Pilotprojekt „Mobil Sorglos“

Arztgespräch nicht Auge in Auge, sondern per Videokonferenz

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Dirk Heymer erklärt im Bürgersaal die Technik für die geplanten Videokonferenzen im Beratungsmobil.

Herscheid – Was die Infrastruktur betrifft hängt der ländliche Raum, den Großstädten in vielen Bereichen hinterher. Um aufzuschließen, wagt die Gemeinde Herscheid einen neuartigen Pilotversuch: In Kooperation mit der Stadt Plettenberg soll das Vorhaben „Mobil Sorglos“ umgesetzt werden.

Welches Ziel verfolgt das Projekt? 

Die Mobilität in den Partnerkommunen soll verbessert werden – und zwar in beide Richtungen. So sollen Personen von daheim mit einem Fahrzeug abgeholt und zu ausgewählten Zielen (kulturelle Veranstaltungen, Gottesdienste, gesundheitsbezogene Angebote) gebracht werden. Aber auch ein Bringdienst ist angedacht, sodass regionale Produkte oder Arzneimittel nach Hause gebracht werden. Die Fahrer sollen über ein Tablet Zugriff auf einen mobilen Shop haben, um Bestellungen aufnehmen zu können. Mit einem zweiten Mobil soll der Bereich der telemedizinischen Dienstleistungen erschlossen werden: Ein umgebauter Wohnwagen soll mit entsprechender leicht bedienbarer Technik ausgerüstet werden. In diesem Fahrzeug können Videosprechstunden mit Haus- und Fachärzten ermöglicht werden. Auch mobile Beratungen durch die Kommunen und den Märkischen Kreis sind denkbar. 

Was sind die Vorteile dieses Projektes? 

Immobile Menschen sollen verstärkt am sozialen und kulturellen Leben teilhaben und Angebote der Daseinsvorsorge besser nutzen können. Dadurch sollen auch die Angehörigen entlastet werden. Bestehende Angebote wie Bürgerbusvereine, Geschäfte wie der Dorfladen oder andere Dienstleister sollen eingebunden werden und ebenfalls profitieren. „Wir wollen kein Konkurrenzangebot schaffen, sondern eine Lücke in der Versorgung mit Angeboten der Daseinsvorsorge schließen“, betont Projektleiterin Dr. Vera Gerling. 

An wen richtet sich dieses Angebot? 

Gedacht ist das „Mobil Sorglos“ für alle immobilen Menschen – also Senioren, Behinderte, aber auch junge Menschen, die noch keinen Führerschein besitzen. Letztgenannte könnten beim Weg zur Ausbildungsstelle oder zu Veranstaltungen von dem Angebot profitieren. Für die Nutzung des Angebots sollen Gebühren erhoben werden, deren Höhe sich an denen der Bürgerbusse orientieren. 

Was kostet das Vorhaben? 

Das Projekt, das Anfang 2020 beginnen soll, kostet für die Laufzeit von zwei Jahren rund 200 000 Euro. Die Hoffnungen beruhen darauf, dass das Projekt in das Bundesprogramm „Ländliche Entwicklung – LandMobil“ aufgenommen wird, das eine 90-prozentige Förderung garantiert. Der Eigenanteil in Höhe von 20 000 Euro müsste von den Kooperationspartnern Herscheid und Plettenberg aufgebracht werden. 

Wie realistisch ist eine Förderung? 

„Wir müssen dicke Bretter bohren, um diese Idee umsetzen zu können“, weiß Planerin Dr. Vera Gerling, dass ihr noch zahlreiche Gespräche mit möglichen Projektpartnern und Unternehmen bevorstehen. Positive Signale hat sie seitens des Bundesministeriums erhalten: Unter den insgesamt 155 eingereichten Vorschlägen zähle das Herscheider Projekt zu den besonders Guten, hat Dr. Gerling in Erfahrung gebracht: „Die Voraussetzungen, dass wir den Zuschlag bekommen, sind sehr gut.“ 

Wie sehen die nächsten Planungsschritte aus? 

Im Rahmen einer Bedarfsanalyse sollen alle heimischen Über-70-Jährigen per Fragebogen und alle 14-bis 18-Jährigen per Internet befragt werden. Welche Zielgruppen brauchen welche Produkte und Dienstleistungen? Welche Zielgruppen haben welche Transportbedarfe? Die Antworten sollen in das Gesamtkonzept einfließen. Die Rekrutierung der Unternehmen und Helfer, der Aufbau einer Vermittlungsplattform sowie die Beschaffung und der Umbau von Fahrzeugen sind weitere Schritte. 

Wie bewertet die Politik das Vorhaben? 

In der Sitzung des Herscheider Sozialausschusses stellte Dr. Vera Gerling das Projekt und Dirk Heymer, Geschäftsführer von Heymer Consult -Hevido, die Technik für die Videokonferenzen vor. Die Ausschussmitglieder waren beeindruckt und stimmten einstimmig dafür, die Planungen zu forcieren. Auch die Mitglieder des Plettenberger Gesundheitsausschusses befürworteten das Vorhaben.

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