1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Herscheid

„Queen war ein fester Anker“: Auch Herscheider trauern um Elizabeth II

Erstellt:

Von: Dirk Grein

Kommentare

Die verstorbene Königin Elizabeth II. nahm während ihrer mehr als 70-jährigen Regentschaft viele öffentlichen Termine wahr – das ist ein Grund, warum die Briten sich ihr sehr verbunden fühlen.
Die verstorbene Königin Elizabeth II. nahm während ihrer mehr als 70-jährigen Regentschaft viele öffentlichen Termine wahr – das ist ein Grund, warum die Briten sich ihr sehr verbunden fühlen. © Michael Kappeler / DPA

Tausende Menschen nehmen Abschied von Elizabeth II., die mehr als 70 Jahre lang Königin des Vereinigten Königreichs Großbritanniens und Nordirland war. Woher kommt diese Verbundenheit zu einem Staatsoberhaupt? Diese Frage haben wir zwei Briten gestellt, die seit den 1980er Jahren in Herscheid wohnen: Christine und Ernest Taylor aus Elsen.

Herscheid - „Für die überwiegende Mehrheit der Engländer war sie immer da. Obwohl die Gesundheit in den letzten Jahren immer mehr nachließ, nahm sie ihre Pflichten als Staatsoberhaupt stets wahr“, sagt Christine Taylor. Sie erinnert an die Ernennung von Liz Truss zur neuen Premierministerin Englands am 6. September durch Elizabeth –zwei Tage nach dieser Zeremonie starb die Königin.

Für viele Briten habe es sich so angefühlt, als ob die Queen ewig weitermachen könne. „Durch die jahrzehntelange ausgiebige Berichterstattung und die vielen öffentlichen Auftritte, zum Beispiel bei Eröffnungen von Schulen oder Krankenhäusern, hatten viele das Gefühl, die Queen zu kennen“, erzählen die Taylors.

Hinzu komme: Die Pracht der königlichen Feierlichkeiten ziehe viele Menschen in den Bann der königlichen Familie. In den letzten Jahren wirtschaftlicher und politischer Probleme, besonders seit dem Brexit, „war die Queen ein fester Anker – ein Symbol der Stabilität, die sich kaum veränderte“, beschreibt die Herscheiderin das starke Gefühl der Verbundenheit, das viele Briten in diesen Tagen des Abschieds zum Ausdruck bringen.

Die Taylors selbst haben aus der Ferne des Sauerlands einen eigenen Blick auf die Monarchie: Sie bewundern den oftmals zur Schau gestellten Prunk bei öffentlichen Auftritten, vor allem die präzise Planung, etwa bei Militärparaden. Die royale Familie sorge stets für eine gute Show. „Wir nehmen aber wahr, dass eine Ära ein natürliches Ende gefunden hat“, sagen die Herscheider.

Christine Taylor stammt gebürtig aus Boston an der Ostküste Englands und Ernest Taylor aus dem Südwesten (Gloucester). Seit mehr als 40 Jahren lebt das Paar nun bereits in Herscheid.
Christine Taylor stammt gebürtig aus Boston an der Ostküste Englands und Ernest Taylor aus dem Südwesten (Gloucester). Seit mehr als 40 Jahren lebt das Paar nun bereits in Herscheid. © Archivfoto: Veelen, Marie

Schon vor dem Begräbnis der verstorbenen Monarchin am 19. September ist ihr Sohn Charles zum Nachfolger ausgerufen worden. Unter dem neuen König werde es Veränderungen geben. „Die königliche Familie wird schlanker werden, das hat er schon angekündigt“, sagen die Taylors.

Sie gehen zudem davon aus, dass Charles versuchen wird, etwas volksnäher zu sein als seine Mutter. Die Frage sei, ob ihm das gelingen wird, gelingen kann. Die Traditionen und Rituale seien zum Teil tief verankert im öffentlichen Bewusstsein, meint Christine Taylor.

Als Beispiel nennt sie den Umwelt- und Klimaschutz, für den sich Charles bislang stark gemacht habe. Aber: „Als König darf er nicht so offen seine Meinung vertreten, da er jetzt über der Politik steht und sich nicht einmischen darf“, gibt die Herscheiderin zu bedenken, die gespannt ist, wie der König seine neue Rolle ausfüllen wird.

Auch interessant

Kommentare