„Wieder Leben in der Hütte“, aber auch Tristesse

Öffnung der Außengastronomie: Nicht alle sind zufrieden

Magdalena Kowal ist zufrieden mit dem ersten Öffnungstag nach Monaten. Viele Gäste, auch von weiter entfernt, nutzten den Außenbereich des Landhauses Stottmert.
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Magdalena Kowal ist zufrieden mit dem ersten Öffnungstag nach Monaten. Viele Gäste, auch von weiter entfernt, nutzten den Außenbereich des Landhauses Stottmert.

Ein kleiner Schritt Richtung Normalität: Am Pfingstsonntag durfte die Außengastronomie nach über einem halben Jahr Zwangspause endlich wieder öffnen.

Herscheid - „Es ist ein total schönes Gefühl, wieder Leben in der Hütte zu haben“, sagte Magdalena Kowal, Inhaberin des Landhaus Stottmert, mit einem Strahlen im Gesicht, das auch durch die Maske nicht verdeckt werden konnte. Zwar hatte die Küche im Landhaus in der Zeit des Lockdowns weitergearbeitet – Speisen konnten nach Bestellung abgeholt werden – doch die Gäste richtig zu empfangen und zu bewirten, sei nun mal etwas ganz anderes.

Die Aussicht auf schlechtes Wetter an Pfingsten war kein Moment ein Hinderungsgrund für die Öffnung des Außenbereichs; und letztendlich habe es der liebe Petrus gut mit ihnen gemeint, freut sich Kowal. Vier Tische sind im Landhaus Stottmert überdacht und zurzeit sogar mit Heizstrahlern ausgestattet. Diese Tische waren sowohl am Sonntagmittag, als auch am Sonntagabend alle reserviert und belegt. Wer spontan im Landhaus einkehren wollte, wurde jedoch keineswegs abgewiesen: Wer keinen gesteigerten Wert auf ein Dach über dem Kopf legte, konnte einen der übrigen Tische belegen, die auf dem unbedachten Terrassenteil sowie auf der angrenzenden Wiese standen.

Die 3 G

Um die drei „G“ – geimpft, genesen, getestet – kam jedoch keiner herum. „Die Leute wissen, worauf es ankommt“, erklärte Kowal und ergänzte: „Manche kommen schon mit dem Zettel wedelnd um die Ecke.“ Dennoch gebe es auch viele, die anrufen, um sich nach den Voraussetzungen für einen Besuch zu erkundigen. Tischreservierungen für das kommende Wochenende habe sie auch schon entgegengenommen.

Die Männer des Landhauses hatten in den vergangenen Tagen kräftig geschuftet, damit der Außenbereich direkt bei Startschuss genutzt werden konnte. „Die haben sich ordentlich ins Zeug gelegt“, erklärte Kowal. Obwohl die Lockerungen nun doch relativ schnell kamen, sei man aufgrund der sinkenden Fallzahlen ein bisschen vorgewarnt gewesen.

Innengastronomie

Auch für den nächsten Schritt, die Öffnung der Innengastronomie, sei man im Landhaus Stottmert bereits bestens vorbereitet: Ein neuer Luftfilter sei bereits eingebaut und einsatzbereit. Derweil genossen die ersten Gäste das Ambiente an der frischen Luft. „Wir sind glücklich und zufrieden“, sagte beispielsweise ein Paar aus Plettenberg. Dieses hatte „sofort einen Tisch bestellt“, nachdem die Öffnung der Außengastronomie fix war.

Erst wandern, dann einkehren – darauf hatte man lange verzichten müssen, doch auch dies war am Sonntag endlich wieder möglich, sehr zur Freunde dreier Herren aus Herscheid, denen es sichtlich gut geschmeckt hat. Selbst aus Siegen oder Wuppertal waren Familien angereist. „Wir freuen uns natürlich“, sagten nicht nur die Erwachsenen. Sie genossen ebenso wie die Kinder den „Rundumservice“ des Restaurants. 

Dass der Restaurantbesuch nur mit negativem Testergebnis möglich ist, störte weder Groß noch Klein. „Wir müssen uns in der Schule ja auch testen“, sagten die Kinder; es gehöre zum notwendigen Übel und sei mittlerweile normal, erklärten die Erwachsenen. „Man lebt auf“, hieß es von Walter und Margret Bergmann aus Herscheid. Die beiden waren auf dem Weg von Lüdenscheid nach Hause am Landhaus vorbeigekommen, hatten eigentlich nur eine Karte mitnehmen wollen und seien dann „kleben geblieben“. Trotz der kühlen Temperaturen und der immer mal wieder vorbeiziehenden Wolken freute sich das Paar über die Möglichkeit, wieder die Außengastronomie genießen zu können. Es sei ein tolles Gefühl, „endlich wieder rauszukommen“, so die Herscheider.

„Es ist schade.“

Während im Landhaus Stottmert das Leben schon wieder ordentlich Einzug gehalten hat, verlief der Start in der Herscheider Mühle am Sonntag deutlich schleppender. Dabei hatte man sich auch hier sehr auf die Möglichkeit der Öffnung gefreut. „Gott sei dank dürfen wir wieder aufmachen“, sagte Ursula Alberts, die gemeinsam mit ihrem Mann Gustav-Adolf den ältesten Betrieb Herscheids in Familienbesitz führt.

Allerdings hätten sie sich für den Start deutlich besseres Wetter gewünscht. „Fünf, sechs Grad mehr täten uns gut“, so Alberts. Die Mühle liegt zwar idyllisch von Bäumen flankiert, doch mache sich dies auf dem Thermometer durchaus bemerkbar. So konnte die Herscheider Mühle am Sonntagmittag nur zwei Gäste bewirten – für den Abend hatten sich weitere zwei angemeldet.

Gustav-Adolf und Ursula Alberts von der Herscheider Mühle hätten sich zur Wiedereröffnung der Außengastronomie mehr Gäste gewünscht. Doch das Wetter spielte am Wochenende nicht so recht mit.

Unsere Existenz steht auf dem Spiel.

Ursula Alberts, Herscheider Mühle

„Es ist schade“, klagt Alberts. Sie habe natürlich frisch eingekauft, habe Spargel, Rouladen und diverse Kuchen vorbereitet. „Das macht ja Spaß, aber man muss es auch verkaufen.“ Andererseits könne sie die Menschen auch verstehen: „Nach draußen setzt sich keiner hin. Nicht bei dem Wind, nicht bei neun Grad.“ Wenn es wärmer wird, würden auch wieder mehr Leute kommen, da ist sich Alberts sicher. Sie erzählt, dass bereits viele Stammgäste nachgefragt hätten, wann sie denn wieder kommen könnten. „Ich bin natürlich froh, dass wir so treue Gäste haben“, so Alberts.

Abstände wären da

Auf Wetterbesserung zu warten, und erst dann zu öffnen, kam für die Herscheider Mühle jedoch nicht infrage. Rund 250 Tage hatte die Mühle nun schon geschlossen. Die Einnahmen waren weggebrochen, doch die Kosten liefen natürlich weiter. „Unsere Existenz steht auf dem Spiel.“

Unverständlich sei es für Alberts, warum nicht auch die Innengastronomie wieder in Betrieb gehen kann. „Die Abstände wären doch da“, sagt sie mit Blick auf den großzügigen Gastraum. Den Kopf hängen lassen will das Ehepaar aber nicht; es schaut dennoch positiv in die Zukunft und hofft auf wärmeres Wetter, denn: „Unsere Gäste freuen sich darauf, wiederzukommen.“ 

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