Lesung und Fragerunde

„Wenn Martha tanzt“: Roman-Autor Tom Saller liest in Herscheid

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Autor Tom Saller signierte nach der Lesung die Bücher der Zuhörer.

Herscheid – Schriftsteller Tom Saller las in Herscheid aus seinem Erfolgsroman "Wenn Martha tanzt" vor. Die Geschichte, verriet er, hat einen autobiographischen Kern.

2019 ist ein mehrfaches Jubiläumsjahr: Neben der Gründung der Weimarer Republik, die 1919 ihre Verfassung erhielt, entstanden zur gleichen Zeit mit dem Bauhaus und der Volkshochschule zwei völlig neue Institutionen.

100 Jahre später gibt es also genügend Gründe, um Jubiläum zu feiern und so wurden am Sonntag gleich alle drei Themen im Herscheider Bürgersaal miteinander verbunden. 

Denn dort stand mit Unterstützung der heimischen Sparkasse eine VHS-Lesung mit Tom Saller und seinem Jahrhundertroman „Wenn Martha tanzt“ auf dem Programm. „Für sein literarisches Werk hat er bislang viel Lob von Buchkritikern bekommen. Deshalb freuen wir uns umso mehr ihn bei uns haben“, begrüßte die Leiterin der VHS-Volmetal, Marion Görnig, 20 Zuschauer im Bürgersaal. 

Die Anreise von Autor Tom Saller gestaltete sich nicht allzu lang, schließlich liegt seine Heimat im rheinischen Wipperfürth, wo es laut Görnig einen echten „Hotspot für Autoren“ gebe. Sie erinnerte an Sallers Freund Volker Kutscher, der ebenfalls aus der Hansestadt stammt und dessen Krimireihe um Kommissar Gedeon Rath als Vorlage für die preisgekrönte Fernsehserie „Babylon Berlin“ dient. 

Auch der Debütroman von Tom Saller wird von den Geschehnissen des 20. Jahrhunderts geprägt. In dieser Zeit siedelt der Schriftsteller das Porträt seiner Hauptfigur, Tänzerin Martha, an, die 1900 als Tochter eines Blaskapellmeisters in einer pommerschen Kleinstadt geboren wird. Ein Musiker rät der talentierten jungen Frau, an der staatlichen Bauhaus Hochschule zu studieren. 

Als besondere Gabe von ihr gilt, dass sie Musik in Farben und Formen sehen kann. Und dann wird Martha noch zur Tänzerin. Nach dem Ende ihrer Zeit im Bauhaus kehrt sie in ihre Heimat zurück, bekommt später auch die Folgen des Zweiten Weltkrieges zu spüren und landet letztlich in New York. 

In einer Fragerunde erklärte Tom Saller, dass es einen autobiografischen Kern in seiner Geschichte gibt. Seine Urgroßmutter hieß tatsächlich Martha und war in Pommern geboren. Sie wuchs in einem Musikinternat auf, das der Ururgroßvater betrieb. 

Bei Sallers Überlegungen, wo sich eine junge Frau aus der Provinz um 1920 habe verwirklichen können, fiel die Wahl auf das geschichtsträchtige Weimar. Er räumte ein, lange Zeit nie an der eigenen Familien-Geschichte interessiert gewesen zu sein. Doch vor wenigen Jahren seien Flucht und Vertreibung während des Zweiten Weltkriegs für ihn zum Thema geworden. 

Die Geschichte Marthas mit dem Tanzstudium am Bauhaus bei Walter Gropius sei allerdings rein fiktiv. Es handle sich um eine Begegnung mit den Künstlern und dem Leben der Studenten in einer ungewöhnlichen, von Zwängen befreiten Zeit. 

Sallers Vortrag hat neugierig gemacht. Für alle, die bereits auf das nächste Werk von ihm warten, hatte er gute Nachrichten parat: Im Herbst erscheint sein zweiter Roman, der diesmal in den 1920- und 30er Jahren von Berlin spielen wird. „Es wird wieder eine weibliche Hauptfigur geben und auch die Nationalsozialisten spielen eine Rolle. Dramatik und Trauer werden also nicht fehlen“, verriet Tom Saller, der nach seiner Lesung gerne dazu bereit war, Bücher zu signieren.

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