„Wir müssen Mittelweg einschlagen“

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Der Wolf ist auf dem Vormarsch. Prof. Dr. Reinken ist sich sicher, dass sich auch im heimischen Raum schon bald erste Rudel bilden werden.

Über die Rückkehr der Wölfe in die deutsche Natur wird bekanntlich eifrig diskutiert: Während Tierschützer die Wiederansiedlung als Erfolg feiern, sorgen sich Viehbesitzer um ihre Tiere und Bewohner an Waldgebieten sind beunruhigt.

Auch in der heimischen Region beschäftigen sich Jäger, Schäfer und Behörden mit der Frage: Was passiert, wenn ein oder mehrere Wölfe in der Ebbegemeinde gesichtet werden? Antworten darauf gab es im Rahmen der Jahreshauptversammlung der Rotwildhegegemeinschaft Ebbegebirge in Niederholten (wir berichten noch), wo Professor Dr. Lothar Reinken, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Hamm, einen Vortrag zum Thema „Wer hat Angst vor dem Wolf“ hielt.

Direkt zu Beginn seiner Ausführungen verwies der Referent darauf, dass die aktuell in Deutschland geführten Diskussionen in dieser Form bereits Mitte der 1970er Jahre in den USA stattgefunden hätten. „Damals lebte ich in Amerika und habe mitbekommen, wie die Rückkehr der Wölfe abgelaufen ist. Denn auch dort war er zuvor ausgerottet worden. Doch nach einer Wiederansiedlung hat sich das schlagartig geändert“, berichtete Reinken von seinen Erfahrungen.

Der Wolf habe sich durch das Jagdverbot schnell vermehrt und spätestens als es zu den ersten tödlichen Attacken vor allem auf Hunde gekommen sei, hätten die Forderungen nach einer Eindämmung der Wolfspopulation zugenommen. „In heimischen Regionen wird uns Ähnliches blühen. Die Wölfe kommen bekanntermaßen aus dem Osten der Republik weiter in Richtung Westen. Daher muss es zwangsläufig Begegnungen mit den Menschen geben“, verdeutlichte Reinken die ernstzunehmende Lage.

Er selbst stehe dabei weder auf Seiten der „Verharmloser“, noch befinde er sich im Lager der Wolfsgegner. Für ihn sei stattdessen klar: „Dieser Parolenkampf bringt uns nicht weiter. Wir müssen vielmehr einen Mittelweg einschlagen, den Platz des Wolfes in der heimischen Natur akzeptieren und der Bevölkerung richtige Verhaltensregeln näherbringen.“

Aufmerksam machte der Referent zum Beispiel auf die zahlreichen Gemeinsamkeiten von Mensch und Wolf. Beide Lebewesen seien normalerweise in einem Rudel unterwegs, würden eine enorme Sozialisierungsfähigkeit besitzen und hätten Feinde nur in ihrer eigenen Art. „Selbst die Jagd läuft auf beiden Seiten nahezu identisch ab. Auch die Wölfe betreiben eine organisierte Jagd mit eindeutiger Aufgabenteilung“, stellte Professor Dr. Lothar Reinken klar und bezeichnete sie als „hochintelligente Tiere“.

Deshalb sei es deren Ziel, auf möglichst leichte Art an Beute zu gelangen, wofür sich Fohlen und Kälber nahezu anbieten würden. Doch wann besteht eine Gefahr für den Menschen? Momentan gibt es in Deutschland rund 400 Wölfe, die in etwa 70 Rudeln auftreten. Für Reinken steht fest, dass diese Zahl nicht mehr unterschätzt werden dürfe. Doch hierzulande gilt das Tier weiterhin als streng geschützt.

Nicht hinnehmbar findet das der Vorsitzende der Kreisjägerschaft Hamm: „Meiner Meinung nach muss das Jagdverbot aufgehoben werden. Einen entsprechenden Antrag hat der deutsche Jagdverband bereits gestellt. Durch eine strukturierte Bejagung unter strengen Auflagen könnte die Population kontrolliert und in bestimmten Grenzen gehalten werden.“ Finde dies nicht statt, könne es wie in den USA zu einer steigenden Anzahl an Wolfs-Attacken kommen, befürchtet Reinken.

von Max Gerhard

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