Im Notfall gilt: Kinder sind keine kleinen Erwachsenen

Projekt „Save Kids Life MK“ bietet Notfallseminare für Privatpersonen an

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Hinter dem Projekt „Save Kids Life MK“ stecken die Rettungsassistenten Jana Wetekamp aus Hemer und Stefan Becker aus Herscheid. Ihre gemeinsamen Seminare reichern sie mit Beispielen aus der Praxis und nützlichen Tipps für den Alltag an.  

Wenn Kinder krank werden oder einen Unfall haben, dann fühlen sich viele Eltern hilflos. Wie verhalten sie sich richtig? Wie können sie dem Kind schnell helfen? Diese und weitere Fragen wollen die Macher des Projektes „Save Kids Life MK“ beantworten.

Als Notfallsanitäter, Oberbrandmeister und Praxisanleiter der Plettenberger Feuerwehr wird Stefan Becker tagtäglich mit den unterschiedlichsten Einsätzen konfrontiert. Dieser Job sei schon immer sein Traumberuf gewesen, erzählt der Herscheider. Trotzdem gibt es Momente, die ihn nachdenklich machen. 

Ein Einsatz, der schon viele Jahre zurückliegt, beschäftigt ihn noch heute – und hat ihn letztlich dazu geführt, ein Projekt auf die Beine zu stellen, dass es in dieser Form deutschlandweit noch nicht gibt. Bei besagtem Vorfall während seiner Ausbildungszeit (außerhalb von Nordrhein-Westfalen) wurde Becker zu einer Betreuungseinrichtung für Kinder gerufen. Dort fand er einen bewusstlosen Jungen vor. 

Die Betreuerinnen hatten – aus Gründen der Überforderung – keine Erste-Hilfe-Maßnahmen durchgeführt. „Sie wussten nicht, was sie machen sollten, und haben den Jungen einfach liegen gelassen“, erinnert sich Stefan Becker. Dieses Nichtstun hatte schwerwiegende Folgen für den bis dato gesunden Jungen, der zwar von den Einsatzkräften erstversorgt werden konnte. 

„Er ist heute ein Pflegefall. Das hätte nicht sein müssen“, sagt der Herscheider. Ihm ist anzumerken, dass der Frust über das Verhalten der Betreuerinnen noch immer tief sitzt. Untätigkeit ist Stefan Becker ein Graus – genau deswegen wird er nun selbst aktiv. Gemeinsam mit seiner Kollegin Jana Wetekam (eine staatliche anerkannte Erzieherin, die inzwischen Rettungsassistentin der Plettenberger Feuerwehr ist) hat er das Projekt „Save Kids Life Märkischer Kreis“ ins Leben gerufen. Gemeinsam geben sie Seminare, die speziell auf Kindernotfälle zugeschnitten sind. 

Die Kurse sind in erster Linie für Privatpersonen, also Eltern oder Großeltern gedacht, denen das notwendige Rüstzeug an die Hand gegeben wird, damit bei einem Notfall die Zeit bis zum Eintreffen der Rettungskräfte mit einfachen Erste-Hilfe-Maßnahmen überbrückt wird. Versorgung von Wunden und Knochenbrüchen gehören ebenso zu den Themen, wie Hilfe bei Atemnot, Verbrennungen oder Vergiftungen. 

Neben theoretischen Einheiten zählen viele Praxis-Übungen wie zum Beispiel Kinderreanimation an Puppen zum Angebot. In all diesen Fällen gilt: Kinder sind keine kleinen Erwachsenen, sie benötigen eine besondere Behandlung. Durch das Projekt sollen auch Rettungsdienst und Notfallaufnahme entlastet werden. „Häufig werden wir zu Einsätzen gerufen, die gar keine sind“, erzählt Stefan Becker. 

Bei früheren Einsätzen entpuppte sich eine von Eltern gemeldete Atemnot als gewöhnliche Bronchitis. In einem anderen Fall konnte das seit Tagen hartnäckige Fieber durch die Gabe eines Zäpfchens gelindert werden; auf diese Idee waren die Eltern nicht gekommen. In puncto Sicherheit herrsche Nachholbedarf, da sind sich die beiden Rettungsassistenten, die im Vorfeld viele Gespräche mit Kinderärzten und Mitarbeitern von Kinderkliniken geführt haben, sicher. 

Die Seminare umfassen in der Regel acht Stunden und werden bei den Personen daheim (Mindestgröße zehn Personen) durchgeführt; das Einzugsgebiet ist nicht nur der Märkische Kreis, sondern ganz Nordrhein-Westfalen und auch darüber hinaus. Die Preise sind mit 25 Euro pro Teilnehmer und 40 Euro pro Paar moderat und dienen in erster Linie der Deckung der anfallenden Kosten für Material und Anfahrt. Von jedem durchgeführten Kindernotfallseminar geht ein Teil der Teilnehmergebühr als Spende an den Förderverein für krebskranke Kinder Köln.

Wer mehr über das Projekt erfahren möchte, der findet im Internet weitere Informationen auf der Seite www.save-kids-life.de. Fragen beantworten Stefan Becker unter der Rufnummer (01 79) 2 43 60 85 und Jana Wetekam unter der Telefonnummer (01 51) 42 30 50 34.

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