1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Herscheid

„Raufen und Rangeln“: Nudelkampf in der Kita

Erstellt:

Von: Dirk Grein

Kommentare

Projektleiterin Antje Wolfgramm fordert die Mädchen zu einem Nudelkampf heraus.
Projektleiterin Antje Wolfgramm fordert die Mädchen zu einem Nudelkampf heraus. © grein

Ring frei für die nächste Runde: Die Mädchen stehen Auge in Auge und präsentieren ihre Schwerter. Mit den Schwimmnudeln aus Schaumstoff duellieren sie sich. Bei diesen Kämpfen quieken die Gegnerinnen vor Vergnügen, einige springen vor Freude über die ausgelegte Turnmatte und lassen sich darauf fallen.

Herscheid - „Raufen und Rangeln mit Regeln“ lautet das viertägige Projekt, das die Vorschulkinder in der DRK-Kita auf Trab hält. Dabei stehen psychomotorische, aber auch pädagogische Aspekte im Mittelpunkt, wie Antje Wolfgramm erzählt. Die Mitarbeiterin des Regionalen Bildungsbüros Märkischer Kreis betont, dass sich die Einheiten nicht allein auf Herumtoben beschränken. „Es geht auch darum, dass die Kinder klare Grenzen kennenlernen und einhalten“, sagt sie.

Als Beispiel nennt sie die erwähnten Kämpfe: Im Vorfeld werde mit den Teilnehmern festgelegt, wo Treffer gesetzt werden dürfen. In der Regel gilt: Beine und Schlagarm ja, Kopf nein. Wer unabsichtlich doch das Haupt des Gegners erwischt, der muss sich entschuldigen. Und wer sich nicht an die Regeln hält, der muss vorerst pausieren.

„In jedem von uns steckt Aggressionspotenzial“, sagt Antje Wolfgramm. Dieses sei von Person zu Person unterschiedlich stark ausgeprägt – das zeigt sich auch bei der Mattenübung. Mit einem anderen Schaumstoffschläger „bearbeiten“ die Mädchen eine blaue Turnmatte. Mal knallt es lauter, mal leiser.

Zeitungs-Karate: Mit einem gezielten Schlag durchtrennen die Mädchen eine Seite – das steigert das Selbstbewusstsein.
Zeitungs-Karate: Mit einem gezielten Schlag durchtrennen die Mädchen eine Seite – das steigert das Selbstbewusstsein. © Grein, Dirk

Was simpel aussieht, verrät der Bildungsreferentin Wichtiges über den Entwicklungsstand der Kinder. Sie achtet auf die Haltung des Schlägers, aber auch auf andere Merkmale. Ein Beispiel: Krabbelt ein Kind nicht richtig, dann könnte es später in der Schule Schwierigkeiten bei der Stifthaltung bekommen. „Da können wir mit Frühförderung gegensteuern“, sagt Antje Wolfgramm, die stets Rücksprache mit den Einrichtungsleitungen hält.

Für die Kinder steht der Spaß an der Bewegung im Mittelpunkt: Beim Tauziehen wird ihr Ehrgeiz geweckt, beim Sandballrennen drehen sie im Sauseschritt ihre Runden. Es sei schön zu sehen, wie zunächst schüchterne Kinder immer mehr aus sich heraustrauen.

Ohnehin sei zurzeit zu spüren, dass die Kinder einen großen Drang nach Bewegung, nach Kraftübungen haben. Eine Folge der Corona-Einschränkungen? Darauf will sich Antje Wolfgramm nicht festlegen. Allerdings erzählt sie, dass ihr Raufen-Projekt eine bemerkenswerte Resonanz erfahre. Bis zu den Sommerferien sei es im Nu ausgebucht gewesen, einige Einrichtungen stehen bereits auf einer Warteliste.

Die Mädchen und Jungen (Vorschule) in der Herscheider Kita, die das Projekt in zwei separaten Gruppen erleben, genießen die Übungen jedenfalls: Die Kraftübungen, das Staubsaugerspiel zum Aufräumen und auch die Massageeinheit zum Abschluss. „Wir werden ganz bestimmt einige dieser Übungen in unseren Alltag übernehmen“, ist auch Einrichtungsleiterin Elke Haase begeistert.

Auch interessant

Kommentare