Regenrückhaltebecken an der Elsener Straße wegen Neubaugebiet erweitert

In dieses Becken passt der Inhalt von 4 333 Badewannen

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Eine Auswirkung der Bebauung des Rotmilanweges: Rund 80 Kubikmeter Erdreich wurden im Bereich des Regenrückhaltebeckens an der Elsener Straße entfernt, um dort weiteren Speicherplatz zu schaffen.

Herscheid – Saubere Handtücher in die Waschmaschine geben? Das wäre weder ressourcenschonend, noch finanziell sinnvoll. Ganz ähnlich verhält es sich mit Regenwasser: Dieses grundsätzlich saubere Wasser über die Kanalisation einer Kläranlage zuzuführen wäre ebenso unsinnig.

Genau deswegen setzt Andreas Voit (früher Leiter der Gemeindewerke Abwasser, heute Herscheider Ansprechpartner beim Stadtentwässerungsbetrieb Lüdenscheid-Herscheid) seit Jahren auf Kanaltrennsysteme. Der Vorteil dieser Variante: Nur das Schmutzwasser, das auch wirklich aufbereitet werden muss, fließt in die Kläranlage. Das Regenwasser hingegen wird in die natürlichen Gewässer weitergeleitet und verursacht keine Kosten. 

Um das Regenwasser drosseln und somit kontrollieren zu können, werden oberirdische Rückhaltebecken gebaut. Am Hofwiesenweg in Friedlin und am Grenzweg in Hüinghausen funktionieren diese Systeme einwandfrei. Nachholbedarf bestand jetzt am Rückhaltebecken an der Elsener Straße; dieses wurde vor etwa 20 Jahren angelegt, parallel zur Erschließung des Neubaugebietes an der Spitze. Bedingt durch die Neubauten am Rotmilanweg mussten jetzt die Kapazitäten erhöht werden, denn: „Unser Ziel ist es, das Regenwasser dort zurückzuhalten, wo es auch anfällt“, erklärt Voit. 

Um ausreichend Staufläche zu haben, wurden in dem Wiesenbereich 80 Kubikmeter Boden entfernt. Damit erhöht sich das Fassungsvermögen auf insgesamt 650 000 Liter Regenwasser. Zum Vergleich: Eine handelsübliche Badewanne fasst durchschnittlich 150 Liter; somit können umgerechnet maximal 4 333 Wannenfüllungen Regenwasser an der Elsener Straße gespeichert werden. 

In diesem Zusammenhang wurde der Einlaufbereich des Beckens erweitert und um ein stabiles Einlaufgitter ergänzt. Der angelegte Damm schützt bei Starkregenereignissen nicht nur die Bevölkerung, sondern auch die Bäche und die angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen vor Überschwemmungen. 

Andreas Voit kontrolliert das stabile Gitter, das im Einlaufbereich montiert worden ist.

Die eigentliche Anlage musste nicht modifiziert werden: Lediglich der Schwimmkörper wurde auf die neue Wassermenge eingestellt; diese Drosseleinrichtung (die hydraulisch, also ohne Strom und daher wetterunabhängig funktioniert) sorgt dafür, dass auch bei Starkregen maximal 20 Liter Wasser pro Sekunde in den Friedliner Bach eingeleitet werden. „Ähnlich wie bei Hochwasserentlastungsanlagen bei großen Talsperren“, vergleicht Andreas Voit die Funktionsweise. 

Aufgrund veränderter Sicherheitsbedingungen wurde das Regenrückhaltebecken übrigens eingezäunt. Die Kosten für die Gesamtmaßnahme belaufen sich auf 50 000 Euro. Gut angelegtes Geld, wie Voit meint. Denn die Regenmengen seien laut Statistik über die Jahre zwar zurückgegangen. Dafür habe sich die Intensität geändert: Den lauen Landregen von früher gebe es kaum noch. Dafür gebe es mehr Starkregen, der sich in kürzester Zeit mit großen Mengen über das Land ergießt. 

Vor allem Städte, die unterirdische Rückhaltevorkehrungen angelegt haben, müssten auf diese Auswirkungen des Klimawandels reagieren. Doch auch in Herscheid bestehe weiterer Handlungsbedarf. „Wir müssen mit diesem Thema sensibel umgehen und auch im privaten Bereich Aufklärungsarbeit leisten, um die Bevölkerung über Starkregen und dessen Auswirkungen zu informieren“, sagt Andreas Voit.

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