Konzept von „Bruchbach Beef“ ist regional einzigartig

Rindfleisch aus Herscheid: Qualität hat ihren Preis

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Marie und Luisa finden das Leben auf dem Bauernhof prima. Gemeinsam mit ihren Eltern Janine und Karsten Schäfer schauen sie täglich in den offenen Ställen vorbei. Außerdem bewirtschaften die Schäfers rund 130 Hektar Grünland.

Herscheid - Die Vorbereitungen für den Weihnachtsmarkt auf dem eigenen Hof, der Bau eines neuen Stalls, die tägliche Verpflegung von 300 Rindern – die Familie Schäfer kann sich über mangelnde Arbeit wahrlich nicht beklagen.

„Unser Tag hat leider auch nur 24 Stunden“, sagt Karsten Schäfer. Das meint er keinesfalls wehleidig, sondern motiviert – denn die Arbeit auf dem heimischen Hof erfüllt ihn. Er habe sein Hobby zum Beruf gemacht, sagt der 40-Jährige. 

Seit 2006 betreibt Schäfer den landwirtschaftlichen Betrieb in Nieder-Mesten, zunächst noch nebenbei. Doch gemeinsam mit seiner Frau Janine erfüllte sich Karsten Schäfer vor einem Jahr einen Traum und gründetet ein kleines Familienunternehmen. Der Name „Bruchbach-Beef“ leitet sich zum einen aus der Lage des Hofes ab, der direkt am Bruchbach liegt. Das Beef erklärt den Hauptbetriebszweig des Unternehmens – nämlich die Zucht, die Haltung und die Schlachtung von Aubrac-Rindern. 

Ganz bewusst grenzen sich die Schäfers von Methoden der Großschlachtereien ab. Karsten Schäfer ist seit 20 Jahren im Fleischgewerbe tätig, er weiß, wie anonym die Vorgänge in großen Betrieben ablaufen. „Genau das wollen wir hier bei uns nicht“, betont der Herscheider, der lange Zeit an seinem Konzept gefeilt hat. 

Grundgedanke der Rinderhaltung auf rund 130 Hektar Grünland und in modernen Offenställen: Den Tieren soll es gut gehen. Die Kälber bleiben bis zu neun Monate bei den Müttern im Herdenverband, wo sie sich von Milch und Gras ernähren. Anschließend werden sie mit Heu und Getreide gefüttert. „Völlig genfrei“, betont Schäfer. 

Von der Geburt über die Zucht bis zur Mast – die Rinder bleiben stets auf dem Hof der Herscheider, der Weg des Fleisches ist für die Käufer jederzeit nachvollziehbar. Das gilt auch für den Schlacht- und Zerlegebetrieb, der nur wenige hundert Meter von den Ställen entfernt in Piene eingerichtet worden ist. Hygiene und Tierschutz haben dort Priorität. „Wir haben keine langen Transportwege, dadurch verspüren die Tiere keinerlei Stress“, erzählt der 40-Jährige. 

Diese artgerechte Haltung wirkt sich nicht nur auf das Wohlbefinden der Tiere, sondern auch auf die Qualität des Fleisches aus. Manch eine Kundin habe sich schon gewundert, dass der Rinderbraten nach der Zubereitung seine eigentliche Größe behält. Ein Indiz dafür, dass das Tier nicht aus einer Massenhaltung stammt. 

Das regional einzigartige Konzept der Schäfers beinhaltet die Eigenvermarktung. Verkauft werden die Wurst- und Fleischwaren hauptsächlich im Bruchbach-Laden in Piene, der angeschlossen an das Schlachthaus ist. Da dieser aus zeitlichen Gründen nur einmal in der Woche öffnen kann, wird auf Vorbestellung ab sofort auch der Dorfladen Hüinghausen beliefert. Zudem gehören vier Edeka-Märkte im Münsterland zu den Kunden der Schäfers. 

Die Fülle der Aufgaben ist von dem Ehepaar längst nicht mehr allein zu schultern. Tatkräftige Unterstützung erhalten sie aus den Familienreihen: Dennis Schäfer, Bruder von Karsten, kümmert sich um die reine Landwirtschaft. Außerdem werden vier Aushilfen beschäftigt. Die Zahlung von „fairen Gehältern“ gehört zum Gesamtkonzept, betonen die Herscheider: „Wir wollen alle davon leben können.“ 

Der große Aufwand spiegelt sich in den Preisen wider. Diese seien im Vergleich zu Discounterangeboten etwas höher. „Qualität hat ihren Preis“, verdeutlicht Karsten Schäfer. Das Kaufverhalten der Kunden belege jedoch, dass ein Umdenken in der Gesellschaft stattgefunden hat. Die „Geiz ist geil“-Mentalität gelte im Bereich der Lebensmittelbranche nicht mehr. 

Neben der Rinderzucht gehört der Verkauf von Weihnachtsbäumen zum saisonalen Standbein der Familie. Während der Advents-Wochenenden findet auf dem Hof ein schmucker Weihnachtsmarkt statt. Ein Gang zu den Ställen gehört für die meisten Besucher dazu. Auf den Grill kommen dabei natürlich Bratwürste aus eigener Schlachtung. 

Weihnachtswünsche haben die Schäfers übrigens nicht. „Wir sind hier rundum zufrieden“, sagt das Ehepaar, das sich freut, mit seinem landwirtschaftlichen Konzept eine Nische ausfüllen zu können, die auf wachsendes Interesse stößt.

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