Dorf. Wann das Haus unter der Mauer abgerissen wurde, ist aufgrund fehlender Quellen nicht nachzuweisen.

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