Erstes Konzert in Oesterhalle

Plattenvertrag mit 14: Kommt der neue Trap-Star aus dem Sauerland?

Lilco mit Fans bei seinem Auftritt in der Oesterhalle.
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Lilco mit Fans bei seinem Auftritt in der Oesterhalle.

Er ist erst 14 Jahre alt, wuchs in Plettenberg auf, lebt heute mit seinen Eltern in einem Neubaugebiet in Hüinghausen und steht vor dem Durchbruch im Musikgeschäft.

Plettenberg/Herscheid – Die Rede ist von Maurice Schubert, der sich selbst nur noch Lilco nennt und unter diesem Namen bereits viele selbstkomponierte Lieder und Musikvideos auf Plattformen wie YouTube und Spotify herausgebracht hat. Am Freitag sang Lilco in der Oesterhalle.

Seine Videos wurden über eine Million mal geklickt und danach dauerte es nicht mehr lange, bis sich Musikplattformen, Musikmanager und Plattenbosse bei der Familie meldeten.

Big Deal mit Universal Music

Vor wenigen Tagen unterschrieb der 14-Jährige im Beisein seiner Eltern einen Vertrag mit der Plattenfirma Universal Music, einem der Big Player im Musikgeschäft, wo auch Stars wie Rammstein, Sarah Connor, Billie Eilish und Eminem unter Vertrag stehen. Und jetzt auch ein Schüler des Albert-Schweitzer-Gymnasium, der schon mit acht Jahren die Songs von Eminem hörte und sich für Rapmusik interessierte. Als er dann selber erste Stücke schrieb, auf der Plattform Soundcloud hochlud und sich auch wie ein Rapper stylte, hagelte es in der Schule und in seinem Umfeld hämische Kommentare. „Es gab ganz viele Hater“, erzählt der Hüinghauser mit den lila Dreadlocks. „Das war eine verdammt schwere Zeit für ihn“, sagt Mutter Anita Schubert und auch Lilco selbst hat das nicht vergessen. „Es gab am Anfang viel Hass. Ich hatte gar keine Ruhe mehr. Es gab nur dumme Sprüche und Beleidieigungen“, erinnert sich der 14-Jährige.

Heute lacht niemand mehr über Lilco. Stattdessen wird er im Sterncenter oder in Plettenberg von Jugendlichen erkannt, die Fotos oder Autogramme wollen oder ein Foto mit ihm in ihren Instagram-Stories posten. Mit der Musik angefangen hat Maurice bereits mit acht Jahren, als er Klavierunterricht nahm und bei Jugend musiziert den ersten Platz belegte. Doch neben der klassischen Musik interessierte sich Maurice schon früh für sogenannten Battlerap.

„Wir haben es ihm erst mal verboten, Rapmusik mit diesen krassen Wörtern und Ausdrücken zu hören“, erinnert sich Vater Peter Schubert. Maurice ließ sich davon nicht abhalten: „Ich hatte die Musik auf meinem MP3-Player und habe heimlich weitergehört.“

Der 14-Jährige hat ein eigenes Tonstudio, wo er die Songs selbst schreibt und abmischt.

Lilco schreibt Songs alle selbst

Lilco sagt selbst über seinen Musikstil: „Ich mache Ami-Trap auf deutsch. Es ist kein HipHop und kein Rap, aber deutlich melodischer als Rap.“ Wichtig sei, dass es harmonisch klinge. Maurice schreibt all seine Songs selber und mischt sie bislang auch selbst ab – und das will er auch so beibehalten, auch wenn viele Rapper auf Songwriter setzen. Dass die Songs alle mehr oder weniger stark per Autotune (Automatische Tonhöhenkorrektur) verfremdet werden, ändere nichts daran, dass man gut singen muss.

„Mein erstes Video ist im September 2019 in einem Maisfeld in Hüinghausen entstanden“, erzählt Maurice. Wie wichtig dem Nachwuchsstar die Familie ist, zeigt die Zusammenarbeit mit seinem Vater, der das Hobby seines Sohnes per Videokamera unterstützte und sich nach und nach Schnitt- und Videotechniken aneignete und entsprechende Softwarelizenzen erwarb.

Auch heute noch dreht Peter Schubert die Videos, die auch bei Universal Music für gut befunden wurden – ein Ritterschlag. Noch dazu senkt es die Produktionskosten. So wurden in den letzten Monaten vier Lilco-Videos produziert, die demnächst von Universal Music veröffentlicht werden und noch unter Verschluss stehen.

Der 14-jährige Maurice Schubert nennt sich Lilco und hat bereits einen Plattenvertrag in der Tasche.

Videodrehs im ganzen Sauerland

In den älteren Lilco-Videos nutzten Vater und Sohn prägnante Orte in Plettenberg, Lüdenscheid und Herscheid. So kommen die Oestertalsperre, die Burgruine Schwarzenberg und der Böhler Park in den Videos vor.

Das sehr erfolgreiche Musikvideo VIP (jeweils knapp eine Million Aufrufe bei YouTube und Spotity) zeigt Szenen aus dem Weidenhof-Kino und einer Villa in Eiringhausen. „Wir kombinieren das dann oft mit Szenen aus Großstädten wie Frankfurt“, sagt der Vater.

Gemeinsam handelte die Familie auch einen Managementvertrag mit Ossama Oliver el Bourno von der Gefällt mir Music AG aus. Der Manager betreut unter anderem auch Mike Singer. Und er fädelte den Kontakt mit Universal Music ein. „Uns war es wichtig, dass Maurice weiter sein Ding machen kann“, sagt Vater Peter Schubert, der genau wie sein Frau Anita dafür sorgt, dass Maurice nicht die Bodenhaftung verliert und beim Interview ordentlich auf dem Sofa sitzt.

Zuschauer aus Köln und Andernach, aber wenig aus Plettenberg

Anders sollte das am Freitagabend sein, als Lilco – das Lil steht übrigens für little (klein) – in der Oesterhalle auftrat. Doch zu dem Konzert, das mit Unterstützung von Markus Döppler von der Dezibel Veranstaltungstechnik und Andrea Saladdino zustande kam, kamen am Ende doch nicht die erwarteten 100 Zuschauer. Dafür machten sich Fans aus Köln oder dem über zwei Stunden entfernten Andernach auf den Weg. Für sie alle lieferte der Rapper mit den lila Dreadlocks die ganze Show.

Und so war es für den 14-jährigen Lilco, der im Beisein seiner Eltern gerade erst einen Plattenvertrag mit dem Label Universal Music unterschrieben hat, dennoch eine gute Erfahrung. Denn neben der Auftritt-Premiere selbst, wurde erstmals alles aufgebaut. Auch Soundcheck und Generalprobe standen an. 

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