Standortverlagerung in den HSK

Ruinöser Wettbewerb! Investor schließt insolvente Spedition im MK

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Einst stolze Spedition, jetzt abgewickelt. Nach dem Verkauf der Spedition Koch wurden Fuhrpark und Mitarbeiter aus Herscheid abgezogen. 

Herscheid – Im Spätsommer 2019 geriet die traditionsreiche Spedition Koch in eine wirtschaftliche Schieflage. Statt in die Insolvenz zu rutschen, wurde das Unternehmen verkauft. 

  • Drohende Insolvent bei der Spedition Koch abgewendet
  • Doch nach dem Verkauf entscheidet der neue Eigentümer neu
  • Der Standort in Herscheid wird aufgegeben. 

Nach der Eröffnung des vorläufigen Insolvenzverfahrens konnte Dr. Martin Plappert als Insolvenzverwalter mit Unterstützung des langjährigen Geschäftsführers Rudi Kreklow eine Lösung erarbeiten, die zukunftsträchtig erschien und die berufliche Zukunft nahezu aller 21 Mitarbeiter sowie des Standortes Herscheid sichern sollte. Neun Monate später ist die Situation im Gewerbegebiet Herscheid-Friedlin eine komplett andere. 

Lastwagen mit dem prägnanten Logo sind verschwunden

Dort, wo nach den Worten des Insolvenzverwalters Dr. Martin Plappert im September 2019 „alle vorbildlich an einem Strang gezogen haben, um die Spedition in die Zukunft zu führen“, deutet heute fast nichts mehr auf die einst in Plettenberg ansässige Spedition Koch hin. Die Lastwagen mit dem prägnanten Logo sind verschwunden und auch sonst herrscht eine gespenstische Ruhe auf dem Gelände. 

Im September 2019 hatte David Liedhegener, Geschäftsführer der Spedition Liedhegener Logistik GmbH mit Sitz in Sundern, das rund 16.000 Quadratmeter große Gelände zunächst angemietet, aber auch mittelfristig einen Kauf nicht ausgeschlossen. „Das soll hier eine eigenständige Gesellschaft sein. Und weil der Name Koch für Zuverlässigkeit steht, werden wir hier zukünftig unter der Koch Logistik GmbH firmieren“, sagte Liedhegener seinerzeit. 

Das einstige Firmengelände der Spedition Koch im Gewerbegebiet Friedlin wurde im September 2019 zunächst von der Spedition Liedhegener übernommen, die auch den Fuhrpark und die Mitarbeiter übernahm. Die Halle dort war allerdings nur angemietet und steht jetzt leer.

Auf Nachfrage zum aktuellen Ist-Zustand äußerte sich Sandra Liedhegener zum Thema nun wie folgt: „Wir haben die Spedition Wilhelm Koch übernommen mit dem Gedanken, diese als Koch Logistik mit den gleichen Leitsätzen und dem bewährten Service der Liedhegener Logistik als zweiten Standort weiterzuführen. Eine Übernahme bringt natürlich Veränderungen mit sich, auf die sich die Mitarbeiter einstellen, sich daran gewöhnen müssen.“ Sechs der ursprünglich 21 Mitarbeiter seien zurzeit noch bei der Spedition beschäftigt. 

Die meisten der 21 Mitarbeiter sind nicht mehr bei Liedhegener beschäftigt

Richtig sei, dass man sich von der kompletten Koch-Fahrzeugflotte getrennt habe. Dazu gehörten nach den Angaben von Insolvenzverwalter Dr. Martin Plappert insgesamt ein Dutzend Fahrzeuge. Fünf Mercedes Actros, zwei davon Baujahr 2018, fünf DAF-Lkw, ein älterer Iveco und ein ältere VW Crafter sowie zehn Auflieger für die Lkw. 

„Die übernommenen Fahrzeuge entsprachen nicht unserem Standard, hatten ein hohes Alter, hohe Kilometerstände und waren sehr reparaturanfällig und wurden gegen neues Equipment ausgetauscht“, sagte Sandra Liedhegener auf Anfrage unserer Zeitung. 

Der Kauf der Immobilie in Herscheid scheitert - Anmietung "schwierig"

Die Immobilie in Herscheid habe man bei der Übernahme nur angemietet –eine Preisfindung für einen Kauf oder die weitere Anmietung habe sich „schwierig gestaltet“. Dies sei ein weiterer Grund für die in Sundern ansässige Spedition Liedhegener gewesen sein, den Standort in Herscheid aufzugeben. Den Mitarbeitern sei angeboten worden, in Sundern weiterzuarbeiten, was insgesamt nur sechs Mitarbeiter annahmen. Die Coronakrise habe auf die Entscheidung keinen Einfluss gehabt. 

Kunden der Koch Logistik GmbH werden aus Sundern bedient

„Die Kunden der Koch Logistik GmbH werden vom Standort in Sundern aus bedient“, erklärte Liedhegener. Warum es die Website der ehemaligen Spedition Wilhelm Koch weiterhin gibt, konnte sie nicht sagen. „Die von Ihnen angesprochene Website betrifft nicht uns, sondern die ehemalige Spedition. Diese Seite wurde nicht von uns erstellt und auch nicht übernommen.“ 

Insolvenzverwalter bemängelt "bitteren Beigeschmack"

Insolvenzverwalter Dr. Martin Plappert zeigte sich über die Entwicklung wenig erfreut: „Es hat mich überrascht, dass der Standort in Herscheid relativ schnell aufgegeben wurde.“ Die Arbeitsverhältnisse der 21 Mitarbeiter seien damals auf die neue Gesellschaft übertragen worden. „Der ganze Ablauf hat einen bitteren Beigeschmack. Ich hätte mir eine dauerhafte und nachhaltigere Lösung gewünscht“, so Plappert. 

Vertraglich habe er eine dauerhafte Übernahme leider nicht festschreiben können. Und da das Angebot der Spedition Liedhegener am höchsten gewesen sei, habe er die Übernahme im Sinne der Gläubiger angenommen. Rudi Kreklow, der die Immobilie in Herscheid-Friedlin betreut, war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Im Speditionsgeschäft herrscht seit Jahren ein ruinöser Wettbewerb. Auch eine Spedition aus Lüdenscheid musste schließen. Auch die Spedition NetCargo war betroffen. Zuletzt geriet die Branche im Märkischen Kreis durch die Auftragseinbrüche wegen der Corona-Krise unter Druck. 

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