Interview mit Bürgermeister Uwe Schmalenbach

Rathausbrand vor zehn Jahren: "Ich hätte heulen können"

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Schwarze Rauchschwaden ziehen vom Rathaus aus in Richtung Herscheider Mitte: Ein Großaufgebot der Feuerwehr bekämpft am Nachmittag des 23. Oktober 2009 die Flammen, die aus dem Dach des Mitteltraktes schlagen. Der Brand sorgt für immensen Schaden.

Herscheid – Nur zwei Tage nach seinem Amtsantritt als Bürgermeister folgte für Uwe Schmalenbach die vermutlich größte Herausforderung seiner bisherigen beruflichen Laufbahn: der Rathausbrand.

Am 23. Oktober 2009 stand das Dach des Mitteltraktes in Flammen. Im Interview mit unserem Mitarbeiter Dirk Grein spricht Schmalenbach über diesen folgenreichen Tag und den großen Zusammenhalt der Helfer.

Wie präsent sind Ihnen die Bilder von jenem 23. Oktober 2009?

Schmalenbach: Diesen Tag und seinen Verlauf habe ich noch relativ gut in Erinnerung: Es war ein Freitag, mein zweiter Tag als Bürgermeister, und der Tag unseres Betriebsausfluges. Morgens sind wir vom DLRG-Heim am Freibad aus gestartet zu einem Ausflug ins Hochsauerland. 

Es hätte ein sehr vergnüglicher Tag werden sollen. 

Schmalenbach: Das war es auch, bis zum frühen Nachmittag. Wir hatten das Besucherbergwerk Ramsbeck besucht und sind von da aus mit dem Bus in Richtung Wildewiese weitergefahren, um dort den Betriebsausflug ausklingen zu lassen. 

Wie haben Sie von dem Brand erfahren? 

Schmalenbach: Während der Fahrt erreichte uns per Handy die Nachricht von einem Feuerwehreinsatz an der Plettenberger Straße 27. Das hat uns natürlich erschreckt. Nachfragen ergaben relativ schnell, dass es am Rathaus brennen sollte. Nach Rücksprache mit der Kreisleitstelle haben wir uns entschlossen, nach Herscheid zurückzufahren. 

Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie am Rathaus eintrafen und den Brand mit eigenen Augen gesehen haben? 

Schmalenbach: Ich hätte heulen können. Das sah von außen sehr dramatisch aus, mit den riesigen schwarzen Wolken über dem Mittelbau und den Flammen, die aus dem Dach schlugen. Wie sieht wohl die Situation im Gebäude und in den Büros aus? Sind die Flammen vom Dach ins Obergeschoss geschlagen? Im Rathausmittelbau befand sich damals bereits das Archiv und auch die gesamte EDV. 


Im Laufe des Einsatzes wurde das Feuer unter Kontrolle gebracht, kurz darauf begann das aufwendige Aufräumen. 

Schmalenbach: Für die Gemeinschaft und das Miteinander war das eine Bewährungsprobe – aber eine, bei der sich die komplette Mannschaft zusammengefunden hat. Wir haben an dem Freitag noch das ein oder andere aus dem Gebäude geräumt, weil das Löschwasser durch das gesamte Haus gelaufen war und einige Räume nicht mehr genutzt werden konnten. Am Samstagmorgen haben wir uns dann zu einem Krisengespräch getroffen und uns einen Überblick verschafft. Ziel war es, das Rathaus am Montagmorgen regulär zu öffnen. 

Und konnten Sie dieses Ziel erreichen? 

Schmalenbach: Ja, das haben wir geschafft. Jeder hat, unabhängig von seiner Funktion im Haus, Akten geschleppt und Möbel geräumt. Direkt an dem Samstag sind Büros umgezogen, sodass alle Kollegen aus dem Mittelbau in anderen Räumen untergekommen sind. Aus dem Konferenzraum wurde ein Großraumbüro mit mehreren Arbeitsplätzen, ein Teil der Kollegen aus der unteren Etage sind im Altbau untergekommen und ich bin mit meinem Büro ins Trauzimmer gezogen. Das alles haben wir am Samstag vorbereitet, sodass der Betrieb ab Montag weitergehen konnte – wenn auch nicht ganz normal, aber doch so, dass die Bürger die Dinge im Rathaus erledigen konnten, die bei ihnen anstanden. 

Wie lange hat der Ausnahmezustand angehalten? 

Schmalenbach: Mehrere Monate haben die Kollegen in zum Teil beengten Verhältnissen zusammengesessen. Einige von ihnen mussten direkt neben den Trocknungsgeräten arbeiten, die permanent liefen. Das war schon hart. Interessanterweise hatte ich am Freitagmorgen des Betriebsausfluges bei der Begrüßung der Kollegen noch ein paar Worte zu meinem Dienstantritt gesagt. Unter anderem, dass ich bauliche Veränderungen im Mitteltrakt begrüßen würde. Ich hatte mir in der oberen Etage einen offenen Empfangsbereich vorgestellt. Im Laufe des Tages hat sich herausgestellt, dass diese Pläne relativ schnell zur Umsetzung kommen mussten. 

Was wurde denn im Mitteltrakt nach dem Brand alles geändert? 

Schmalenbach: Eigentlich alles. Alle Wände sind herausgerissen worden, die komplette Elektrik ist ausgetauscht worden, Wärmedämmung und Dach mussten erneutert werden – das Haus ist in diesem Zuge komplett saniert worden. 

Komplizierter hätte der Start für einen Bürgermeister wohl kaum ausfallen können? 

Schmalenbach: Ich hatte natürlich ganz andere Themen für die ersten Wochen und Monate auf der Agenda. Bauliche Veränderungen waren eh geplant, aber nicht so. 

Als das Rathaus brannte: Die Bilder vom 23. Oktober 2009

Jetzt sind Sie 10 Jahre im Amt als Bürgermeister, die Dinge sind im Fluss. Da erscheint die Arbeit im Vergleich zu besagtem Anfang fast langweilig. 

Schmalenbach: Im Moment müssen wir nicht so viel improvisieren, das ist richtig. Aber langweilig ist mir natürlich nicht. Gerade im Moment bearbeiten wir eine Fülle an Themen, insbesondere an Bauprojekten – und zwar geplant und nicht ungeplant. Im Vergleich zu 2009 stehen deutlich mehr Dinge an. 

Aber Arbeiten am Rathaus gehören aktuell nicht zu den geplanten Maßnahmen? 

Schmalenbach: Nein, das beabsichtige ich nicht – und hoffentlich kommen auch keine unvorhersehbaren Veränderungen hinzu. Man muss aber auch sagen, dass 2009 zum zweiten Mal ein Rathaus in Herscheid gebrannt hat. Zuvor hatte bereits 1851, also vor über 150 Jahren. das Amtshaus an der Hohle Straße gebrannt. Insofern weiß man ja, in welchen Zyklen so etwas vorkommt. Ich hoffe auch, dass es bei diesen Abständen bleibt.

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