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Rundgang auf der Nordhelle: Von Besucherchaos wie Anfang 2021 keine Spur

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Von: Nina Scholle

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Hündin Skadi hat mit den teils eisglatten Wegen weniger Probleme als die Autorin selbst.
Hündin Skadi hat mit den teils eisglatten Wegen weniger Probleme als die Autorin selbst. © Foto: Scholle

Gut ein Jahr ist es her, dass das Sauerland von Schneetouristen überrannt wurde. Der damals üppig gefallene Schnee lockte zahlreiche Besucher von nah und fern zur Nordhelle. In diesem Jahr ist es dagegen wohltuend ruhig.

Herscheid - 2021 kam es zu chaotischen Parksituationen: Das Ordnungsamt registrierte mehrere hundert Parkverstöße an einem einzigen Wochenende und hatte über Tage hinweg alle Hände voll zu tun, die Lage unter Kontrolle zu halten. Hinzu kam, dass sich viele Ausflügler nicht an die damals geltenden Abstandsregeln zur Eindämmung des Coronavirus hielten und die Landschaft zu allem Überfluss in eine Müllkippe verwandelten.

In diesem Jahr stellt sich die Situation ganz anders dar. Das liegt natürlich in erster Linie natürlich daran, dass die Nordhelle keinem Winterwunderland gleicht wie 2021 – zumindest nicht in dem Ausmaß, denn Schnee liegt im Ebbe schon. So habe ich mich am Samstag aufgemacht, um gemeinsam mit meiner Hündin Skadi eine Runde um die Nordhelle zu drehen und mal zu schauen, wie die Situation in diesem Jahr aussieht.

Dabei stelle ich schnell fest: Zu „sehen“ gibt es nicht viel, denn die gesamte Nordhelle liegt im Nebel. Einladend ist das Wetter wirklich nicht, doch was soll’s; wir marschieren frohen Muts drauf los.

Während Skadi fröhlich über den Weg tänzelt, mal hier schnuppert, mal dort schnüffelt, habe ich meine liebe Mühe, unfallfrei voranzukommen. Vor uns sind schon einige andere Leute hierher gegangen, haben den Schnee komprimiert; manche Stellen sind vereist und extrem rutschig. Immer mal wieder trete ich auf eine glatte Stelle, schmiere leicht weg und rufe „Huch!“.

Zum Glück schaffe ich es, mein Gleichgewicht zu halten und nicht auf dem Allerwertesten zu landen; allerdings bekommt Skadi jedes Mal einen Ruck an der Leine ab, wenn ich die Arme ausbalancierend zur Seite reiße. Sie kann vermutlich nicht im Ansatz nachvollziehen, warum ich Probleme mit diesem Weg habe und findet meine „Skadi, langsam!“-Ermahnungen – vor allem, wenn es bergab geht – lästig.

Doch der Weg ist abwechslungsreich: gerade noch eine Eisbahn, kurz drauf eine sehr matschige Angelegenheit. Die Harvester und anderen Forstmaschinen haben ihre Spuren auf den Waldwegen hinterlassen. An manchen Stellen scheinen die Wege bereits begradigt worden zu sein – zumindest deuten die kleinen Erdwälle am Wegesrand darauf hin – doch andernorts sieht es schon ziemlich übel aus. So passieren wir eine Stelle, die mit einem „Waldboden“ oder „Wanderweg“ nicht mehr viel gemein hat und nur noch als braune Matsche bezeichnet werden kann.

Die Wege sind durch die Waldarbeiten mehr oder weniger stark in Mitleidenschaft gezogen – wie auch hier rund um die Spinne.
Die Wege sind durch die Waldarbeiten mehr oder weniger stark in Mitleidenschaft gezogen – wie auch hier rund um die Spinne. © Privat

Auch die Wege rund um die Spinne sind mehr oder weniger stark beansprucht. Ein trauriges Bild zeichnet die „Ebbekamm-Loipe“: sie scheint stellenweise eine Loipe für Harvester zu sein, keinesfalls für Skilangläufer.

Auch an diesem Wochenende wird irgendwo rund um die Nordhelle gearbeitet. Ich höre das Kreischen einer Motorsäge, kann in dem Nebel aber keinen Verursacher ausmachen. Ansonsten ist es sehr ruhig. Geräuschlich begleitet wird mein Spaziergang hauptsächlich vom steten Tropfen schmelzenden Schnees von den Bäumen. Auch ist sonst kaum jemand unterwegs. Geisterhaft taucht ein einsamer Spaziergänger aus dem Nebel auf, ein paar Menschen sind mit ihren Hunden unterwegs und ich sehe etwas abseits eine Familie, die dem schlechten Wetter trotzt und versucht, eine wenig begangene Stelle als Rodelbahn zu nutzen.

Der Hang, an dem im Sommer die Gleitschirmflieger starten, liegt verwaist da. Mutige Schlittenfahrer stürzen sich sonst den steilen Berg hinunter, doch die Schneebedingungen geben das nicht her. Ein Schneemann steht am Wegesrand und zeugt davon, dass in den vergangenen Tagen hier mehr los gewesen sein muss.

Auch an anderen Stellen stehen noch Schneemänner oder Reste davon. Sie erinnern ein bisschen an die Steinhaufen, wie sie Wanderer manchmal anlegen. Skadi entdeckt eine Möhre und ich frage mich, wie die hierher kommt, bis mir klar wird, sie diente wohl einst als Nase für einen Schneemann. Doch bis auf die vermeintliche Nase ist nicht mehr viel übrig: nur ein Schneehügel und ein paar Zweige.

Es ist zu warm, es taut. Der verbliebende Schnee ist nass und schwer und ich muss feststellen, dass die Feuchtigkeit allmählich meine Schuhe durchdringt. Außerdem schlägt sich der Nebel in kleinen Tröpfchen auf meiner Brille wieder, sodass ich ständig wischen muss, um den Durchblick zu behalten. Einen schönen Winterspaziergang stelle ich mir durchaus anders vor. Skadi stört das alles freilich nicht; sie tollt munter durch den Schnee. Nomen est Omen: In der nordischen Mythologie ist Skadi die Göttin des Winters.

Nach etwa zweieinhalb Stunden komme ich wieder an meinem Ausgangspunkt an. Der Parkplatz umweit der Applauskurve ist fast leer; außer meinem steht dort nur noch ein weiteres Auto und es ist anzunehmen, dass der Hauptparkplatz etwas oberhalb auch nicht viel voller ist. Es ist einfach kein Winterwetter an diesem Samstag und der Zustand der Waldwege ist alles andere als einladend.

Aber ich muss sagen: schön war der Ausflug dennoch, denn es war so wohltuend ruhig im Wald. Der Nebel hüllte alles ein, verlieh der Nordhelle etwas Mystisches und Geheimnisvolles. Und letztendlich gab es sie ja doch, die Wegabschnitte, auf denen weißer Schnee lag, der weder zerfahren noch zermatscht war; ein bisschen Winterwunderland, nach dem man Ausschau halten muss.

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