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Pure Ernüchterung: Pilotprojekt Mobil Sorglos wird kaum genutzt

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Von: Dirk Grein

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Das Fahrerteam für den Lieferdienst erhält Verstärkung: Eberhard Kaufmann bleibt weiter an Bord und wird zukünftig durch die Herscheiderin Sascha Muhr unterstützt. Das Duo hofft nun auf Zuwachs auf der Kundenseite.
Das Fahrerteam für den Lieferdienst erhält Verstärkung: Eberhard Kaufmann bleibt weiter an Bord und wird zukünftig durch die Herscheiderin Sascha Muhr unterstützt. Das Duo hofft nun auf Zuwachs auf der Kundenseite. © Grein, Dirk

Das Mobil Sorglos kämpft weiter um Akzeptanz in der Bevölkerung: Knapp elf Monate nach dem Start in die praktische Erprobungsphase hat das Gemeinschaftsprojekt der Nachbarkommunen Herscheid und Plettenberg noch nicht an Fahrt aufgenommen. Ungeachtet dessen soll in wenigen Wochen ein zweiter Projektbestandteil umgesetzt werden.

Herscheid - Durchwachsen fiel das Fazit von Meryem Yilmaz aus, das die Projektbeauftragte der Gemeinde Herscheid im Sozialausschuss zog. Seit April sei der Lieferservice in den beiden Nachbarkommunen buchbar. Von anfangs 25 angemeldeten Kunden seien im Laufe der Zeit elf abgesprungen. Die verbleibenden 14 Personen nutzten das Angebot sehr unregelmäßig. „Es sind lediglich zwei Frauen aus Herscheid, die wöchentlich Bestellungen aufgeben“, bedauert Meryem Yilmaz.

Auch auf der Seite der Anbieter wirken die Zahlen ernüchternd. Schuhe, Medikamente, Bücher: All diese Waren wurden bislang von den Kunden nicht geordert, entsprechend seien zehn von zwölf Anbietern noch nicht beauftragt worden. Hauptsächlich würden Lebensmittel aus dem Hüinghauser Dorfladen bestellt und einige wenige Male auch Pflanzen aus der Gärtnerei Dahlmeier, erzählt Meryem Yilmaz.

Viel Lob, aber keine Neuanmeldungen

In der Theorie seien die Anbieter, die Fahrer und auch potenzielle Kunden von der Idee des Lieferdienstes bis an die Haustür begeistert, das habe eine Umfrage ergeben. Und auch Werbemaßnahmen wie auf dem Plettenberger Wochenmarkt seien gut angenommen worden. „Wie gut, dass es Euch gibt“, sei den Projektteilnehmern mit auf den Weg gegeben worden. Doch die erhofften Neuanmeldungen blieben dennoch aus.

Ein Grund für die verhaltene Nachfrage: Die Leute wollen das Erlebnis Einkauf nicht aus der eigenen Hand geben, vermutete Meryem Yilmaz. Die Ausschuss-Vorsitzende Caroline Vedder ergänzte: „Wir in Herscheid sind gut aufgestellt, was die Versorgung durch Nachbarn oder Verwandte betrifft.“

Die Verantwortlichen wollen weiter die Werbetrommel rühren, aber auch rechtzeitig Fakten schaffen. Die Testphase für das sogenannte Mobil A dauere bis September. Bis dahin soll eine Entscheidung getroffen werden, ob sich der Lieferservice lohne. Falls nicht, dann soll dieser Teil des Projektes aufgegeben werden.

Video-Sprechstunde mit dem Hausarzt

Derweil sind die Planungen für den zweiten Teil des Mobils Sorglos nahezu abgeschlossen: Bei der Firma Wick Hellmobil aus Plettenberg ist ein Fahrzeug angemietet worden, das für die Bedürfnisse einer mobilen Sprechstunde umgebaut wird. Das Fahrzeug soll nicht nur mit entsprechender Technik für eine Video-Sprechstunde ausgerüstet werden, sondern auch über die räumlichen Kapazitäten verfügen, dass besagte Gespräche in geschützter Atmosphäre stattfinden können.

Wie Meryem Yilmaz berichtete, konnten inzwischen fünf Ärzte aus Plettenberg zur Teilnahme gewonnen werden. Außerdem seien folgende Partner mit an Bord: die Pflegeberatung MK, die Dorf-Apotheke, der Caritasverband sowie eine Selbsthilfegruppe. Außerdem könnten in dem Mobil via Computer Sprechstunden mit Mitarbeitern aus den Rathäusern durchgeführt werden.

Meryem Yilmaz von der Gemeinde Herscheid wünscht sich, dass das Projekt Mobil Sorglos durch die Video-Sprechstunden mehr Schwung erhält.
Meryem Yilmaz von der Gemeinde Herscheid wünscht sich, dass das Projekt Mobil Sorglos durch die Video-Sprechstunden mehr Schwung erhält. © Foto: Hochstein / Gemeinde

Verläuft alles nach Plan, dann soll das Mobil B bereits im Februar auf den heimischen Straßen unterwegs sein. Aufgrund veränderter Förderrichtlinien ist die Dauer dieses Teil des Projektes bis Mitte 2023 ausgeweitet worden. Insgesamt stehen für das Mobil Sorglos 200 000 Euro zur Verfügung. Bislang seien davon 93 000 Euro ausgeschüttet worden. Dahinter verbergen sich, wie Meryem Yilmaz erklärte, 84 000 Euro Fördermittel sowie 9 000 Euro Eigenanteil – 6 000 Euro aus Plettenberg und 3 000 Euro aus Herscheid.

Die Verantwortlichen hoffen nun, dass die Möglichkeit der Video-Sprechstunden besser angenommen wird, als es bislang für den Lieferservice der Fall ist und dass das Mobil in Gänze besser ins Rollen kommt.

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