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Postkarten an Wladimir Putin: „Bitte stoppen Sie den Krieg!“

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Von: Dirk Grein

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Die weiße Friedenstaube mit Ölzweig im Schnabel ziert die blauen Postkarten. Mit diesen möchte Charlotte Forster ein Zeichen gegen den Krieg setzen. Im Hintergrund weht die weiß-grüne Friedensfahne vor dem Rathaus.
Die weiße Friedenstaube mit Ölzweig im Schnabel ziert die blauen Postkarten. Mit diesen möchte Charlotte Forster ein Zeichen gegen den Krieg setzen. Im Hintergrund weht die weiß-grüne Friedensfahne vor dem Rathaus. © Dirk Grein

„Herr Putin, bitte stoppen Sie den Krieg!“ – Diese Botschaft soll nach Russland getragen werden, am besten direkt hinein in den Kreml. Auch die Bürger in Russland sollen angeregt werden zum Nach- und Umdenken – durch eine Postkartenaktion, die in Herscheid Unterstützung findet.

Herscheid - Die Kriegsbilder aus der Ukraine, der ausgebombten Städte, der Leichen auf den Straßen, der trauernden Menschen – all das sei nur schwer zu ertragen. „Am liebsten möchte man gar nicht hinsehen“, sagt Charlotte Forster. Doch ausblenden könne man dieses schreckliche Thema nicht. Die Herscheiderin will nicht tatenlos zusehen, möchte mehr unternehmen als Sach- und Geldspenden tätigen. „Aber was kann eine einzelne Person schon ausrichten gegen diesen Krieg?“, diese Frage begleitet die Herscheiderin bereits seit Tagen.

Die vielen Aktionen der Solidarität geben ihr Mut, zeigen ihr, dass sie eben nicht allein ist mit ihrem Wunsch nach Frieden. Dieser vereinende Wille soll jedoch nicht nur vor Ort und in Deutschland spürbar sein, er soll auch die Menschen in Russland erreichen. Immer wieder sei in den Medien zu lesen, dass große Teile der russischen Bevölkerung den Krieg befürworten würden, erzählt Charlotte Forster. Ihnen soll gezeigt werden, dass tausende Menschen eine andere Meinung haben und sich nicht scheuen, diese auch kundzutun.

Durch einen Bericht in der Wochenzeitung „Unsere Kirche“ wurde sie aufmerksam auf eine Postkartenaktion, die ihren Ursprung im mittelhessischen Dillenburg hat. Mit der dortigen Kirchengemeinde hat Charlotte Forster Kontakt aufgenommen und erhielt 1 000 Postkarten. Auf diesen ist auf der blauen Front die weiße Friedenstaube mit Ölzweig im Schnabel zu sehen. Daneben stehen die anfangs erwähnten Worte „Herr Putin, bitte stoppen Sie den Krieg!“ – sowohl in deutscher, als auch in kyrillischer Schrift. Auf diese Weise sei die Botschaft auch für die Adressaten in Russland verständlich, sagt Forster.

Was Zauberlehrling Harry Potter mit der Kartenaktion zu tun hat

Die Postkarten-Aktion ist von der Katholischen Pfarrgemeinde „Zum Guten Hirten“ an der Dill ins Leben gerufen worden. Diese hat zunächst 10 000 der Friedenskarten drucken lassen – in der Hoffnung, dass diese Menge nicht ausreicht und sich möglichst viele Menschen beteiligen, indem sie eine Karte nach Russland schicken. Die Karten direkt an Wladimir Putin zu richten „mag naiv sein, denn vermutlich wird er die Karten nie zu Gesicht bekommen. Und trotzdem wollen wir damit ein Zeichen setzen“, erklärt die Pfarrgemeinde. Diese macht auf ihrer Internetseite www.herzjesu-dillenburg.de unter anderem mit einem kurzen Video auf die besondere Aktion aufmerksam. Darin sind Szenen aus dem Kinofilm Harry Potter zu sehen, die zeigen, wie der Onkel des Zauberlehrlings dessen Briefe zurückhält und vernichtet. In der Folge wird der Onkel mit unzähligen Briefen zugeschüttet, die auf unerklärliche Weise durch den Kamin und den Türschlitz in das Haus geflogen kommen. Diese Szenen seien ein Symbol für das Ziel der Aktion: Die Postkarten sollen daran erinnern, dass die ganze Welt gern Frieden hätte – Karte für Karte für Karte, heißt es in dem Film.

Apropos: Die Karten sind direkt an den russischen Machthaber Wladimir Putin in Moskau adressiert und bieten auf der Rückseite Platz für eine persönliche Friedensbotschaft. Dass die Karten tatsächlich bei Putin oder der Regierung ankommt, dieser Illusion gibt sich die Herscheiderin nicht hin. Das sei auch nicht das vorrangige Ziel: Stattdessen soll diese Aktion verdeutlichen, dass viele Menschen für den Frieden eintreten und darauf soll aufmerksam gemacht werden. Vielleicht könne damit zumindest in Teilen der russischen Bevölkerung ein Umdenken bewirkt werden.

In Herscheid hat Charlotte Forster die auffälligen blauen Karten im Rathaus und in einigen Geschäften ausgelegt und an Christiane Nockemann-Mätzig, die mit einigen Helfern regelmäßig zu Friedens- und Versöhnungsgebeten einlädt, verteilt. Die Karten können kostenlos abgeholt werden.

Das Einzige, was die Bürger machen müssen: Sie sollten eine Briefmarke kaufen und diese aufkleben. Auf der Karte ist ein entsprechender Platz durch ein Kästchen freigehalten, in dem steht: „95 Cent Porto um zu sagen: Stoppen Sie den Krieg!“

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